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Bewahrung der Schöpfung
Es ist ein Buch - Für mich ein Andachtsbuch. Die Erde von oben. Tag für Tag.
Der Einband - vorne eine Insel im türkisblauen Meer, hinten Felder, soweit das Auge reicht - ein Vorgeschmack auf die 365 Aufnahmen im Inneren. Bilder aus meist entlegenen Teilen der Welt; ein Sumpf in Madagaskar, Gazellen im Unterholz in Somalia, ein Markt in Marrakesch. Ungewöhnliche Perspektiven, Buntheit, und immer wieder satte Farben, Aufnahmen, bei denen man oft erst beim zweiten Hinsehen das Motiv erkennt. Da entpuppen sich die Anordnung von Linien auf dunklem Grund als Tierspuren an einem Berghang in Mexiko, ein Flickenteppich als riesiger Stapel von Schrottautos, was aussieht wie eine Batik ist ein Foto vom Ölpalmenanbau in Malaysia.
Manche berühren durch ihre Schönheit. Andere zeigen die Spuren von Zerstörung durch Naturkatastrophen oder Umweltverschmutzung.
Dieses Buch lässt uns an den Geschehnissen der Welt Anteil nehmen, heißt es auf dem Buchrücken, und ruft uns auf zum Engagement gegen die Zerstörung des Gleichgewichts der Natur, gegen Krieg und alle Folgen menschlicher Unvernunft, die diesen wunderbaren Planeten gefährden. Das mag werbewirksam formuliert sein. Trifft aber zu.
Yann Arthus Bertrand, der die meisten Aufnahmen gemacht hat, war zunächst Schauspieler, studierte dann Biologie und arbeitete in einem Nationalpark in Kenia. Hier entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie aus der Vogelperspektive. Seit 20 Jahren arbeitet er -gefördert von der Unesco- an einer Art fotografischer Inventur der Erde, engagiert sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit.
Das Foto für heute wurde im Tschad gemacht. Ungefähr 15 Menschen, zwei Esel, an einer kleinen Wasserstelle, umgeben von säuberlich angeordneten rechteckigen Platten. Wie zu jedem Bild gibt es auch hier einen kurzen erklärenden Text.
Im Tschad sind die meisten Häuser aus getrockneten Lehmziegeln erbaut. Dazu wird der Lehm aus den Sümpfen, mit den Füßen gestampft, mit gehäckseltem Stroh vermischt und in Formen gepresst. Die auf diese Weise hergestellten Ziegel trocknen in der Sonne. Lehmziegel sind eines der ältesten Baumaterialien der Welt und wurden erstmals vor 5000 Jahren in Ägypten und Mesopotamien verwendet. Lehm ist reichlich vorhanden und leicht einsetzbar...
So kann es heute um die Vorteile von Lehmziegeln und ihre Wiederentdeckung beim ökologischen Bauen in Europa gehen, morgen anhand der Agrarwirtschaft in den Vereinigten Staaten um die Bodenerosion.
Auch ein Bild aus Kanada ist dabei; es zeigt einen Wald in Herbst. Thema ist die Papierindustrie und die Bewahrung der Wälder. Passend. Denn genau 30 Jahre ist es her, dass Christen verschiedener Konfessionen sich in Vancouver auf einen gemeinsamen Lernweg machten, bekannt als konziliarer Prozess zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Zehn Grundüberzeugungen wurden damals formuliert, darunter: Wir bekräftigen, dass die Erde Gott gehört. Das Land und die Gewässer bedeuten Leben für die Menschen. Der Mensch soll Boden und Gewässer so nutzen, dass die Erde regelmässig ihre lebensspendende Kraft wiederherstellen kann, dass ihre Unversehrtheit geschützt wird und dass die Tiere und Lebewesen den Raum zum Leben haben, den sie brauchen. Wir werden jeder Politik widerstehen, die Land als bloße Ware behandelt. (Forderungen und Einsichten, die Einfluss hatten auf die Formulierung der Agenda 21). Große Ziele, die dem Zeitgeist widersprechen und schnell in Vergessenheit geraten können. Die Erde ist des Herrn. Ressourcen sind endlich. Land und Wasser bedeuten Leben. Tiere sind Mitgeschöpfe. Wer sein Handeln danach ausrichten will, braucht Wachheit und Erinnerung. Die Erde von oben vermittelt beides, wenn man möchte Tag für Tag.
Bewahrung der Schöpfung
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