Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.07.13; Pfarrer Rüdiger Schnurr

Kopf und Herz (Frage 21 des Heidelberger Katechismus)

„Was ist wahrer Glaube?“ liebe Hörerin und lieber Hörer. So frage nicht ich, sondern so fragt der Heidelberger Katechismus, der in diesem Jahr 450 Jahre alt wird.

Ein Handbuch über die Grundfragen des christlichen Glaubens. Ich kann mir vorstellen, dass manch einer sagt: „So kann man doch heute nicht mehr fragen. Was Glaube ist, darauf kann man ja noch versuchen eine Antwort zu geben, aber was wahrer Glaube ist? Darf man so überhaupt noch fragen? Das klingt nach Abgrenzung, nach Intoleranz. Wer kann schon sagen, was wahr ist?“

Alles wird sehr schnell für gleich gültig erklärt, und genauso schnell wird der Glaube den Menschen gleichgültig. Dabei ist das eine ganz spannende Frage: „Was ist wahrer Glaube?“ Die Antwort im Heidelberger Katechismus darauf ist eine doppelte. Sie lautet:

Sprecherin: „Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis, durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt, dass nicht allein anderen, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt ist, aus lauter Gnade, allein um des Verdienstes Christi willen.“

Autor: Eine zuverlässige Erkenntnis und ein herzliches Vertrauen – das ist der wahre Glaube, sagt das 450 Jahre alte evangelisch-christliche Unterrichtsbuch. Kopf und Herz sind gefragt. Beim christlichen Glauben wird der Verstand nicht an der Garderobe abgegeben, aber er ist nicht alles. Eine zuverlässige Erkenntnis ist immer mit Nachdenken verbunden. Gott will überzeugen und nicht überreden. So lesen wir seit vielen Jahren gemeinsam, als Evangelische und Katholische Christen die Bibel. Damit fing es an. Und dann sind vor einigen Jahren aus diesen Begegnungen ganz konkrete gemeinsame Aktionen entstanden. Der Ökumenische Tisch und die Kleiderstube, eine Schülerhilfe und die ATEMPAUSE, ein ökumenischer Entlastungsdienst für pflegende Angehörige. So unterschiedlich wir auch alle sind: Eins verbindet uns, der Glaube an Jesus Christus. Er macht uns fähig einander mit Liebe und Respekt zu begegnen. Der christliche Glaube will überzeugen und nicht überreden.

Aber wie leicht geraten uns die Argumente zu leeren Formeln. Darum reicht der Kopf alleine nicht aus, das Herz ist beteiligt, wenn der Glaube wahr ist. Wir entdecken neue Freunde, die auf andere Weise ihr Christsein leben. Aber was sie erzählen, das macht meinen eigenen Glauben gewisser. Darum ist wahrer Glaube auch immer ein „herzliches Vertrauen“, wie der Heidelberger Katechismus das nennt.

Vertrauen kann man nicht verordnen. Vertrauen will wachsen: Ich erfahre Zuwendung und Achtung und wie eine kleine Pflanze keimt Zutrauen. Ich lasse mich darauf ein, vertraue mich dem an, der mir zu verstehen gibt, dass er für mich da ist – erfahre dass er sich nicht abwendet und dann wächst es nach und nach heran, das Vertrauen. Es ist ein kostbares Geschenk. Das ich Gott vertrauen kann, das habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Ich käme eher auf den Gedanken, dass Gott keinen Grund hätte, sich mit mir abzugeben, mir die Treue zu halten.

Doch Gott lässt einem jeden und einer jeden von uns sagen: So, wie allen anderen gilt auch dir meine ganze Aufmerksamkeit. Ich schenke dir meine ganze Liebe, die Vergebung deiner Schuld. Du hast die Chance neu und unbelastet in dein Leben zu blicken. Ich sehe dich an, und du hast für immer einen Platz bei mir, für deine Zukunft, für dein Leben auch über den Tod hinaus ist gesorgt. Das alles ist mein Geschenk an dich, das dir gehört. Auch für dich gilt das. Du hast dir das nicht verdient. Aber Jesus Christus hat alles getan, damit du bei mir bist.

Das ist also der wahre Glaube an dem Kopf und Herz beteiligt sind: Eine feste Überzeugung – die zuverlässige Erkenntnis –, damit ich keinen Fabelmärchen folge, sondern dem guten Willen Gottes für mich und uns und alle Welt. Und die Gewissheit – das herzliche Vertrauen –, dass Gott auch an mir, genauso, wie an ihnen liebe Hörerin und lieber Hörer festhält, und uns im Leben nahe sein will.

Davon überzeugt, grüße ich Sie und wünschen Ihnen einen guten Tag mit viel Herz und Verstand. Ihr Rüdiger Schnurr aus der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Hilchenbach.

 

Audiobeitrag Kopf und Herz (Frage 21 des Heidelberger Katechismus)


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