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"ich liebe mich, wenn ich bei euch bin." (Frage 54 des Heidelberger Katechismus)
Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer! Ich kann mir vorstellen, dass die Kirche in 20 oder 30 Jahren ganz anders aussieht, als wir sie heute kennen.
Vielleicht gibt es die großen Organisationen noch, aber die verwalten dann möglicherweise nur noch kleine Gemeinden. Vielleicht haben sich evangelische und katholische Christen dann längst darüber verständigt, dass sie sich doch einiger sind, als sie dachten. Möglicherweise gibt es die großen Kirchen auch gar nicht mehr, weil das Geld längst nicht mehr ausreicht, und jede Gemeinde ist für sich selbst verantwortlich. Denkbar ist alles.
Undenkbar aber ist, dass es die Kirche nicht mehr geben wird. Wie sie sich organisiert, das mag sich verändern, da kann sich auch vieles auflösen, aber was die Kirche in ihrem eigentlichen Sinn ist, das bleibt.
Was glaubst du von der 'heiligen allgemeinen christlichen Kirche'? so lautet die Frage 54 des Heidelberger Katechismus. Da gäbe es sicher eine Menge verschiedener Antworten: Ich glaube, die Kirche ist ein Verein zu Verbesserung der Moral! Ich glaube sie müsste sich mehr an die gesellschaftlichen Veränderungen anpassen! Ich glaube, dass sie zu viel Geld und zu viel Einfluss hat! Ich glaube, dass die Kirche ein Auslaufmodell ist! Die Liste ist unvollständig. Und die Antworten werden sich im Laufe der Jahre verändern. Vielleicht wird man aber in 20 oder 30 Jahren auch ganz positiv über die Kirche denken.
Das, was der Heidelberger Katechismus von der Kirche sagt, das weckt in mir immer wieder eine große Zuversicht: Dort lese ich: Ich glaube, dass der Sohn Gottes aus dem ganzen Menschengeschlecht sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben durch seinen Geist und sein Wort in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammelt, schützt und erhält.
Dass es die Kirche, die Gemeinde der Christen gibt, das hat sich kein Mensch ausgedacht und beschlossen: Jetzt gründe ich mal diesen Verein. Christen bekennen, es gibt die Gemeinde, weil Jesus Christus in dieser Welt Menschen braucht, die die Botschaft weitergeben: Gott liebt diese Welt! Immer wieder von Anfang der Welt bis zu ihrem Ende wird es die Gemeinde geben, weil die Menschen diese gute Botschaft sonst nicht hören würden. Und dann fügt der Heidelberger Katechismus noch einen Satz an: Ich glaube, dass auch ich ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin und ewig bleiben werde. Die Gemeinde ist wie eine Familie, in der ich lerne, meine Gaben einzubringen, in der ich geachtet und geschätzt werde mit meinen Fähigkeiten und in der meine Schwächen aufgehoben und getragen sind.
Ich frage mich oft, wie ich mir die Gestalt der Kirche wünsche. In einer Geschichte habe ich das Bild für meine Vorstellung von Kirche gefunden: Eine alte Indianerin pflegte ihren spanischen Nachbarn stets ein paar Rebhühner oder eine Handvoll Waldbeeren zu bringen. Die Nachbarn kannten ihre Sprache nicht, außer dem Gruß Mai-mai und die Indianerin konnte kein Spanisch, doch den Tee und den Kuchen genoss sie immer gerne. Jedes Mal wenn sie wieder ging, sagte sie immer denselben Satz. Die Kinder wetteiferten darum diesen Satz zu lernen. Als sie ihn schließlich auswendig sprechen konnten, fragten sie einen anderen Indianer, der spanisch konnte, was der Satz bedeute. Er bedeutet, antwortete dieser, ich werde wiederkommen; denn ich liebe mich, wenn ich bei euch bin. *
So sollte es sein: wer in die Gemeinde kommt, der sollte so freundlich angenommen werden und gut aufgehoben sein, dass er sich selbst lieben kann. Ich liebe mich, wenn ich bei euch bin! Das ist der tiefste Grund, warum Jesus Christus sich seine Gemeinde sammelt: Menschen entdecken, dass sie von Anfang an für Gott einen Wert besitzen, den ihnen niemand nehmen kann, sie sind geliebt, und können sich selbst lieben. Diese Kirche wird bleiben und in der Welt immerzu Gutes bewirken.
Ich wünsche Ihnen solche Erfahrungen mit Kirche, liebe Hörerin und lieber Hörer. Ihr Rüdiger Schnurr aus Hilchenbach.
* Nach: Liebe, aus: Oh! Noch mehr Geschichten für andere Zeiten, Verlag Andere Zeiten e.V., Hamburg 2010, S. 34.
"ich liebe mich, wenn ich bei euch bin." (Frage 54 des Heidelberger Katechismus)
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