Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.08.13; Pfarrerin Daniela Kirschkowski

Duftnoten

„Willkommen!“ steht auf dem Schild. Soweit nicht ungewöhnlich. Aber das, was darunter steht, soll heute meinen Tag bestimmen: „Willkommen im Botanischen Garten.

Bitte laufen Sie über das Gras. Außerdem laden wir Sie ein, an den Rosen zu riechen, die Bäume zu umarmen, mit den Vögeln zu sprechen und auf der Wiese zu picknicken.“

Liebe Hörerin, lieber Hörer, Sie werden es sich fast denken können: Dieses Schild steht nicht in Deutschland. Sondern am anderen Ende der Welt. In Sydney, in Australien. Ich entdecke es in einem Buch – und wünsche mich spontan dorthin...

Das frische Gras unter den nackten Füßen, junges Gras, ganz weich, etwas kühl; die kleinen Halme kitzeln zwischen den Zehen. Ich laufe vorbei an einigen exotischen Pflanzen. Und entdecke daneben alte Bekannte, für die ich mir endlich einmal Zeit nehme: Eine Lilie, die stolz emporragt. Kräftig gelbe Blütenblätter zeigt sie mir. Ich streiche mit dem Finger darüber und beobachte einen Moment lang wie ein Zitronenfalter überlegt, ob er auch bleiben soll. Aber: Er zieht weiter. Ich tue es ihm gleich.

Denn ich merke, ich will noch der Einladung folgen, die mich in diesen Garten geführt hat: Ich will wirklich an den Rosen riechen, die Bäume umarmen und mit den Vögeln sprechen.

Fast keine Rose duftet heutzutage mehr – aber diese hier, die tun es. Ich atme tief ein: rote Rosen, die Königin der Blumen. Ihr Duft ist süß und herb zugleich. Er steigt mir in die Nase und zugleich schmecke ich ihn auf der Zunge. Er verführt mich, dieser Duft. Nimmt mich mit in die Welt meiner Erinnerungen. Eine Macht, die fast nur Düfte haben. Uns mitzunehmen in andere Zeiten, andere Welten.

Während ich vor der Rose stehe, denke ich an so viele Düfte, die ich mag: frisch gemahlener Kaffee, erdig und voller Röstaromen. Oder grad gemähtes Gras. Wie es in der Sonne gewendet wird um einmal gutes Heu zu werden. Selbst im Winter wird es noch an den Duft des Sommers erinnern.

Und mein Lieblingsparfum. Die Marke verrate ich nicht. Aber ich verrate, was es besonders macht. Eigentlich das, was jedes Parfum besonders macht: Es entfaltet sich immer drei Mal. Zuerst gibt es da die so genannte Kopfnote. Das ist wie im wahren Leben der erste Eindruck, den der Duft auf uns macht, direkt nach dem Öffnen des Flacons. Es folgt die Herznote, so etwa zehn Minuten nach dem Auftragen auf die Haut. Nur ein Hauch, ein Übergang, denn dann kommt der eigentliche Duft: Die so genannte Basisnote. Sie ist immer ganz individuell, bei jedem Menschen anders. So riecht kein Parfum immer gleich. Sondern es verbindet sich mit seinem Menschen, mit dessen ganz eigenem Geruch – und wird dadurch immer ganz besonders.

Wussten Sie übrigens, dass Gott es wohl genauso tut wie ein Parfum? Mit seiner Verbindung zu uns? Die hat einen heiligen Duft: Denn wir sind etwas ganz Besonderes – in der je ganz eigenen Beziehung zu ihm.

In der Bibel steht: „Weil Christus in uns lebt, sind wir zur Ehre Gottes ein Wohlgeruch [..]“ (2. Korinther 2,15 NGU)

Also: Einen duften Sonntag. Ich muss jetzt weiter zu den Bäumen und Vögeln. Ihre Daniela Kirschkowski, Pfarrerin in Marl


Audiobeitrag Duftnoten


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