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Tatort Bibel: Streit ums Erbe
Der Duft von köstlichem gebratenen Fleisch und frischem Brot steigt ihm in die Nase. Isaak saugt ihn tief ein. Seit er nicht mehr sehen kann, riecht er viel mehr.
Seine Frau erkennt er an ihrem Duft und ihrer Stimme. Und gleich wird sein Sohn Esau kommen, sein Erstgeborener. Stolz ist er auf ihn. Der Junge ist ein guter Jäger. Versteht das Wildbret gut zuzubereiten. Er ist viel tüchtiger als sein Zwillingsbruder Jakob. Der ist eher zu einem Muttersöhnchen geraten. Naja, heute jedenfalls ist der große Tag. Isaak will Esau endlich offiziell zum Erben einsetzen. Denn er spürt: Er wird immer schwächer, allzu lange wird er nicht mehr leben. Darum hat er Esau gebeten, ihm einen guten Braten zu jagen und zuzubereiten. Wenn er gleich kommt und ihn bringt dann will er ihn mit dem Erbe überraschen.
Liebe Hörerin, lieber Hörer, eine Szene aus dem Alltag einer biblischen Familie. Harmlos, könnte man meinen. Wäre da nicht der Fortgang der Geschichte. Und der macht dem sonntäglichen Abendkrimi alle Ehre.
Isaak spürt den Luftzug, als der Vorhang am Eingang zur Seite geschoben wird. Vater, hier ist dein Essen, sagt eine Stimme. Komisch, sie klingt nicht nach seinem Erstgeborenen. Esau, bist du es?, fragt Isaak. Ja, Vater, ich bin´s., sagt die Stimme, die nicht nach Esau klingt. Lass dich berühren, sagt Isaak. Er befühlt die Hände seines Sohnes und die Brust ja, so fühlt sich Esau an, seine Haut ist rau, er ist stark behaart. Jakob, der jüngere, ist glatt und zartgliedrig. Isaak isst. Und lässt sich noch Wein bringen. Dann umarmt er seinen Sohn. Seine Kleider duften eindeutig nach Esau. Da segnet Isaak seinen Sohn und setzt ihn unwiderruflich zum Erben ein. Der dankt und geht. Kurze Zeit später betritt ein Mann das Zimmer. Tut mir leid, Vater, es hat ein bisschen gedauert, bis ich was erlegt habe. Aber jetzt setz dich auf. Lass es dir schmecken. Isaak ist verwirrt. Wer bist du?, fragt er. Ich bin Esau, dein erstgeborener Sohn. Erkennst du meine Stimme nicht? Wer bist du? Wo ist denn der Jäger, der mir vorhin den Braten gebracht hat? Ich habe ihn gesegnet und zum Erben eingesetzt. Du weißt, nach dem Recht unseres Volkes kann ich das nicht mehr rückgängig machen! Esau ist entsetzt. Wir müssen den Betrüger finden, schreit er.
Isaak sagt mit viel zu ruhiger Stimme: Ich befürchte, dieser Betrüger ist dein Bruder Jakob. Er hat sich wohl in deine Kleider gehüllt und sich Felle umgebunden. Er erbt nun alles und führt die Geschicke der Familie weiter. Und für mich hast du nichts mehr, Vater?, fragt Esau verzweifelt. Nein. Es tut mir leid. Du kennst die Regeln. Gott war offenbar mit deinem Bruder.
Esau ist fassungslos. Unsägliche Wut auf den Bruder steigt in ihm auf. Schon einmal hat er ihm das Erstgeburtsrecht abgeluchst gegen einen Teller warmer roter Linsen. Esau war es damals egal. Er fühlte sich wie kurz vorm Verhungern. Nun hatte sich Jakob sein Recht tatsächlich geholt. Wenn auch mit einem Betrug. In Esau reift ein Plan: Wenn Vater gestorben ist, dann werde ich Jakob umbringen. Mutter Rebekka bekommt Wind davon und schickt ihren Lieblingssohn Jakob weit weg in eine andere Stadt.
Liebe Hörerin, lieber Hörer, Erbschaftsgeschichten sie sind oft Anlass dafür, dass Familienmitglieder sich bis aufs Blut bekämpfen.1 In dem Bibel-Krimi um die Zwillingsbrüder geht es um mehr als Geld. Es geht darum, wer es wert ist, das finanzielle und geistige Erbe zu verwalten. Nach Gottes Willen, soll es der fromme Jakob sein, selbst wenn er dafür betrügen muss. Und was ist mit uns heute? Ihr seid nicht länger Knechte der Mächte der Welt, sondern Kinder Gottes. Und als Kinder Gottes seid ihr auch seine Erben, euch gehört alles, was Gott versprochen hat. (Galater 4,7) Sagt der Apostel Paulus. Und das sind Friede und Gerechtigkeit für alle Menschen. Das ist das wichtigste Erbe. Daran können wir denken bei Erbstreitigkeiten und uns diesem Erbe Gottes würdig erweisen. Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.
1 http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/nach-der-testamentseroeffnung-immer-streit-ums-erbe-11415329.html
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/recht-steuern/studie-im-durchschnitt-werden-300-000-euro-vererbt-1652459.html
Tatort Bibel: Streit ums Erbe
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