Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.07.13; Pfarrer Martin Vogt

Glaube trägt

Autor: Wenn jemand an Gott glaubt, dann heißt das nicht automatisch, dass ihm nichts passieren könnte.

Im Gegenteil: Es kann sogar sein, dass die schlimmsten Befürchtungen wahr werden. So war es bei Sandra und Reinhard Schlitter, deren Sohn Mirco vor drei Jahren entführt und umgebracht wurde.

Sprecherin (Mutter): „Mircos Geschichte beginnt an einem unscheinbaren Freitag. Daraus entwickelt sich unser Leidensweg - jenes Ereignis, das alle Eltern der Welt am meisten fürchten. Wir haben diese Geschichte durchlebt. Und überlebt.“ (S. 13)

Autor: Mircos Eltern beschreiben diese Leidensgeschichte in einem Buch, das vor einigen Monaten erschienen ist. Es trägt den Titel: „Mirco. Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen“. Darin lassen die Eltern das Leben ihres Sohnes Revue passieren und schildern, wie die Familie mit der Situation umgegangen ist. Eine ganz wesentliche Rolle spielt dabei der Glaube an Gott. Er ist eine echte Stütze - gerade in der Zeit, als noch niemand weiß, was mit Mirco passiert ist.

Sprecher (Vater): „Dabei hilft es uns sehr, dass wir an einen Gott glauben, der sich für uns und unser Leben interessiert. Der auch jetzt in diesem Augenblick weiß, wo Mirco ist, der ihn nicht allein lässt und an den wir uns mit unseren schrecklichen Befürchtungen und unserer Not wenden können.“ (S. 32)

Autor: Zu Gott zu beten - das ist für die Familie nicht nur ein Ventil für Ihre Angst. Das Beten gibt ihnen in dieser Zeit der Unsicherheit auch einen festen Halt.

Sprecher (Vater): „Vor allem aber hat es uns immer wieder geholfen, dass wir überhaupt einen “kompetenten“ Ansprech¬partner hatten, an den wir uns in unserer Angst und Not wenden konnten, dem wir alles hinlegen konnten, was uns überforderte, und der als Einziger überhaupt wusste, was mit Mirco war und was wir jetzt brauchten. Zu wem sonst hätten wir denn gehen sollen, der nicht ebenso hilf- und ratlos gewesen wäre wie wir selbst?“ (S. 165f.)

Autor: Natürlich wird dadurch das Leid, der Verlust, der Schmerz, die Traurigkeit nicht aufgehoben. Die Eltern machen auch gar keinen Hehl daraus, wie schwer diese Zeit für sie war. Und wie sehr sie immer noch nachwirkt. Aber sie haben eben auch erlebt, wie sehr der Glaube eine Hilfe sein kann - gerade dann, wenn man etwas Schweres erlebt oder sogar etwas Unvorstellbares.

Sprecherin (Mutter): „Wir glauben, dass auch unsere intensive Auseinandersetzung im Gespräch und unser Miteinander im Gebet dazu beigetragen haben, dass wir nicht durchgedreht sind. Nach diesem Erlebnis können wir aus eigener Erfahrung bestätigen, was Psychologen schon seit Jahrzehnten betonen: nämlich, dass Menschen, die an Gott glauben, in Krisen besser zurechtkommen, nicht so leicht aufgeben, einen Halt finden und sogar noch Kraft spenden können. Das haben wir erfahren.“ (S. 182)

Autor: Mircos Eltern haben sich dem Verlust ihres Sohnes gestellt. Aber sie sind nicht dabei stehen geblieben. Sie haben den Blick auch wieder nach vorn richten können. Und sie glauben daran, dass es eine Zukunft gibt.

Sprecherin (Mutter): „Es gibt noch etwas, was uns als Familie hat überleben lassen. Das ist das ganz sichere Wissen: Mit dem Tod ist nicht alles aus.
In der Bibel steht, dass uns nach unserem Tod eigentlich erst das richtige Leben erwartet, dass der Himmel ein schönerer Ort ist, als wir es uns überhaupt vorstellen können, dass es dort keinen Tod und kein Leid und keine Tränen mehr geben wird. Der Gedanke, dass es Mirco dort besser geht als je zuvor und dass er bestens aufgehoben und wunschlos glücklich ist, gibt uns mehr Trost, als man in Worte fassen kann.“ (S. 175)

Angaben zum Buch:
Sandra & Reinhard Schlitter, mit Christoph Fasel:
„Mirco. Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen“;
erschienen 2012 im adeo Verlag
(Gerth Medien GmbH, Asslar, Verlagsgruppe Random House GmbH, München)

 

Audiobeitrag Glaube trägt


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