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Das Leben der anderen
Der Mann sitzt im Halbdunkel auf einem Dachboden. Er trägt Kopfhörer. Alles ist grau in grau. Das Filmplakat zu Das Leben der Anderen ist weltberühmt geworden.
Und mit ihm der Hauptdarsteller Ulrich Mühe. Vor sechs Jahren verstarb der Schauspieler an Krebs, in diesen Wochen wäre er 60 Jahre alt geworden. In Das Leben der Anderen spielt er den Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler.
Die Stasi, die sogenannte Staatssicherheit in der ehemaligen DDR, war sehr interessiert am Leben der Anderen. Sie hat Gegner des Regimes bespitzelt, Menschen, die kritisch waren, verfolgt und überwacht. Gerd Wiesler arbeitet für die Stasi. Andere zu bespitzeln ist sein Leben Staatsfeinde ausfindig zu machen und hochgehen zu lassen. Er tut das mit großer Perfektion und Leidenschaft. Im Film bespitzelt er ein bekanntes Künstlerpaar: Er ist Schriftsteller, sie Schauspielerin. Er verwanzt ihre Wohnung, und überwacht sie vom Dachboden ihres Hauses aus. Er ist dabei, wenn das Paar über das Leben, die Literatur und die Freiheit diskutiert. Er ist dabei, wenn die beiden sich nahe kommen. Er ist dabei, wenn sie sich streiten.
Der Film erzählt eine Verwandlung. Durch das Leben der Anderen verändert sich der perfekt perfide Stasispitzel und wird schließlich zum Retter der beiden. Denn was er hört, fasziniert ihn: die Welt der Kunst, die er bisher nicht kannte; eine Beziehung, wie er sie selbst nie gelebt hat; Gespräche, von denen er nicht wusste, dass sie möglich sind. Das alles bewegt ihn.
Als der Schriftsteller, (den er abhört) einen kritischen Artikel schreibt, der im Westen erscheinen soll, wechselt Wiesler die Seite. Bevor seine Stasi-Kollegen das Haus des Künstlerpaares durchsuchen, beseitigt er das entscheidende Beweismittel aus der Wohnung. Er entfernt die Schreibmaschine, auf der der Artikel geschrieben worden war.
Die Begegnung mit anderen Menschen kann alles verändern. Nicht nur im Film. Ich ertappe mich bei einem Vorurteil über eine Frau, die ihre Kinder abends immer aus unserem Jugendzentrum abholt. Sie hat fünf Kinder, kommt meist etwas zu spät und wirkt immer etwas ungepflegt. Ist bestimmt eine dieser Problemfamilien, denke ich. Bis ich einmal erlebe, wie liebevoll sie mit ihrer kleinen Tochter umgeht. Bis ich höre, mit welchem Standvermögen sie sich an der Schule für ihren Sohn eingesetzt hat. Sie hat Herz. Und wie ist das bei mir?
Das Leben der Anderen ist auch in der Bibel ein Thema. Eine Frau kommt zu Jesus, als er mit einigen gelehrten Männern diskutiert. Sie ist eine stadtbekannte Sünderin, wahrscheinlich eine Hure. Sie ist so bewegt, dass sie weint. Mit ihren Tränen benetzt sie Jesu Füße, mit ihren Haaren trocknet sie sie. Sie küsst und salbt ihn. Die frommen Männer finden das zuerst unmöglich. Doch Jesus sagt: Weil sie wirklich glaubt, zeigt sie so viel Liebe. Das macht am Ende selbst die Männer nachdenklich.Immer wieder gibt es Begegnungen, die etwas verändern. Eine Frau lebt mit der schweren Krankheit ihres Mannes. Sie wünscht sich vieles so anders und kann ihn doch so begleiten, wie er nun geworden ist im Laufe seines Lebens. Ein Kollege, der immer so stark wirkt, zeigt auf einmal eine Schwäche und steht dazu. Jedes Mal staune ich. Und jedes Mal spüre ich: So will ich auch sein. Dann merke ich, das Leben der andern hat mit meinem Leben zu tun. Wenn Gott sie trägt, dann womöglich auch mich. Wenn die andern solche Liebe zeigen können, dann kann ich es vielleicht auch. Die andern zeigen mir: Es ist nie zu spät für etwas Neues.
Das Leben der anderen
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