Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.09.13; Pastor Christof Lenzen

Oink Wuff - der Schweinehund dein Freund!

Liebe Hörerin, lieber Hörer - es gibt Katzen- und Hundemenschen. Einige mögen beide Tiere gleichzeitig, manche mögen überhaupt nichts von beidem.

Ich bin Hundemensch und Katzen sind für mich eine Ausgeburt der - nunja, Sie wissen schon. Aber das ist keine objektive Meinung. Einig ist sich die Menschheit dagegen bei einem ganz anderen Tier. Einem Zwitterwesen, das man nicht in freier Wildbahn findet, das aber jeden Menschen begleitet. Dieses Tier ist verhasst, gefürchtet, man schiebt ihm Schuld in die Schuhe - nur geliebt wird es fast nie… und das zu Unrecht… es geht um den Schweinehund.

Wenn es darum geht, etwas so genanntes „Gutes“ für sich zu tun, zu dem man aber eigentlich keine Lust hat, dann meldet er sich mit einschmeichelnder, manchmal auch nörgeliger Stimme. „Ich habe keine Lust!“, „Es ist auch viel zu warm“, „Nur noch dieses eine Mal…“. Schokolade essen, nicht laufen gehen und vieles mehr… wer kennt den (inneren) Schweinehund nicht. Komischerweise meldet er sich überhaupt nicht bei Aktivitäten, die uns Freude machen. Und das Viech ist hartnäckig - denn wenn man es bekämpft, wird es stärker! Die Schweinehundforschung bestätigt: Wer den Schweinehund als Feind behandelt, riskiert einen inneren Bürgerkrieg – den immer öfter der Schweinehund gewinnt!

Puh…das klingt nicht so erfreulich. Was soll ich nun machen – den Schweinehund in Ruhe lassen - weil: bekämpfen macht´s noch schlimmer? Aber dann muss ich ja damit leben, dass er mir so einiges kaputt macht: mein Gesundheitsprogramm, meine Figur, eine gute Prüfung. Vieles, was mir gut täte, aber Arbeit, Verzicht oder Kraft bedeutet.

Andererseits: Der Schweinehund ist ein herrliches Beispiel dafür, wie ich mit all meinen „negativen“ Gefühlen umgehen kann! Dieser nervige Gefährte mit der Schweineschnauze signalisiert mir mit seinen Botschaften: Jetzt ist Entspannung angesagt! Der Schweinehund boykottiert mein Leistungsdenken! Ich muss abnehmen, gesünder essen, mehr bewegen… ich muss… ich muss… dann bin ich besser, beliebter, wertvoller. Bah - sagt der Schweinehund: Musst du nicht! Entspann dich! Der Schweinehund ist ein Anti-burn-out Hund.

Bei manchen Menschen bekommt er allerdings zu viel Macht und aus der Entspannung wird eine resignierte Lebenshaltung. Lohnt sich ja doch nicht. Auf mich hört sowieso keiner. Kaum hab ich abgenommen, geht’s sowieso bald wieder aufwärts. - So ernst wir Gefühle nehmen sollen - Macht sollen sie nicht über uns haben! Das sagt schon die Bibel: „Nichts soll dich beherrschen und gefangen nehmen“, sagt der Apostel Paulus. Gefangennehmen will mich der Schweinhund auch gar nicht. Sondern richtig verstanden will der Schweinehund etwas sehr Gutes: mich ausbalancieren, weil ich eh schon genug Stress habe. Er ist ein Feind des Prinzips: Leistung erzeugt Wert! oder: Ich muss mich nur genug anstrengen, dann… Und damit ist er ein sehr „christlicher“ Hund. Denn er zeigt mir: Vor Gott bist du gut genug wie du bist. Für den musst du dich nicht krampfhaft runterhungern, Muckis antrainieren, noch einen Zusatzqualifikation erwerben…

Würdigen wir also den Schweinehund. Nehmen ihn ernst. Sein Anliegen. Dann wird er kleiner und ruhiger, denn er weiß sich wahrgenommen. Und plötzlich klappt das auch wieder mit dem Sport! Einen versöhnten Schweinehundtag wünscht Ihnen Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

 

Audiobeitrag Oink Wuff - der Schweinehund dein Freund!


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