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Coolsein über alles...
Liebe Hörerin, lieber Hörer, unser Sohn Ole ist vor wenigen Monaten in die Cool-Phase eingetreten.
Unmengen von Haargel stylen seinen Haarschopf, der natürlich auf eine bestimmte Weise geschnitten werden muss. Segeltuch-Schuhe sind in, andere wiederum out
WAS cool ist, das wechselt dabei manchmal recht schnell
Ganz wichtig aber ist: Keine großen Gefühlsregungen zeigen und ein cooler Gesichtsausdruck. Manchmal necke ich ihn damit
dann versucht er krampfhaft cool zu bleiben, bis es aus ihm raus platzt und wir anfangen, hemmungslos zu kichern
Man spürt, wie viel Mühe es ihm bereitet, all die vielen Gefühle in sich zu vergraben. Um cool zu sein. Denn das ist das Ideal.
Emotional geht gar nicht. Ich habe ein berufliches Meeting und könnte der Kollegin an den Kragen gehen? Undenkbar, dass ich das wirklich tue. Einem Kollegen um den Hals fallen aus Dankbarkeit? Nee, wie sieht das denn aus. Immer schön den Abstand und Anstand wahren!
Da gibt es nur ein Problem. Wir haben Gefühle. Und wenn wir sie unterdrücken - gerade die schmerzhaften - dann kann das krank machen. Nicht umsonst sagt man: Hinter fast jeder Depression steckt eine nach unten gedrückte Wut. Andererseits: Wenn wir unsere Gefühle ungehemmt ausleben, dann macht das auch krank - aber die anderen. Es verletzt und zerstört Beziehungen. Umso wichtiger, dass wir Gefühle ernst nehmen und lernen, sie angemessen auszudrücken. Die meisten Menschen, gerade Männer, verstummen einfach nur. Finden keine Worte für ihre Gefühlswelt. Was für ein Verlust!
Gott hat uns mit Gefühlen geschaffen! Sie sind nicht weniger wert als der Verstand! Dieses Denken der Verstand ist wichtiger als das Gefühl - hat vielleicht die griechische Philosophie geprägt - aber es entstammt nicht der Bibel. Jesus war ganz Mensch. Er hat gefeiert und gelacht, er hat geweint und es hat ihn innerlich zerrissen vor Schmerz. Jesus zeigt uns, wie Gott ist, ist er doch der Sohn Gottes. Und da wir Menschen Gottes Geschöpfe sind und damit auch seine so genannten Ebenbilder, tragen wir genau dieses bunte Spektrum der Gefühle von Freude bis Trauer in uns.
Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass es Menschen gibt, die weniger gefühlig und nüchterner sind als andere. In der Seelsorge erlebe ich immer wieder, wie scheinbar nüchterne und weniger emotionale Menschen aufblühten und ihre Gefühlswelt entdeckten. Wie wir Gefühle äußern, wie stark wir sie nach außen tragen - das ist unterschiedlich. Dass wir aber Gefühle haben und sie wichtig sind - das ist allen Menschen gleich! Zum Beispiel das Bauchgefühl Wissenschaftler bestätigen, dass uns das wichtige Erkenntnisse liefert. Man sollte also nicht allein auf den Verstand bauen
Leben ist mehr, als sich mit dem Kopf regeln lässt. Jesus sagt deshalb: Ihr werdet das Leben in Fülle haben! Das klingt nicht cool und abgeklärt. Sondern fröhlich, bunt, leidenschaftlich. In den evangelischen Kirchen hegen viele eine Art Generalverdacht gegen Gefühle und vor allem deren spontane Ausbrüche. Ich finde, diese Verdächtigungen kann man getrost abstreifen, ohne deswegen in eine Gefühls-duseligkeit abzutauchen. Lassen Sie uns diese Woche starke Gefühle entdecken - und was sie von Gott her bedeuten. In einem Film heißt es: Der Typ war so cool, dass die Schafe ihn zählen, wenn sie einschlafen wollen! (Film: Heist Der Coup) - so langweilig möchte ich nicht enden. Ich will Leben in Fülle, wie Jesus es verspricht mit viel Verstand, aber eben auch mit viel Gefühl. Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.
Coolsein über alles...
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