Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.08.13; Pfarrerin Silke Niemeyer

Nichts ist unmöglich

Gerd Müller war der Bomber der Nation. Giovanni Trapattoni hatte fertig. Christoph Daum verriss es um Haaresbreite. Jupp Heynckes geht, aber bleibt eine Trainerlegende.

50 Jahre Bundesliga heute. 50 Jahre „Bayern gewinnt immer“. Letzteres stimmt nur gefühlt. Aber eines stimmt gewiss. Immer gewinnen die drei Streifen. Egal eigentlich, welche Farben gegeneinander antreten. Egal, in welcher Arena und egal, in welcher Sportart. Die drei Streifen sind immer dabei. Sie machen immer das Rennen.

Paulina Dassler hätte das „ein Ding der Unmöglichkeit“ gefunden. Wo sie tagsüber die Unterhosen ihrer drei Männer im Haus auskochte, machte abends ihr Sohn Adolf sich breit. Er hatte keine Lust gehabt, in die Filzpantoffelfabrik seines Vaters einzusteigen. In Sachen Schuhe hatte Adi etwas viel Cooleres im Sinn. In Mamas Waschküche werkelte er an seinem Traum: Sportschuhe aus Leinen! Adi Dasslers Experimente hatten Erfolg. Adidas Sportschuhe gibt es heute in allen möglichen Formen und Materialien, nur nicht als Filzpantoffeln, soweit ich weiß.

„Impossible is nothing“, wirbt Adidas auf seinen Plakaten mit Siegertypen und Sportlegenden. Unmöglich ist nichts! Wenn man will, dann kann man auch. Glaub an dich selbst, und die Welt steht dir offen. Da wäre es, das finale Erfolgsrezept. Das hatte schon vor zwanzig Jahren ein Autokonzern zu seinem Slogan gemacht: „Nichts ist unmöglich!“ Der aber ist quasi die schmuddelige Kehrseite von „Impossible is nothing“. Der Autokonzern musste Millionen fehlerhafte Autos zurückrufen. „Impossible is nothing, ...but shit happens!“ Ich kann solche Sprüche nicht leiden. Es geht dabei sowieso immer nur darum, mir am Ende was zu verkaufen. In diesem Fall die Schuhe mit den drei Streifen. Vor allem mag ich an solchen Sprüchen nicht, dass sie uns einreden, wir könnten alles aus eigener Kraft, wenn wir nur wollten. Glück und Erfolg sind dann nur eine Sache der individuellen Einstellung. Überhaupt: Als sei Erfolg allein, Sieger zu werden. Gott bewahre mich davor, dass ich dazu verdammt wäre, immer nur zu gewinnen. Leben ist auch erleiden, aushalten, annehmen. „Wenn ich schwach bin, bin ich stark“ (2. Korinther 12,10), heißt das in der Bibel. Adolf Dassler wollte immer siegen. Er trat 1933 in die NSDAP ein und war bis Kriegsende bekennender Nationalsozialist. Später entzweite er sich mit seinem Bruder und bekriegte sich mit ihm in harter Konkurrenz bis zum Tod. Er war so stark – und zugleich so schwach.

Die lebenswichtige Frage ist nicht, wie wir glückliche Sieger werden. Die lebenswichtige Frage ist, wie wir in unseren Niederlagen glücklich bleiben, nicht nur auf dem Sportplatz. „Impossible“, unmöglich ist oft keine Auffassung, sondern sehr wohl eine Tatsache in unserem Leben. Es ist eine Tatsache, dass wir Dinge als unabänderlich annehmen müssen. Wenn wir die Dinge nicht verändern können, sind wir gefragt, uns selbst zu verändern. Das erfordert oft unglaublich viel mehr Kraft und Ausdauer als das Pippi-Langstrumpf-Motto „Ich mach mir die Welt widewide wie sie mir gefällt“

Ein Adidas-Plakat zeigt den Boxer Muhammad Ali, der seinerzeit von sich behauptete „Ich bin der Größte“. Es zeigt seinen glänzenden, durchtrainierten Körper in kämpferischer Pose. Ich hätte ein anderes Foto von ihm gewählt: Das Bild, wie Muhammad Ali im Olympiastadion in Atlanta 1996 vor den Augen der Weltöffentlichkeit das Olympische Feuer entzündet. Der ehemals Unbesiegbare tat das als ein von Parkinson besiegter Mann. Er konnte die Fackel nur mit zitternder Hand halten. In diesem Moment war er ein größerer Sieger als in allen seinen anderen Kämpfen. Da war er so schwach – und zugleich so stark.

Nichtsdestotrotz – herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Bundesliga, wünscht dir Pfarrerin Silke Niemeyer aus Recklinghausen.

 

Audiobeitrag Nichts ist unmöglich


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