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Ein gutes Gewissen (Frage 60 des Heidelberger Katechismus)
Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer. Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen, sagt das Sprichwort.
Wer mit sich im Reinen ist, der schläft auch gut. Dagegen, wenn einen das Gewissen plagt, weil man gemein gewesen ist oder sich nicht korrekt verhalten hat, fällt einem das Einschlafen schwer. Das Grübeln geht los. Wie bringe ich das wieder in Ordnung?
Wenn sich die Stimme des Gewissens meldet, höre ich allerdings nicht immer hin. Denn Schuldgefühle, die habe ich nicht gern. Also: Lieber wegschieben. Unterdrücken statt dazu zu stehen. Vor einigen hundert Jahren scheint das noch anders gewesen zu sein. Damals sprachen die Menschen jedenfalls offener von ihrer Schuld und davon, dass ihr Gewissen sie anklagt. So lese ich in der Frage 60 im Heidelberger Katechismus:
Sprecherin: Mein Gewissen klagt mich an, dass ich gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt und keines je gehalten habe und noch immer zu allem Bösen geneigt bin.
Autor: Das weisen sicher viele weit von sich. So negativ vom Menschen zu reden, ist nicht gefragt. Bei näherem Hinsehen kann ich aber erkennen: Wer vom Gewissen redet, der kommt nicht umhin, von Gott zu reden, denke ich. Zumindest aber wird er darüber nachdenken müssen, warum das Gewissen sich meldet, und wer darüber urteilt, was richtig und falsch ist, was Unrecht oder was Recht ist. Wer setzt die Maßstäbe für uns, wer ist die moralische Instanz?
In der Bibel lese ich, dass Jesus Christus mir sagt: Gott liebt dich und ist für dich da. Und deshalb gebe ich Gott gern den Vorzug, wenn ich nach dem frage, was für mich gut ist. Er soll über mich urteilen und Recht sprechen. Nicht Menschen, die sich dazu berufen fühlen. Gott wird mich nicht zerbrechen, er wird mich aufrichten. Und er wird mir helfen, wieder ein reines Gewissen zu haben. Dazu muss ich meinem Gewissen folgen, wenn es sich meldet und das Unrecht - wenn möglich - wieder gut machen.
Der Heidelberger Katechismus erklärt, wie das möglich ist. Er stellt die Frage: Wie bist du gerecht vor Gott? Ich würde meinen Konfirmanden, mit denen ich den Katechismus behandle, diese Frage anders stellen: Wie geht das, dass du sicher sein kannst, dass Gott dich über alles liebt und dich nicht wegschickt, dass du mit allen, was dir Kummer macht, zu ihm kommen kannst?
Die Antwort des Katechismus lautet: Glaube an Jesus Christus. Er hat den Menschen gezeigt, dass Gott sie liebt und sie ihre Schuld nicht ewig mit sich herumschleppen müssen. Wenn ich mir und Gott eingestehe: Ich bin nicht so, wie ich sein sollte auch nicht so, wie mich selbst gerne sehen würde, mein Gewissen sagt mir etwas ganz anders über mich dann ist das nicht das Ende. Sondern dann bekomme ich ein Geschenk. Das Geschenk beschreibt der Katechismus in alten Worten so:
Sprecherin: Gott aber schenkt mir ganz ohne mein Verdienst aus lauter Gnade die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi. Er rechnet sie mir an, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt und selbst den ganzen Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet hat, wenn ich allein diese Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.
Autor: Das ist ein Freispruch, die Möglichkeit des Neuanfangs. Jesus tritt bei Gott für mich ein. Eine Wohltat nennt der Katechismus das. Und ein Geschenk Gottes an mich. Er stößt mich nicht von sich, sondern lädt ein: Vertrau dich mir an. Gott ist mir gut, er nimmt mein Leben an. Warum sollte ich mir selbst nicht gut sein? Dann fällt es auch leichter, meinem Gewissen zu folgen, wenn es mich belastet. Ich habe Mut um Verzeihung zu bitten und kann mit meinen Mitmenschen Frieden finden.
Dass Sie, liebe Hörerin und lieber Hörer, sich allezeit ein einfühlsames Gewissen bewahren ohne Angst, Ihre Schuld einzugestehen, wünscht Ihnen Rüdiger Schnurr von der Evangelischen Kirche in Hilchenbach.
Ein gutes Gewissen (Frage 60 des Heidelberger Katechismus)
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