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"Amen!" (Frage 129 des Heidelberger Katechismus)
Liebe Hörerin und lieber Hörer! Was lernen die Konfirmanden heute überhaupt noch? So habe ich zu Beginn dieser Woche gefragt.
Vielleicht sind Sie mir in den vergangenen Tagen durch den Heidelberger Katechismus gefolgt, den es seit 450 Jahren gibt. Und möglicherweise haben Sie ja einen Eindruck bekommen, dass seine Fragen und Antworten alt, aber noch längst nicht veraltet sind. Meine Konfirmanden lernen sie immer noch auswendig jedenfalls die Auswahl, die ich Ihnen in dieser Woche vorgestellt habe.
Manch einem mag das zu wenig sein, vielen anderen kommt auch das Wenige noch zu viel vor. Was ich mir wünsche ist, dass der kirchliche Unterricht nicht nur eine lästige Pflichtübung ist. Das Leben als Christ soll Freude machen, finde ich. Sehr viele verbinden mit der Kirche eine gedrückte Stimmung, alles was Spaß macht ist verboten.
Da ist es wirklich überraschend zu hören: Der Heidelberger Katechismus stellt Gebote und Gebete, mit denen viele ihr düsteres Bild von Kirche verbinden, unter die Überschrift; Von der Dankbarkeit. Was haben die Zehn Gebote und das Gebet mit Dankbarkeit zu tun?
So fragt einer, der den Glauben an Jesus Christus noch nicht als eine fröhliche Sache kennengelernt hat; dem vielleicht in jungen Jahren allzu viel verboten worden ist. Dabei geht es von Anfang bis zum Ende im Glauben an Jesus Christus um die Liebe, die Gott zu uns hat. Im Licht dieser Liebe erkennen wir dann, dass es leider mit unserer Liebe nicht weit her ist. Unsere Lieblosigkeit liebt Gott nicht, und dennoch hält er an uns fest. Er wirbt um unser Vertrauen: Weil ich dich liebe, kannst du auch lieben.
Gott erwartet von uns unsere Liebe zu ihm und zum Nächsten. Nichts anderes wollen die Gebote Gottes sein: Leitlinien, die unserer Liebe zu Gott und zum Nächsten einen festen Rahmen geben. Und nichts anders will das Gebet: Liebe muss Worte finden, damit sie lebendig bleibt, Worte, die Gott erreichen. Das sind nicht immer schwärmerische Worte, das können auch klagende und fordernde Sätze sein; nicht immer geht es uns gut, das weiß Gott genau. Doch dadurch wird seine Liebe zu uns nicht geringer im Gegenteil: Wer sich in der Not an Gott wendet, der spricht ihm sein Vertrauen aus. Auch wenn einem das gar nicht so bewusst sein mag.
Unsere Schwäche, was das Beten angeht, kennt auch der Katechismus. Darum ist sein letztes Wort auch ein Wort, das richtig gut ist. 'Amen' sagen wir meistens am Ende eines Gebets. Was bedeutet das Wort Amen? fragt der Heidelberger Katechismus. Die Antwort lautet: Amen heißt: Das ist wahr und gewiss! Denn mein Gebet ist von Gott viel gewisser erhört, als ich in meinem Herzen fühle, dass ich dies alles von ihm begehre.
Also, noch bevor ich nachgedacht habe, ob ich beten soll oder nicht, wenn mir selbst noch gar nicht bewusst ist, was ich von Gott erbitten darf, weiß er schon was mir fehlt. Wenn Gott aber schon die Gebete erhört, die wir noch gar nicht ausgesprochen haben, dann kann uns das ermutigen, auch ganz bewusst das Beten zu üben. Es hilft uns bewusster wahrzunehmen, was der Glaube an Jesus Christus in unserem Leben bewirkt. Beten hilft dazu, die Liebe Gottes nicht nur für eine schöne Idee zu halten, sondern sie als Aufgabe für uns anzunehmen. Die Gebete helfen uns. die Gebote ernst zu nehmen. Im Vaterunser bitten wir, das Gottes Reich kommt und das sein Wille im Himmel und auf der Erde geschieht. Gottes Willen erkennen wir in den Geboten und durch unsere Gebete.
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der von den Nazis ermordet wurde, hat das in den bösesten Zeiten einmal so formuliert: »Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Kraft des Gebets immer neu für sich entdecken und grüße Sie aus Hilchenbach, Ihr Rüdiger Schnurr.
"Amen!" (Frage 129 des Heidelberger Katechismus)
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