Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.07.13; Pfarrer Rüdiger Schnurr

Jesus Christus gehören (Fr. 1 des Heidelberger Katechismus)

Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer. „Was lernen die Konfirmanden heute eigentlich noch?“ Unzählige Male habe ich diese Frage schon gehört.

Fast immer ist sie verbunden mit der Feststellung: „Wenn ich daran denke, was wir noch alles lernen mussten! Den ganzen Kleinen Katechismus auswendig. Die wissen gar nicht, wie gut sie es haben.“

Ein Katechismus - das ist ein Handbuch über die Grundfragen des christlichen Glaubens.

In unserer Gemeinde haben wir den Heidelberger Katechismus. In diesem Jahr gibt es ihn 450 Jahre. Manche halten den Katechismus für nur schwer verständlich mit seinen 129 Fragen und Antworten. Sicher ist die Sprachform nicht die der Facebook- oder Twitter-Generation. Aber die Konfirmanden wissen da in der Regel schon zu unterscheiden und lassen sich drauf ein. Denn sehr schnell merken sie: Der Heidelberger Katechismus stellt ganz lebenswichtige Fragen. Das fängt schon mit der ersten an: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ So direkt und persönlich wird man selten gefragt. Was ist für dich das Wichtigste, das Entscheidende im Leben? Was ist der Sinn des Lebens für dich? Das trifft ins Zentrum des Lebens der Menschen aller Zeiten. Eine Frage, die niemals veraltet.

Die Antwort ist überraschend und auf den ersten Blick gar nicht zeitgemäß. „Dass ich mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben, nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.“ Das soll der Sinn des Lebens sein, dass ich abhängig bin? Ist das nicht das genaue Gegenteil von dem, worauf wir zu recht seit der Zeit der Aufklärung stolz sein können: Unsere persönliche Unabhängigkeit, die Gedankenfreiheit, die Meinungsfreiheit. Eben, dass wir doch über uns selbst bestimmen können und dürfen und kein anderer über uns willkürlich verfügen darf. Doch eins ist wohl allen mittlerweile klar: Noch nie gab es so viel Überwachung und Ausspionieren der Privatsphäre wie heute. Im Augenblick regen wir uns zu Recht darüber auf, in welchem Ausmaß amerikanische und britische Nachrichtendienste sich für unsere Emails und Telefongespräche interessieren. Der Willkür ist Tür und Tor geöffnet und es ist kaum zu erwarten, dass sich nur gute, wohlmeinende Menschen mit unseren Daten beschäftigen.

Gegen die Willkür in jeder Form setzt aber der Heidelberger Katechismus gleich zu Beginn ein Zeichen. Denn dort erfahre ich, warum es gut ist, zu Christus zu gehören. Weil Jesus Christus es gut mit mir meint und mich nicht böswilligen Kräften ausliefern will. Denn Menschen sind leicht zu manipulieren und sie befinden sich immer wieder in einem Menschen gemachten Teufelskreis: Keine Arbeit – kein Geld – keine gute Ausbildung für die Kinder – wenig Chancen, aus all dem raus zukommen – die Kinder bleiben in der Schule und in der Gesellschaft zurück – ihr Weg ist vorgezeichnet – keine Ausbildung – keine Arbeit – kein Geld...

Der Glaube an Jesus Christus kann helfen, die Teufelskreise und Abhängigkeiten zu durchbrechen. Wenn ich glauben kann: Jesus fühlt sich für mein Leben verantwortlich – dann liegt darin eine Kraft für das ganze Leben, von der Geburt bis zum Tod. Ich muss nicht allein durchs Leben gehen. Ich gehöre zu Christus. Ich gehöre niemals einem Menschen, der mich manipulieren kann. Genau das ist die ja auch Grundlage dafür, dass einstmals die Menschenrechte und die Freiheitsrechte formuliert werden konnten.

Menschen, die mit diesem Vertrauen leben, dass Gott sie trägt und erhält, übernehmen oft Verantwortung für sich und für andere. Sie fürchten sich nicht davor, anzuecken oder zu versagen oder zu kurz zu kommen. Sie lassen sich nicht klein machen, sie geben nicht auf, trösten und lassen sich trösten, kämpfen um bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne, um gute Bildung für alle Kinder, für Meinungsfreiheit und Datenschutz. Mit anderen zusammen.

Einen Tag voll Zuversicht und der Kraft der Freiheit wünsche ich Ihnen, Ihr Rüdiger Schnurr, Pastor in Hilchenbach.

 

Audiobeitrag Jesus Christus gehören (Fr. 1 des Heidelberger Katechismus)


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