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Fußball-Länderspiel
Die Organisation hat sowohl mit ihren bundesweit beachteten Spitzenveranstaltungen wie auch in der Breite der Bevölkerung eine immer weiter wachsende Bedeutung.
Besonders in ärmeren Ländern bietet sie oft die einzige Möglichkeit, die Slums und Favelas zu verlassen und zu einem sorgenfreien Leben aufzusteigen. Sie folgt im Grundsatz überall auf der Welt den gleichen einfachen Regeln. Sie übt in der Gesellschaft einen wichtigen sozial verbindenden Einfluss aus. Menschen vom Manager bis zur Hartz-IV-Familie sind an ihr interessiert. Sie füllt die lokalen und überregionalen Schlagzeilen, bietet Gesprächsstoff in der Freizeit wie am Arbeitsplatz. Sie sorgt dafür, dass unterschiedliche Nationalitäten keine trennende Wirkung ausüben, dass Frauen und Männer, Alt und Jung ein gemeinsames Identitätsgefühl entwickeln und dass sogar Konflikte in der Regel friedlich und gewaltfrei kompensiert werden können.
Die Rede ist nicht, wie man sich vielleicht wünschen könnte, von der Kirche, sondern von der weltweiten Fußball-Gemeinde. Und wenn heute Abend um Viertel vor neun das Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Österreich angepfiffen wird, ist die Allianz-Arena in München ausverkauft, und Millionen sitzen vor den Bildschirmen. Schön blöd ist eine Kirchengemeinde, die für heute Abend vielleicht einen besonders interessanten Bibelabend angesetzt hat, weil sich Pfarrer oder Pfarrerin voraussichtlich mit sich selbst unterhalten werden.
Man kann das, wenn man will, bedauern. Und es fehlt ja auch keineswegs an Stimmen, die immer wieder mahnend darauf hinweisen, dass dieser ganze Fußball-Zauber vor allem ein Riesengeschäft ist, dass die dahinter stehenden Organisationen korrupt bis auf die Knochen sind, dass die hohe Wertschätzung, die ein Mesut Özil genießt, noch lange nicht bedeutet, dass man der Aische um die Ecke mit demselben Respekt begegnet, und dass, gerade in letz-ter Zeit, beim Fußball auch rechtsradikale Gewalt hoffähig wird.
Das ist alles richtig. Richtig ist aber auch: Fußball hat eine völkerverbindende Bedeutung. Er hat eine soziale Funktion, stiftet Identität und macht unendlich vielen Menschen Freude. Wenn im Stadion Zehntausende das Vereinslied singen, hat das keineswegs mit Massenwahn zu tun, sondern ist einfach schön genauso wie der gemeinsame Choral beim Kirchentags-Gottesdienst. Denn die Grenzen sind fließend geworden: Der Fußball hat längst auch so etwas wie eine religiöse Bedeutung für viele Menschen gewonnen.
Die Kirche ist gut beraten, wenn sie sich darüber nicht grämt. Vor religiösen Gefühlen braucht sie keine Angst zu haben. Sie verkündet ein Evangelium, das sich nicht dadurch erle-digt, dass die meisten Menschen die Bundeliga-Tabelle offenbar interessanter finden. Ob das tatsächlich so ist, kann man ja gar nicht so genau wissen. Sicher ist doch nur: Menschen rea-gieren positiv, wenn sie positiv angesprochen werden. Menschen kommen zusammen, wenn sie sich gemeinsam auf etwas freuen. Der Fußball beweist es. Und das kann die Kirche doch eigentlich nur ermutigen. Denn was hat sie anderes als eine frohe Botschaft, die Menschen ansprechen will!
Fußball-Länderspiel
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