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Trauer... die sein darf und durchtauchen zur neuen Lebendigkeit
Eine Frau trauert. Um ihren zu früh gestorbenen Mann. Sie trägt nicht schwarz und doch spürt man ihr an: Das ist ein harter seelischer Weg.
Sie wirkt dabei still, nach innen gekehrt, lacht seltener. Sie hält den Schmerz aus, dass ihr geliebter Mann tot ist. Sie trauert um das Schöne, das sie verbunden hat, die Zärtlichkeit, die gemeinsamen Pläne und Interessen. Und sie blendet nicht aus, dass es auch schwere Zeiten gab, Spannungen, die nun nicht mehr gelöst werden können. Mit dem Tod ihres Mannes sind nun auch Lebensträume zerplatzt. Zusammen alt werden. Die Welt entdecken. Die Zeit nach den Kindern neu gestalten. Alles vorbei. Nach einem Jahr dann die Bemerkung einer Freundin: Nun ist aber auch langsam mal gut mit Trauern und Trübsal blasen! Komm mal wieder im Leben an! Aber dieser hilflose Rat mal mit der Trauer aufzuhören funktioniert nicht. Im Leben wieder ankommen kann ich erst, wenn ich die Trauer durchlebt habe und das kann man nicht machen...
Liebe Hörerin, lieber Hörer - Trauer scheint so unnormal und störend geworden zu sein, dass wir sie schon wieder als therapeutische Disziplin definieren, als Trauerarbeit. Wir haben das Gespür für die Kraft und das Potential der Trauer verloren. Ich meine nicht nur die Trauer über einen Menschen, der durch Tod oder Trennung verloren ging. Wir trauern auch über sterbende Lebensträume. Verpasste Chancen. Die Durchschnittlichkeit des Lebens. Das Schwächerwerden. Trauer ist normal, sie gehört zum Leben dazu! Selten gibt es auch eine zerstörerische Trauer, die nicht weiter hilft. Trauer kann in Selbstmitleid oder Anklage enden. Im Selbstmitleid jammere ich und schwimme um mich selbst herum, in der Anklage finde ich Schuldige und bleibe erstarrt an der Oberfläche meines Schmerzes. Oder ich verweigere mich dem Schmerz, dann zerbreche ich an der Trauer und werde hart und bitter.
Trauern heißt im besten Fall: Mich der Trauer nicht verweigern. Nicht erstarren. Den Schmerz, die Wut und Enttäuschung zulassen - über die Lebensträume, die zerbrechen, den Menschen, die Arbeit, die Heimat, die mir fehlen. Denn Trauer will wahrgenommen und ausgedrückt werden. Anders gesagt: Wenn ich durch den Schmerz der Trauer wahrhaftig hindurchtauche, stoße ich auf eine neue Lebendigkeit. Auf neue Möglichkeiten. Und ich stoße auf Gott selbst, der mich liebevoll empfängt. Ich tauche nie ins Ungewisse, wenn ich Gott, den Vater, kenne. Im 139. Psalm beschreibt der Dichter genau das: Und spräche ich: »Nur noch Finsternis soll mich umgeben, und der helle Tag um mich her soll sich verwandeln in tiefste Nacht!«, dann wäre selbst die Finsternis nicht finster bei dir, Gott und die Nacht würde leuchten wie der Tag. Ja bei dir, Gott wäre tiefste Dunkelheit so hell wie das Licht! (Verse 11 und 12)
Am Anfang bricht in der Trauer der Boden unter den Füßen weg. Trauer ist schwer, anstrengend, bedrohlich manchmal. Ein gähnendes Loch tut sich auf. Wie gut, wenn Menschen da sind, die für andere zum Christus werden und bleiben, wo andere weglaufen möchten. Die keine einfache Antwort wissen. Sondern schweigen, trösten, Tränen trocknen. Und irgendwann vorsichtig auf das neue Land hinweisen, auf neue Möglichkeiten
Mit Gott an der Seite kann das gelingen. Er kennt die Trauer aus eigener Erfahrung. Aber er setzt dem Dunklen auch das neue Land entgegen: die Auferstehung. Und diese Hoffnung darf auch jetzt schon Licht ins Dunkel bringen.
Wenn Sie gerade trauern, wünsche ich Ihnen den Mut und die menschliche und göttliche Begleitung, sich darauf einzulassen. Am Boden der Trauer wartet neues Land. Das hat Gott versprochen. Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.
Trauer... die sein darf und durchtauchen zur neuen Lebendigkeit
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