Futur zwei
Früher war alles besser. Vor allem die Zukunft. Zumindest als ich ein Kind war. In den 70gern und 80gern Jahren. Da gab es noch echte Wunder:
Zum Beispiel die erste Mondlandung oder die erste Herzverpflanzung. Auch die Wirtschaft war ein Wunder. Zukunft hieß: von allem noch mehr. Mehr Geld, mehr Urlaub, mehr Wohlstand. Und zwar für alle. Zumindest im Westen.
Dann kam der Zusammenbruch des Ostblocks, Ende der 80ger Anfang der 90ger Unser Glücksbringer das kapitalistische Wirtschaftssystem - konnte sich weiter ausbreiten. Das Problem ist nur, der Kapitalismus ist gefräßig. Ressourcen sind aber begrenzt. Energie und Material nicht unendlich verfügbar. Die Umwelt zunehmend zerstört, die Erde erschöpft.
Dem Kapitalismus gehe allmählich die Antriebsenergie aus. So der Soziologieprofessor und Sozialpsychologe Harald Welzer in seinem neusten Buch. Selbst Denken, Eine Anleitung zum Widerstand. Er fragt sich Fortschritt und Wachstum aber wofür?
Erwiesenermaßen macht immer mehr, nicht unbedingt glücklicher. Ab einem gewissen Einkommen, lässt sich Glück durch mehr Geld und Wohlstand nicht mehr steigern. Ein noch höheres Hochhaus, ein noch schnelleres Auto oder ein noch intelligenteres Handy machen uns nicht zufriedener. Der Glaube an die Zukunft im Sinne eines immer mehr - immer glücklicher ist passee.
Zukunft muss deshalb neu definiert werden. Muss hoffen lassen. Auf ein Morgen und ein Übermorgen. Visionen sind gefragt.
Harald Welzer schlägt vor, man solle sich fragen: Wer werde ich gewesen sein?
Ausgehend von dieser Frage im Futur zwei, von der Frage nach der vollendeten Zukunft, soll man wieder Selbst Denken, Verantwortung für sein Leben übernehmen und Entscheidungen treffen. Wie möchte ich mit Gottes Schöpfung und seinen Geschöpfen umgegangen sein? Was möchte ich getan haben? Das Futur zwei regt einen schon heute an, zu handeln. Nicht im Großen, aber im Kleinen.
Und in diesem Sinne, ist der Ansatz von Welzer für uns Christen interessant. (Der Christ als Selbst-Denker klingt urprotestantisch. Christen können, sollen und müssen selbst denken. Christen haben Visionen. Die Bibel ist voll von solchen Geschichten, die von einer besseren Welt erzählen, Von einer Welt, in der alle zu ihrem Recht kommen, auch die Natur. Diese Geschichten zu erinnern und ins Tun zu kommen, darum geht es.
Und das Gute ist: Scheitern ist erlaubt. Schon Martin Luther sagte: Pecca fortiter, sündige tapfer. Um dann wieder neu anzufangen. Was möchte ich für die Schöpfung getan haben? Nicht aus Pflicht und Verzicht, sondern aus Freude und purer Lust. Beim Einkaufen möchte ich Stoffbeutel benutzt haben, beim Reisen den Fernzug, im Alltag den Nahverkehr. Rosen und Erdbeeren soll es bei mir nur im Sommer gegeben haben. Und nur deutsche. Und was möchte ich geteilt haben? Meine Bücher, meine Wohnung, mein Auto, mein Segelboot. Aber auch meine Zeit. Innegehalten haben, im Widerstand verharrt haben, nachgedacht haben, und erst dann konsumiert haben, zugestimmt, abgenickt.
Also, es ist an der Zeit: Stellen auch sie sich die Frage, wie sie gut gewesen sein werden. Für Anregungen jedweder Art privat oder beruflich - besuchen sie die Internetseite Futur zwei. Hier müssen sie als erstes versprechen, mindestens eine der gelungenen Geschichte weiterzuerzählen. Denn Erfolg macht Mut einem selbst und anderen.
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