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Liebe! und dann tu, was du willst (Fr. 4 des Heidelberger Katechismus)
Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer! Tu, was du willst! Du selbst bist der Mittelpunkt. Du hast Wünsche, du kannst sie dir erfüllen. Nimm dir, was dir gefällt.
Das klingt gut. Richtig motivierend. Ich soll zum Zug kommen. Das wünschen sich glaube ich, alle Menschen. Und gleichzeitig ist es doch ein sehr infantiler Grundsatz.
Wer ausschließlich danach lebt, setzt im Grunde nur fort, womit ein Säugling schon auf die Welt gekommen ist: Um zu überleben muss er fordern, fordern, fordern. Wie sonst, soll die Mutter wissen, was ihr Kind braucht. Das ist die erste Form der Liebe, die ein Mensch erlebt, noch bevor er sprechen kann: Nahrung und zärtliche Zuwendung. Später lernt das Kind immer mehr zu begreifen, dass es auch Grenzen gibt und Bedürfnisse anderer. Erfahrene Liebe befähigt dazu, Liebe weiterzugeben. Nicht immer selbst im Mittelpunkt stehen zu wollen. Ohne Liebe wäre das Leben die Hölle auf Erden. Der Grundsatz Tu, was du willst!, klingt gut, ist aber ein Irrglaube. Da stehe ich selbst im Mittelpunkt und bin das Maß meiner Taten.
In der Bibel heißt es: Gott ist Liebe! (1. Johannes 4,8). Und deshalb hat der Kirchenlehrer Augustinus dem Tu, was du willst! ein wichtiges Wort vorangestellt. Bei ihm heißt es: Liebe! und dann tu was du willst! Wer liebt, der will das Gute tun, meint Augustinus. Er ist von Gottes Liebe durchdrungen und geprägt. Auch Jesus fordert die Menschen auf, zu lieben. Liebe christlich verstanden hat zwei Gesichter: Das eine ist auf Gott gerichtet und das andere auf den, der unsere Liebe braucht, der Nächste, wie er in der Bibel genannt wird:
Das erzähle ich den Konfirmanden. Im Unterricht möchte ich ihnen Werte vermitteln, die sie tragen. Doch zuerst brauchen sie eine gute Grundlage für alles so wie der Säugling die Liebe und Nahrung. Wenn die Jugendlichen sich auf die Konfirmation vorbereiten, lernen sie Gott als den kennen, für den sie von Anfang ihres Lebens an ganz wichtig sind, dem sie wertvoll sind. Wie ist das mit der Liebe, überlegen wir.
Kann ich gleichgültig bleiben, wenn mich jemand liebt und mir das zeigt? Leider ja. So ist das ja oft bei uns Menschen. Wir vergessen schnell, was Gott uns Gutes getan hat und auch was Menschen uns Gutes getan haben. Darum gibt es das Gebot von Jesus, dass wir Liebe üben sollen. Er sagt: Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Das lernen die Konfirmanden auswendig. Als Antwort auf die Frage im Heidelberger Katechismus: Was fordert denn Gott in seinem Gesetz von uns?
Diese beiden Gebote, Gott zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, das ist die Quintessenz der Bibel für unser Leben ist. Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst, und dann weißt du, was du tun sollst. Das ist das Wichtigste was ich als älterer Mensch Kindern und Enkeln mit auf den Lebensweg geben und vor allem vorleben kann.
Heute und alle Tage viel Klarheit für Ihr Reden und Handeln, wünscht Ihnen, liebe Hörerin und lieber Hörer, Ihr Pfarrer Rüdiger Schnurr aus der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Hilchenbach.
Liebe! und dann tu, was du willst (Fr. 4 des Heidelberger Katechismus)
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