Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.07.13; Pfarrer Matthias Köhler

Einreiseverbot für kirchliche Vertreter aus dem Kongo

Autor: Sommer, Sonne, Sonnenschein: die Sommerferien stehen an, die schönsten Wochen des Jahres. Die Koffer sind gepackt, die Flüge längst gebucht. Jetzt Geht’s los.

Aber dann heißt es am Flughafen: Sorry, Visum gestrichen. Sie dürfen in das Zielland nicht einreisen. So ist es Kirchenvertretern aus dem Kongo ergangen, die der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann zu einem Besuch eingeladen hatte.

O-Ton: „Mitte April war die Delegation in Kinshasa angekommen. Die Deutsche Botschaft hat für die Bearbeitung eines Visumsantrags immer fünf bis zehn Arbeitstage gebraucht. Ende Mai sollte der Flug abgehen. Eigentlich genug Zeit. Doch nun lagen zwei Tage vor Abflug immer noch nicht die Bewilligungen des Schengen-Hauses in Kinshasa für die Visaanträge vor.“

Autor: Sagt Frank Wächterhäuser, Pfarrer in Ratingen-Lintorf, der die Reise koordiniert hatte. Seit März hat die EU ihre Praxis der Vergabe von Visa verändert. Nicht mehr die einzelnen Mitgliedsstaaten sind nun zuständig, sondern das so genannte „Schengen-Haus“, die Behörde, die die 17 Staaten vertritt, die die gegenseitigen Grenzkontrollen abgeschafft haben.

O-Ton: Federführung hat hier die ehemalige Kolonialmacht Belgien. Die haben wohl befürchtet, dass unsere Gäste alle in Europa bleiben wollen, wenn sie einmal hier sind. Dass Christen sich einfach untereinander besuchen, haben sie nicht gekannt oder nicht geglaubt.

Autor: Neben der Unterstellung des Risikos einer beabsichtigten Migration äußerten die belgischen Behörden Zweifel am Zweck der Reise – Besuche von Gemeinden und diakonischen Einrichtungen in Deutschland. Das schien die Behörde nicht nachvollziehen zu können. Außerdem bemängelten sie das Fehlen von Einkommensnachweisen und äußerten Zweifel an der Bonität der Kirche.

O-Ton: Wir haben echt nicht damit gerechnet, dass jemand in Zweifel ziehen würde, dass wir als Kirche nicht in der Lage seien, die Kosten für sechs Personen für den Aufenthalt auch zu tragen.

Autor: Sechs Kongolesen dürfen nicht nach Deutschland einreisen. Das könnte man als Kleinigkeit abtun. Ich finde aber, dass das Problem ein größeres ist. Als Christen haben wir weltweite Kontakte zu anderen Christen auch in ärmeren Ländern. Die christliche Familie ist über viele Länder und Kontinente verteilt. Es geht um mehr, als nur eine Reisegruppe aus Afrika, denen die Einreise nach Europa verweigert wird. Es geht auch um das Recht eines jeden europäischen Bürgers, Gäste einladen zu dürfen.

O-Ton: „Wenn ich Menschen, die ich seit 30 Jahren als Partner schätze, nicht mehr einladen kann, ohne dass ich damit rechnen muss, dass sie fast zwei Monate hingehalten und gedemütigt werden, dann stellt das den Austausch, wie wir ihn uns vorstellen, grundsätzlich in Frage. Ich schäme mich geradezu, wenn ich als Einladender unseren Gästen diese Gründe erklären soll.

Autor: Das Gastrecht ist weltweit und zu allen Zeiten heilig. Darum hat der Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann das Auswärtige Amt um Hilfe gebeten und die Gäste aus dem Kongo für 2014 erneut eingeladen. Frank Wächtershäuser wünscht sich jedenfalls, dass der Besuch dann stattfindet.

 

Audiobeitrag Einreiseverbot für kirchliche Vertreter aus dem Kongo


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