Tauschen statt kaufen!
Autorin: Manche Frauen packens einfach an. Claudia Kretzschmar ist so eine. Zurzeit hat sie gleich drei Jobs. Zwei bezahlte als Sekretärin und einen ehrenamtlichen:
Sie organisiert besondere Projekte in ihrer evangelischen Kirchengemeinde in Dortmund. Ihre zwei Kinder sind groß und ihre Kreativität kennt keine Grenzen.
O-Ton1: Ich bin so für Projekte, für was Neues machen, Leute bewegen. Das ist mein Motor, meine Motivation was zu tun und eben noch was Gutes tun.
Autorin: sagt die 52-jährige.Vor gut einem Jahr hat sie den Eine-Welt-Laden in ihrer Gemeinde umgekrempelt. Zusammen mit fünf anderen Frauen hat sie den Laden ausgeräumt, eingeräumt, umdekoriert und verändert. Einkaufen mit Herz und Verstand, schreibt sich das Frauenteam seitdem auf die Fahnen. Im Angebot haben sie neben fairem Tee und Kaffee und Schokolade auch Mode. Für einige noch unbekannt: Es gibt jetzt eine Marke, die modische Kleidung aus Biobaumwolle herstellt und die garantiert ohne Kinderarbeit produziert ist. Für den Weltladen eine tolle Ergänzung, findet Claudia Kretzschmar. Sie wirbt für Gerechtigkeit mit teilweise ungewöhnlichen Mitteln: einer fairen Modenschau im Gottesdienst, einem gesunden, hochwertigen Catering bei kirchlichen Großveranstaltungen, ausschließlich aus Fair-Trade-Lebensmitteln. Oder ganz neu im Programm: mit einer Tauschbörse!
O-Ton2: Wenn nur ein Arbeiter weniger in Chemikalien stehen muss, eine Näherin in Bangladesh nicht hinter vergitterten Fenstern nähen muss unter Lebensgefahr oder ein Kind in Westafrika keine Perlen auf T-Shirts sticken muss, dann ist schon viel getan, wenn hier jeder ein Stück mitnimmt, das er dann auch trägt zu Hause.
Autorin: Die Idee ist erfolgreich! 100 Menschen sind zur ersten Tauschbörse in die Dortmunder Christuskirchengemeinde gekommen, vornehmlich Frauen. Sie haben ihre Schränke ausgemistet, Fehlkäufe und Klamotten, die sich nicht mehr brauchen, gewaschen, gebügelt und mitgebracht. Christine Leitner und Patricia Arens, beide 39, haben von der Tauschaktion in der Zeitung gelesen und waren begeistert.
O-Ton3: Einfach die Idee und dass man die Kleidungsstücke bei sich im Schrank hat und jemand anders könnte sich darüber freuen. Dieser Tausch an sich, den find ich einfach total nett und wir sind ja auch fündig geworden.
Autorin: 10 Kleidungsstücke haben sie mitgebracht, fast alle haben sie gegen etwas Neues eingetauscht. Was übrig bleibt, geht an eine diakonische Einrichtung für Bedürftige. Für die beiden Frauen ist das Tauschen eine echte Alternative zum Shoppen. Denn es macht nicht nur Spaß. Für sie steckt mehr dahinter.
O-Ton4: Ich finde, es ist mal so was ganz anderes, dann bargeldlos zu shoppen - ja shoppen kann man ja nicht sagen - sich einzukleiden. Die Leute können arm oder reich sein, das spielt überhaupt keine Rolle. Es ist einfach eine Gegenstrategie gegen den Konsum, der oft genug nervt.
Autorin: Mit den Tauschbörsen liegt die Dortmunder Gemeinde voll im Trend. Das Teilen und Tauschen von Autos, Wohnungen, Werkzeugen und eben Kleidung wird immer beliebter. Auch im Internet. Laut einer Studie von 2012 teilen fast 9 Millionen Menschen ihre Wohnungen oder Gegenstände über Online-Plattformen. Tauschen ist eine uralte Sache. Außerdem zutiefst christlich. Mir gefällt der Trend. Er hat etwas Revolutionäres. Wenn immer mehr Menschen tauschen, anstatt zu kaufen, wird sich das langfristig auf unsere Natur und auf die Wirtschaft auswirken. Die Fülle, die uns geschenkt wird, mit Freude teilen das sind doch schöne Aussichten für die Zukunft!
Tauschen statt kaufen!
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