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Kein Ratgeber, aber eine Hilfe
Eigentlich hatte ihm das Buch gut gefallen. Es war locker geschrieben und leicht zu lesen. Die Hauptfigur war herrlich schräg und doch lebensnah.
Beim Lesen hatte er sich immer mehr mit ihr identifiziert und sich in ihren Problemen wiedergefunden. Die fehlende Motivation bei der Arbeit, die verlorenen Lebensträume, die Leere in der jahrealten Beziehung - all das kannte er auch. Und so war er drangeblieben an dem Buch, hatte so viel gelesen wie schon lange nicht mehr, weil er einfach wissen wollte, wie es ausging, was es für eine Lösung gab und ob diese Lösung auch ihm weiterhelfen könnte.
Aber als er dann zum Schluss kam, wurde er mächtig enttäuscht. Die Hauptfiguren versöhnten sich miteinander und auf einmal lösten sich alle Schwierigkeiten in Wohlgefallen auf. Diesen Schluss fand er total konstruiert. Ihm schien es, als hätte da jemand mit aller Gewalt ein Happyend haben wollen. Und das war so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass ihm jetzt das ganze Buch nicht mehr gefiel. Aller Spaß war verflogen und er ärgerte sich, dass er so viel Zeit dafür investiert hatte.
Als er am Abend noch mal mit dem Hund vor die Tür ging, spürte er die Enttäuschung immer noch. Gut, wahrscheinlich hatte er einfach zu große Erwartungen gehabt. Von einem Buch zu erwarten, dass es Lösungen für die eigenen Probleme bietet, ist vermutlich ein bisschen hoch gegriffen.Aber immerhin - jetzt, wo er durch die halbleeren Straßen ging, mit der Leine in der Hand, kam er doch ins Nachdenken. Über sich selbst, die Arbeit, seine Kinder, seine Frau. Er machte sich Gedanken, denen er lange aus dem Weg gegangen war, stellte sich Fragen, die er sonst vor sich hergeschoben hatte.
Insofern hatte das Buch doch etwas bewirkt. Es hatte ihm keine Lösungen gegeben, die er einfach hätte übernehmen können. Aber es brachte ihn jetzt dazu, selbst nach Lösungen zu suchen. Und zwar nicht nach vorgefertigten, sondern nach solchen, die tatsächlich zu ihm passten, zu seiner Lebenssituation, zu seiner Beziehung.
So ähnlich kann es auch gehen, wenn man in der Bibel liest. Die Bibel ist natürlich kein Ratgeber, der fertige Lösungen anbietet. Sie macht weder glücklich in sieben Schritten noch klug in vierzehn Tagen. Aber an vielen Stellen ermutigt sie uns, das Leben mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Sie gibt Anreize, Themen zu entdecken, die wichtig sind, aber im Alltag oft liegen bleiben. Sie macht Mut, sich auf die Suche zu begeben nach Lösungen für die eigenen Probleme und Fragen. Denn die Bibel ist erfüllt von der Gewissheit, dass es Sinn macht, zu leben. Und dass es möglich ist, aus dem Leben etwas Gutes zu machen.
Deshalb lohnt es sich, in der Bibel zu lesen. Sie nicht gleich wegzulegen, wenn man sich nicht Eins zu Eins darin wiederfindet. Nicht sofort enttäuscht zu sein, wenn einem etwas nicht gefällt. Sondern ruhig mal eine halbe Stunde zu investieren, um sich darauf einzulassen, was in der Bibel steht. Zu gucken, ob da nicht doch einiges angesprochen wird, was einem selber weiterhilft. Und worüber es sich lohnt, noch länger nachzudenken.
Kein Ratgeber, aber eine Hilfe
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