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Internationaler Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung
Die großen Philosophen Platon und Aristoteles befürworteten sie. Der Aufklärer Immanuel Kant hatte nichts gegen sie einzuwenden.
Die Gründerväter der Vereinigten Staaten Thomas Jefferson und Benjamin Franklin profitierten von ihr. Die Bibel allerdings findet sie abscheulich: die Sklaverei.
Heute ist der Internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung. Vor fünfzehn Jahren rief die UNESCO ihn ins Leben. Sklaverei das ist die absolute Verfügungsgewalt von Menschen über Menschen. Ein Mensch wird Eigentum eines anderen, ist vollkommen unter seiner Gewalt. Um das mit einigermaßen gutem Gewissen tun zu können, brauchte man immer schon gute Begründungen:
Sprecher: Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Race der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.
Mit solchen Argumenten wurden diese Völkerschaften von den demokratischen Rechten der Weißen ausgeschlossen und in Minen und auf Baumwollplantagen verheizt. Das Zitat stammt von Immanuel Kant, der auch gesagt haben soll: Sklaverei ist kein Rechts-, sondern ein Geisteszustand. In der Bibel steht allerdings: Sklaverei ist sehr wohl ein Rechtszustand und nicht nur geistige Verfassung. Hier findet sich eine Fülle von Rechtssätzen, die Sklaverei verhindern sollen. Und dort, wo es nicht gelingt, die Sklaverei zu verhindern, wird geschildert, wie man Sklaven schützen und befreien soll. Die Bibel ist deshalb voller Verbote der Sklaverei, weil das Volk Gottes, Israel, sich als Nachfahren von Sklaven sieht, die dem Sklavenhaus in Ägypten entronnen sind. Das erste der zehn Gebote heißt deshalb: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägypten aus der Sklaverei geführt habe. (1 Mose 20,1) Man könnte sagen: Das ist das Wichtigste, was man von Gott wissen muss: dass er aus Sklaverei befreit. Deshalb schrieb vor 2000 Jahren der Apostel Paulus:
Sprecher: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht nun aufrecht und lasst euch nicht wieder das Joch der Sklaverei auflegen. (Galater 5,1)
Auch wenn die Kirche das in ihrer Geschichte immer wieder vergessen hat: Sklaverei ist gegen Gottes Willen. Eine so kompromisslose Ächtung war damals, als die Bibeltexte entstanden, einzigartig. Heute dagegen ist sich die ganze Welt einig darin, und wir können endlich den Internationalen Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung feiern. Wenn er nicht ein Tag wäre, der den Mund zu voll nimmt. Denn: abgeschafft ist die Sklaverei noch lange nicht überall auf der Welt.
Mauretanien zum Beispiel hat die offizielle Abschaffung der Sklaverei nun schon fünf Mal beschlossen und gefeiert. Es gibt hunderte von Gesetzen und Abkommen zur Bekämpfung der Sklaverei doch es gibt sie immer noch. Kevin Bales schätzt die Zahl der Sklavinnen und Sklaven in seinem lesenswerten Buch Die neue Sklaverei auf 27 Millionen, tausende davon auch hierzulande. Nicht nur in Bordellen, wo sie sexuell ausgebeutet werden, besonders auch in der Landwirtschaft und der Fleischverarbeitung - Ausländer, die mit falschen Versprechungen gelockt werden, denen man die Papiere abnimmt, sie in Löcher sperrt und zu pausenloser Arbeit zwingt. Warum? Weil Geiz geil ist und Arbeit billig sein soll wie Dreck. Heute setzt sich die Moral des Geldes über alle anderen Erwägungen hinweg, schreibt Kevin Bales.1
Wie groß oder klein die moralische Sprungkraft des Geldes ist, liegt auch an uns. Insofern ist Sklaverei doch eine Sache des Geisteszustandes. Zum Beispiel eines Geisteszustands, der meint beim Einkauf gingen recht und billig zusammen. Aus diesem Geist entsteht Sklaverei und setzt sich fort.
Heute nehme ich mir vor, nicht dumm zu bleiben, sondern mich zu informieren, woher denn all die billigen Dinge kommen, die nicht recht sind. Ich hoffe, dass Sie mitmachen. Ihre Pfarrerin Silke Niemeyer aus Recklinghausen.
1 Kevin Bales, Die neue Sklaverei, München 2001, S. 19.
Internationaler Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung
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