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Kein Bild machen
Torsten hat originelle Ideen, Frau Schmidt einen kühlen Kopf und Dagmar ein großes Herz.
Wir haben ein Bild vom anderen, vom Kollegen, von der Freundin, vom Verkäufer im Supermarkt. Manchmal beruht es auf einem einzigen Erlebnis, einem ersten Eindruck, manchmal auf vielen Erfahrungen und einer gemeinsamen Geschichte. Wir sind voll von Vorstellungen wie; Frau Müller ist hundertprozentig verschwiegen, Ulrike hat immer gute Laune und Rainer hat trotz seiner vielen Arbeit ein offenes Ohr. Oft sind wir so sehr von unseren Bildern im Kopf besessen, dass wir irritiert sind, wenn uns jemand durch sein Verhalten auf die eine oder andere Weise überrascht. Wir orientieren uns an den Bildern, die wir uns von anderen machen.
Aber manchmal nerven sie und verursachen Unrecht. Nämlich dann, wenn aus dem Bild ein Stempel wird. Aus der Idee vom anderen, eine Gewissheit. Zum Beispiel in der Schule: Einmal schlechter Schüler immer schlechter Schüler.
Studien belegen nämlich; die Benotung der Schüler wird von der Einstellung des Lehrers beeinflusst. Der liest die Arbeit eines vermeintlich schlechten Schülers nur flüchtig, bevor er seine fünf darunter setzt. Auch im eigenen Alltag begegnen sie uns, die Vor-Urteile. Da fängt eine neue Mitarbeiterin im Wohnheim an und erfährt als erstes, wer als schwierig gilt. Schon ist die Chance auf eine unvoreingenommene Begegnung vertan.
Es ist also Vorsicht geboten, denn - obwohl sie nur im Kopf entstehen- sind unsere Bilder vom anderen oft wie in Stein gemeißelt, festgelegt für alle Ewigkeit.
Diese Gefahr hat wohl auch Gott gesehen. Mach dir kein Bildnis von mir, heißt eins der Top Zehn seiner Gebote. Möglicherweise das, gegen das am meisten verstoßen wird.
Kein Bild von Gott? Die Bibel selbst ist ja voll von Gleichnissen und oft sehr schönen Bildern. Gott ist wie ein guter Vater, ein Hirte, der nährt und beschützt, eine Henne, die ihre Brut verteidigt, ein sicheres Haus, ein Bauer, der seinen Acker bewirtschaftet. Viele Bilder von Gott, die ihn als verlässlich und gütig beschreiben. Und die Ausdruck der Sehnsucht sind, Gott zu verstehen.
Das will auch Mose. Der ist ein einfacher Hirte bis er eines Tages von Gott berufen wird. Gott verspricht ihm sein Volk aus der Gefangenschaft zu befreien. Mose soll ihr Sprecher und Führer sein. Doch der zweifelt daran, dass das Volk ihn anerkennt. Was soll ich meinem Volk sagen, wenn sie fragen, wem ich begegnet bin? fragt er. Gottes knappe Antwort: Sage ihnen: Ich bin, der ich bin.
Das klingt zunächst ziemlich schroff. Gott verweigert sich dem menschlichen Wunsch, ihn zu begreifen. Es scheint, als wolle er nicht in ein Schema gepresst werden. Im Gegenteil; er betont seine Souveränität, die Unverfügbarkeit, die Einzigartigkeit. So verwehrt er sich dagegen Objekt menschlicher Wünsche zu werden, gepresst zu werden ins Korsett frommer Vorstellungen oder politischer Absichten. Gott verspricht; ich bin da. Ich bin bei euch. Nur wie ich bin, das ist nicht festgeschrieben, das musst oder darfst du immer neu entdecken.
Und wir? Und ich? Als Geschöpfe Gottes sind auch wir einzigartig. Trotz aller Selbst- und Fremdbilder können wir souverän handeln. Wir sind, die wir sind. Ich bin, die ich bin. Mit Eigenschaften, die mich ausmachen und immer auch mit der Möglichkeit, mich zu verändern. Schön, wenn es dann Menschen gibt, die das zulassen und mich so nehmen wie ich bin.
Kein Bild machen
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