trink fair
Das letzte Jahr war ein schweres Jahr für Valeria Sevilla, 56 Jahre alt, Bäuerin aus Nicaragua. Der Kaffee hat ihr Sorgen gemacht.
Nicht der in ihrer Tasse, sondern der auf ihrem Feld. In guten Jahren kann sie mehr als 30 Zentner ernten. Aber im vergangenen Jahr waren es nur 16. Das ist eine ganze Menge Geld, die ihr nun fehlt fast die Hälfte des Jahreseinkommens.
Grund dafür ist der Kaffeerost ein Pilz, der die Pflanzen befällt und abtötet. Sie wird neue Pflanzen setzen müssen. Sie ist nicht die einzige, die es hart getroffen hat. In ganz Nicaragua hat der Kaffeerost die Plantagen und die Felder der Kleinbauern befallen. Viele sind daran Pleite gegangen. Auch Valeria Sevilla hätte der Pilz die Existenz zerstört. Aber zu ihrem Glück gibt es den Genossenschaftsverband San Ramón, dem sie angehört. Und den fairen Handel. Einen normalen Bankkredit hätte sie vermutlich gar nicht oder nur zu sehr schlechten Bedingungen bekommen. Aber der faire Handel ermöglicht es der Genossenschaft, einen Sozialfonds anzulegen. Manchmal werden davon Wege erneuert, manchmal erkrankte Bauern unterstützt und manchmal eben Renovierungen der Kaffeefelder finanziert.
Valeria Sevilla ist eine Expertin in ihrem Beruf. Sie arbeitet im Kaffeeanbau, seit sie denken kann. Schon als kleines Mädchen half sie ihrem Vater auf den Feldern. Als 1979 die sandinistische Revolution Nicaragua von der Diktatur befreite, wurde das Land neu verteilt. Valeria und ihr Mann erhielten als Mitglieder der Genossenschaft ungefähr 3,5 Hektar Land für Grundnahrungsmittel wie Mais und Bohnen und etwa nochmal so viel für den Kaffeeanbau, dem Hauptexportartikel Nicaraguas.
Durch den fairen Handel kommt die Familie ganz gut über die Runden. Müsste Valeria Sevilla ihren Kaffee zu den aktuellen Weltmarktpreisen verkaufen, wäre es ihnen unmöglich gewesen, den Schulbesuch und das Studium ihrer acht Kinder zu bezahlen. Bildung ist in Nicaragua zwar kostenlos, aber die Kinder brauchen Schuluniformen, Hefte und Stifte. Auch die tägliche Busfahrt zur Schule muss selber bezahlt werden.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Reich wird die Familie durch den fairen Handel nicht. Sie lebt weiterhin in einfachen Verhältnissen irgendwo auf dem Land, ohne großen Luxus. Aber zumindest weiß Valeria Sevilla, dass sie für ihren Kaffee einen gerechten Preis bekommt. Kaffee ist für sie nicht nur ein beliebiges und billiges Produkt, mit dem sie ihr Geld verdient. Kaffee ist ihre Leidenschaft in der Tasse und auf dem Feld.
Valeria hat Glück, dass sie und ihre Genossenschaft von den Vorteilen des fairen Handels profitieren können. Und statt aufzugeben würden sich viele Kaffeebauern gerne diesem System anschließen, um auch bessere Preise für ihren Kaffee zu erzielen und mehr Sicherheit für sich und ihre Familien zu haben. Aber auch, wenn das Volumen des fair gehandelten Kaffees in den letzten Jahren zugenommen hat es gibt immer noch nicht genügend Abnehmer.
Valeria Sevilla wünscht sich, dass sich das ändert. Und ich wünsche mir das auch. Ihre Geschichte ist ein wunderschönes Beispiel dafür, was Menschen bewegen können, wenn sie nur wollen. Am einen Ende der Welt baut eine Familie mit Liebe und Leidenschaft Kaffee an, den ich hier mit Liebe und Leidenschaft schlürfe. Eine echte win-win Situation!
Ich wünsche mir mehr solcher win-win Situationen. Fair gehandelten Kaffee und fair gehandelte Rosen und fair gehandelte Schokolade und fair gehandelten Reis und und und
finden Sie inzwischen in jedem gut sortierten Supermarkt. Und je mehr Käufer es gibt, umso mehr Produzenten können in das System einsteigen.
Schon am Morgen mit der ersten Tasse dampfenden Kaffee die Welt ein klitzekleines Stückchen besser machen steigen Sie auch ein und machen sie mit. Schmeckt gut und tut gut.
Quelle: Publik Forum 11, Juni 2013
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