Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.09.13; Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Im Gefängnis Theater gespielt und lesen gelernt

Autorin: Wuppertal Ronsdorf – der neue Jugendknast in NRW mit 500 Gefangenen. Die Jüngsten sind vierzehn, die ältesten 21. Hier treffe ich Resan aus dem Irak, 21 Jahre alt.

Vor vier Monaten hatte er seinen großen Auftritt. Hier auf der Bühne im Knast. Dort hatte er mit sechs anderen Inhaftierten Macbeth von Shakespeare gespielt. Vor Publikum von draußen.

O-Ton: Meine Eltern, die waren ja auch da und meine Brüder waren da und die waren so stolz auf mich. Haben die gemeint, dass hast du schön gemacht. Hätten die nicht gedacht von mir.

Autorin: Resan gehört zu den wenigen, dessen Familie komplett gekommen war. Oft haben Inhaftierte nur schlechte oder keine Beziehungen mehr zu ihren Familien.

O-Ton: Meine Brüder haben sich zuerst tot gelacht aber die fanden das gut so. Hat denen auch sehr viel Spaß gemacht. Und die fanden das gut, dass ich auch lachen kann im Gefängnis. Nicht nur traurig bin.

Autorin: Sechs Wochen lang hatten die Inhaftierten geprobt. Jeden Tag, drei Stunden, nach Schule und Arbeit. Und nachts ging es dann weiter. Dann mussten sie noch ellenlange Texte auswendig lernen.

O-Ton: Ich habe gelernt, durchzuhalten. Wenn ich eine Sache anfange, zieh ich die jetzt auch durch bis zum Ende. War sehr, sehr schön.

Autorin: Eine neue Erfahrung für Resan. Bislang hatte er in seinem Leben viel abgebrochen: Schule, Ausbildung, Beziehung. Was sich auch verändert hat:

O-Ton: Meine Beziehung zur der deutschen Sprache. Also, ich hab lesen gelernt. Lesen und es fällt mir jetzt einfacher, Geschichten zu verstehen, wenn ich lese.

Autorin: Wovon er bis heute schwärmt war das Publikum, das an zwei Tagen zu den Aufführungen ins Gefängnis gekommen war.

O-Ton: Ich hätte niemals gedacht, dass so viele kommen werden erst mal. Und das sie so begeistert waren, weil wir was auf die Beine bekommen haben.

Autorin: Die Junkies, Schläger und Betrüger. Auch sie selbst glaubten nicht, dass sie es schaffen werden. Bis zum letzten Moment. Noch kurz vor ihrem Auftritt hatten sie Zweifel. Rausgegangen auf die Bühne sind sie nur, weil sie ihren Pfarrer nicht enttäuschen wollten. Jönk Schnitzius hatte das Projekt initiert und geleitet.

O-Ton: Die Zuschauer haben so richtig laut applaudiert. Das war super. Das hat mich stolz auf mich gemacht. Ich hab mich so gefreut. Ich konnte nicht Schlafen an dem Tag. Ich hab gedacht: Wow. War einfach super.

Autorin: Die Erfahrung von: Wir sind für die nicht nur Kriminelle. Die geben uns auch eine zweite Chance. So wie Gott.

O-Ton: Wenn ich im Gefängnis bin, heißt das ja, ich habe was Schlimmes gemacht. Gericht hat mich verklagt, ich bin verurteilt und ich bin so gesehen ein schlimmer Mensch, aber das bin ich ja gar nicht. Vor Gott bin ich das nicht. Barmherzig. Verzeiht alles.

Autorin: Für Resan und die anderen war das seelsorgerlich(e) Theaterprojekt ein Erfolg. Einfach mal wieder als Mensch gesehen zu werden, eine zweite Chance zu bekommen und sie zu nutzen. Das macht Mut. Auch für draußen:

O-Ton: Ich möchte gerne draußen eine Ausbildung machen als Lagerist. Und dann möchte ich mal mit meine Freunden ins Theater gehen. Dass würde ich gerne tun.

 

Audiobeitrag Im Gefängnis Theater gespielt und lesen gelernt


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