Für alles gibt es eine App!
Dieser Tage haben wir einen wichtigen Geburtstag gefeiert aber ohne es richtig bemerkt zu haben. Vielleicht, weil das Geburtstagskind so selbstverständlich zu unserem Leben
dazugehört, als sei es schon immer da gewesen. Die Rede ist von der App. Die kleine Applikation auf unseren Smartphones ist fünf Jahre alt geworden. Eine Milliardenschwere Erfolgsgeschichte. Dabei hat noch nicht einmal Apple-Gründer Steve Jobs am Anfang daran geglaubt. Über ein Jahr lang mussten seine Mitarbeiter den Apple Chef überzeugen, ehe er am 10. Juli 2008 der Eröffnung des ersten App Stores zustimmte. Gerade einmal 500 Anwendungen standen zu Beginn zum Download bereit. Heute sind es eine Million: Arbeitszeitkonten, Finanzkalkulationen, Textverarbeitungsprogramme, Warnungen vor Radarfallen, Videobearbeitungssoftware. Für alles gibt es eine App der Werbespruch ist schon längst ein geflügeltes Wort.
Aber Apps erleichtern nicht nur den beruflichen oder touristischen Alltag. Sie vertreiben auch die Langeweile oder heitern den Arbeitstag auf: Ihr Smartphone verwandelt sich mit ihnen in einen authentisch brummenden Rasierer, ein summendes Lichtschwert oder ein knisterndes Lagerfeuer. Mit ihrer Feuerzeug-App entzünden Sie nichtraucherfreundlich die Zigaretten-App, der Grillsimulator würzt die Mittagspause und während der langweiligen Teamsitzung können Sie schon mal für den nächsten Urlaub auf dem Bauernhof das Kühe melken auf dem Display üben. Für alles gibt es eine App! Sogar den perfekten Kuss können Sie mit Ihrem Handy üben.
Wenn Sie das denn möchten.
Und auch für die Seele wird im App-Store gesorgt: Sie können sich ein Gebetbuch mit über 1000 Gebeten für alle Lebenslagen herunterladen. Oder den betenden Mönchen eines bayerischen Klosters live zuhören. Der Gottesdienstfinder weist Ihnen den Weg zur nächsten Kirche. Oder doch lieber gleich einen virtuellen Gottesdienst als Videospiel? Sie wissen ja: Für alles gibt es eine App. Vielleicht aber auch nicht.
Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens lassen sich nicht virtuell regeln. Wie gestalte ich das Zusammenleben mit meiner Familie, wie pflege ich meine Freundschaften, wie kläre ich Konflikte im Beruf und im Privaten? Wie kann ich im Trauerfall weiterleben, wie gehe ich mit Verlusten um oder mit frustrierenden Erfahrungen? Mit wem teile ich meine Freude? Und wie? Das kann ich mir nicht im App-Store herunterladen. Das muss ich schon selber leben.
Genauso wie den Glauben an Gott. Ein virtuelles Gebetsbuch oder ein Gottesdienst-spiel kann vielleicht eine nette Hilfestellung oder Anregung sein, mal wieder zu beten oder in den Gottesdienst zu gehen. Aber gehen und beten muss ich selber das nimmt mir mein Smartphone nicht ab. Gott sei Dank möchte ich sagen! Gott sei Dank tritt Gott mit mir ganz unmittelbar in Kontakt durch reale Menschen, die mit mir gemeinsam nach ihm suchen. Gott sei Dank kann ich Gott auch dann erreichen, wenn der Akku meines Handys schlapp macht und jede App schweigt.
Gott sei Dank gibt es nicht für alles eine App. Denn so bleiben wir Menschen mit Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten. Eben genauso, wie Gott uns gewollt und geschaffen hat und liebt.
Für alles gibt es eine App!
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