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Heimat Ruanda
Autorin: Gerade mal 26 war Natalie Vanneste, als sie nach Ruanda ging, um Partnerschaftsprojekte zu koordinieren:
Kurz nach dem verheerenden Bürgerkrieg, ging es erst mal ums Überleben. Auch für Menschen mit Behinderung.
O-Ton: wenn es körperliche oder erworbene Behinderungen waren, waren sehr viel von ihnen Bettler, waren auf der Straße gesessen, haben ihre Familien teilweise ernährt durch Betteln, und Menschen mit geistiger Behinderung wurden eben vollkommen versteckt.
Autorin: Natalie Vanneste hat lange Zeit eine Initiative von Nonnen unterstützt. Eine Einrichtung für Menschen mit Mehrfachbehinderungen
O-Ton: und das haben wir über die Jahre zu einem wirklich schönen Projekt gemacht von einer Lehmhütte, in der die Menschen auf dem Boden auf Bastmatten lagen..
zu einem Projekt mit drei großen Backsteinhäusern mit Latrinen, mit einer Zisterne, vorher war die nächste Quelle acht Kilometer weg, mit einem Wasserhahn, mit einer Küche, mit einem modernen Kohlenofen...
Autorin: Mit finanzieller Unterstützung von Partnern in Deutschland und in Kooperation mit Hilfsorganisationen vor Ort konnten Felder gekauft werden, um Ackerbau zu betreiben und eine gute Ernährung sicher zu stellen. Der Besuch einer Förderschule wurde möglich.
O-Ton: Eins was mir sehr besonders am Herzen lag war der Aufbau eines Behindertensportverbandes. (Weil da einfach noch viel mehr dahinter steckt als nur der Sport) , sondern auch körperbehinderte Menschen, die wir von der Straße geholt haben durch den Sport, die Selbstvertrauen aufgebaut haben, die nicht nur geächtet oder Outsider waren, sondern durch den Sport Anerkennung gewonnen haben.
Autorin: Stolz schwingt mit, wenn Natalie Vanneste von den Paralympics erzählt. Im vergangenen Jahr hat die ruandische Sitzvolleyballmannschaft zum ersten Mal teilgenommen. Doch die traurigen und belastenden Geschichten überwiegen. Immer noch erschüttert ist sie, wenn sie von dem kleinen Mädchen erzählt, dass als achtjährige ihre Eltern verloren hat und dann versucht hat, alleine zu überleben. Aufgrund der mangelhaften Ernährung wurde sie geistig behindert. Sie wurde dann von einer Cousine gefunden, die sie aufgenommen und in einen Ziegenstall gesperrt hat. Für viele Jahre. Gefunden wurde sie von Nachbarskindern:
O-Ton: als sie gefunden wurde, wog sie noch vier ein halb Kilo und wurde dann ins Krankenhaus gebracht und die Bastmatte, auf der sie da gelegen hat, war in die Haut eingewachsen... und das ist für mich so bezeichnend, wie man mit Menschen mit Behinderung umgeht, auch aus ner Verzweiflung heraus, wenn man selber nicht genug zu essen hat und das Mädchen hat sich von den Abfällen ernährt, die man hingeworfen hat,
Autorin: Eine von vielen Situationen, die die Sozialarbeiterin als sehr beklemmend, sehr bedrückend erlebt hat. Geholfen hat das Gefühl; ich kann was tun.
O-Ton: Ich hatte nie das Gefühl, ich kanns nicht verpacken, man lernt Menschen kennen und denkt, mein Gott, wie konnten die überleben? Wie können die das aushalten diesen psychischen Schmerz, diesen seelischen Schmerz? Aber das Gute war natürlich, dass ich in einer Position war, dass ich ihnen weiterhelfen konnte, (und damit kann man ganz viel verkraften, wenn man nicht nur aushalten muss. ) Und dadurch konnte ich auch viel aushalten.
Autorin: Kraft gegeben hat ihr auch ein besonderes Erlebnis in einem Gottesdienst auf dem Land. Dort waren die Menschen so arm, dass sie kein Geld für die Kollekte hatten. Und da hat jeder eine Handvoll Bohnen mitgebracht. Quasi als Kollekte, als Sammlung für die Gemeinde. Und diese Bohnen wurden dann an die verteilt, die noch ärmer waren.
O-Ton: ( und da bringt jeder eine Handvoll Bohnen mit und bringt die vorne zum Altar wenn Zeit der Kollekte ist und das ist dann die Sammlung in der Kirche, die weitergegeben wird an die, die noch ärmer sind, (also oft eben Menschen mit Behinderung, ) das sind so Momente, die einem ganz viel Kraft geben, weil man einfach merkt, es gibt so viele Möglichkeiten, und vieles was passiert in dieser ganzen Armut, das man immer motiviert ist und immer Kraft hat und Energie weiterzumachen.
Heimat Ruanda
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