Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.09.13; Pastor Christof Lenzen

Chuck Norris kennt keine Angst...

Liebe Hörerin, lieber Hörer - kennen Sie Chuck Norris? Chuck Norris ist der Prototyp des kalten Ra¨chers im amerikanischen Kino und kennt keine Angst,

nur einen grimmigen Gesichtsausdruck. Chuck Norris ist so angsfrei, dass es mittlerweile im Internet tausende Witze u¨ber ihn gibt. Hier eine Kostprobe: „Chuck Norris schla¨ft mit eingeschaltetem Licht. Nicht weil Chuck Angst vor der Dunkelheit ha¨tte, sondern weil die Dunkelheit Angst vor Chuck Norris hat.“

Klasse, wie hier der angstfreie Chuck auf den Arm genommen wird! Die Witze funktionieren, weil die meisten Menschen wissen: So cool ist in Wirklichkeit keiner. Angst hat jeder Mensch! Doch die Angst hat offiziell keinen guten Ruf. Viele Menschen glauben, dass Angst etwas Krankhaftes ist, etwas, das man loswerden, besiegen muss. Wenn wir aber Angst beka¨mpfen, machen wir sie nur sta¨rker. Wenn wir sie verdra¨ngen, macht sie uns krank. Aber wie können wir dann mit ihr umgehen? Und warum hat Gott sie uns ins Herz gepflanzt? A¨ngste warnen uns vor Gefahren. Weil sie uns aufmerksam machen, wenn wir über unsere Grenzen gehen. Weil sie uns lehren, Maß zu halten und Schieflagen im Herzen wahrzunehmen. Aber die Ängste sollen uns nicht la¨hmen! Oft passiert aber gerade das: Die Angst nimmt mich gefangen und plötzlich dreht sich alles im Leben nur noch darum: Um mich und meine Angst. Wie kann ich aus diesem Teufelskreis heraus kommen?

Einen Weg zeigen die die Beter im Alten Testament. Sie sprechen mit ihrer Seele und befragen sie: „Was bist du so mutlos, meine Seele, warum bist du so traurig, so unruhig in mir? Was treibt dich um?“ (Ps 43,5 nach NL) Dieses Selbstgespräch führen die Beter nicht im luftleeren Raum, sondern vor Gott. Dort ist es gut aufgehoben. Nachdem sie so der Seele und ihren Ängsten Raum gegeben haben, trösten sie sich mit der eigenen und der Glaubenserfahrung ihrer Vorfahren und sagen: „Auf Gott will ich hoffen, denn eines Tages werde ich ihn wieder loben, meinen Retter und meinen Gott.“ (Neues Leben)

Wie könnten Fragen an die Seele heute lauten? Zum Beispiel so: „Meine Seele, warum hast du solche Angst vor dem Morgen. Angst davor, dass deine Kinder die Schule nicht packen. Angst vor dem neuen Tag, dass du es nicht schaffst, durchzuhalten. Angst vor Krankheit und Tod.“ Indem ich mit meiner Seele über die Angst rede, erzählt sie mir einiges über mich und meinen Glauben. Dann kann ich weiter fragen: „Was steckt hinter dir, der Angst vor der Pru¨fung morgen? Ich habe doch gut gelernt?“ Und dann antwortet unsere Seele vielleicht: „Aber ob das reicht? Ich muss alles richtig machen. Perfekt. Nur dann ist es gut genug!“ Am Boden der Angst ist ein innerer Satz zum Vorschein gekommen. Es ist nie genug. Du bist nie genug. Dann kann ich mich anstrengen wie ich will, es wird nicht reichen. Indem ich im Zwiegespräch mit meiner Seele diese Sätze am Boden der Angst wahrnehme, stoße ich auf die Lu¨gen meines Lebens, die mein Herz knebeln. Und ich stoße auf Gott selbst, auf seinen Sohn Jesus Christus, der bewusst nach ganz unten gegangen ist, um mir gerade dort zu begegnen.

Denn kurz vor seinem Tod macht Jesus genau das. Er stellt sich seiner Angst vor Verrat, Gefangenschaft, Foltertod. Offen. Radikal. Schwitzt Wasser und Blut. Er bespricht die Angst seiner Seele mit Gott, seinem Vater. Und legt sein Gefühl der Gottverlassenheit, seine Angst und sein Leben schließlich in dessen Ha¨nde und geht seinen Weg mutig weiter. Dass Gott ihn nicht in Verlassenheit und Tod gelassen hat, sondern ihn auferweckt hat, das ist das Hoffnungszeichen, das meine Seele braucht. Mo¨ge die Liebe Gottes Ihnen erst Mut zur Angst geben, und Ihnen dann helfen, die Angst zu u¨berwinden. Das wünscht Ihnen Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

 

Audiobeitrag Chuck Norris kennt keine Angst...


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