Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.07.13; Vikarin Katrin Berger

Ein Bund fürs Leben

Diesen Juli heiratet meine Jugendfreundin Michaela. Der Glückliche heißt Marius. Wäre das nicht so, hätte er sie ja nicht gefragt, ob sie ihn heiraten will.

Kann ich gut verstehen, Michaela ist nämlich eine tolle Frau und eine echt treue Seele. Sie hat strahlend Ja gesagt; schließlich hat sie bereits ein, zwei Frösche geküsst, wie ich aus exklusiven Quellen berichten könnte, aber nicht verraten darf. Aber irgendwann weiß man ja auch einfach, was man wirklich braucht, was zählt, was glücklich macht. Ich freu mich sehr für die beiden und bin endlich wieder in einer Kirche, wo zwei Menschen den Bund fürs Leben schließen. Die Pfarrerin wird bestimmt wieder diesen Satz aus der Bibel vorlesen: Eine junge Frau, Ruth, hat ihn zu ihrer Schwiegermutter Naomi gesagt:

„Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, (…) deine Familie ist meine Familie, und dein Gott ist mein Gott.“ (Buch Ruth 1,16)

Das ist ein bisschen mehr als ein romantisches: Ich liebe dich. Das ist konkret. Das ist ein Vertrag, wenn zwei Menschen sich das versprechen. Ein Bund fürs Leben, wie ihn Menschen immer schon geschlossen haben. Mal mit mehr, mal mit weniger Hierarchie, mal aus rosaroten Gefühlen, mal aus Pragmatismus. Zwischen Frauen und Männern, aber nicht nur, wie man schon an dem Bibelvers sieht. Alle eint die Ahnung, dass das Leben zu zweit im besten Fall leichter, wärmer und lustiger ist. Wenn man auf den anderen bauen kann, die Zweisamkeit nicht wie Sand in den Händen zerrinnt, sobald die erste Begeisterung für den anderen weicht und es mal schwierig wird. Deshalb: ein Bund fürs Leben, sich so lange man lebt an einen Menschen binden.

Wohin du gehst, dahin gehe ich auch. Was für ein Versprechen, obwohl keiner wissen kann, wohin das Leben führt – nächstes Jahr, im nächsten Jahrzehnt, in den Jahren danach. Beruflich, familiär, finanziell, gesundheitlich. Den Bund fürs Leben schließen, das hört sich gleichzeitig risikofreudig und solide an, und romantisch klingt es auch. Denn Michaela würde das ja keinem anderen Mann als Marius versprechen. Deine Familie ist meine Familie. Deine Herkunft, deine Prägungen sind nun auch Teil meines Lebens. Michaela und Marius ahnen, worauf sie sich da einlassen. Sie haben sich Zeit genommen sich kennenzulernen. Und: Sie wohnen in unmittelbare Nähe ihrer Familien. Sie haben erkannt: Es gibt den anderen nicht ohne die Familie, die ihn mit zu dem gemacht hat, was er ist. Sie ahnen, keine Familie ist perfekt, aber sie weiß vom Segen der Nähe und um die Wichtigkeit von ausreichender Distanz. Ihr Bund fürs Leben ist die Geburtsstunde ihrer neuen Familie. Michaela ist dann Marius´ Familie und umgekehrt.

Das ist Grund zu feiern, auch in der Kirche. Wir werden Gott danken, dass sich Michaela und Marius gefunden haben. Das ist einfach, denn sie haben beide denselben Glauben. Ihr Gott ist sein Gott und sein Gott ist ihr Gott. Wenn es mal schwierig wird, dürfen sie auf seinen Segen vertrauen und ihn bitten, dass es ihnen weiterhin gelingt zusammen zu bleiben, eine gute Familie zu werden, miteinander durchs Leben zu gehen, solange sie leben.

Ich freue mich auf diesen Tag. Und über den Bund fürs Leben. Dass Menschen sich finden und sich trauen, ihn zu schließen. Darin zeigt sich für mich etwas Wunderbares: Menschen sind gerne treu, sich festzulegen kann ein großes Glück sein. Darin ahmen Menschen die Treue Gottes und seine Verbindlichkeit nach. Und ich ahne etwas von der großen Liebe Gottes, die er manchmal risikofreudig, manchmal solide, manchmal romantisch uns verspricht.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Vikarin Katrin Berger aus Gelsenkirchen-Buer.

Audiobeitrag Ein Bund fürs Leben


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