Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.06.13; Pfarrerin Petra Schulze

Planet Plastik

Joghurtbecher, Zahnpastatube, Hundefuttertüte, Schulbrotdose, Quietscheente, PC-Tastatur – wir sind Kinder des Plastikzeitalters.

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer. Wenn Sie sich einmal in Ihrem Haushalt umschauen, werden Sie feststellen: ohne Plastik geht fast nichts. Oder doch?

Familie Krautwaschl1 aus Österreich versucht es: Zunächst einen Monat lang. Manches ging ganz leicht. Viele Produkte und Verpackungen sind ja schon aus recycelbaren Materialien wie Glas, Keramik, Holz, Metall und pflanzlichen Fasern hergestellt. Nach dem Motto „Jute statt Plastik“ kann man beim Einkaufen einfach zum Stoffbeutel statt zur Plastiktüte greifen oder Milchprodukte in Gläsern und Flaschen kaufen. Doch wie gelangt man an Zahnbürsten aus Kautschuk mit Naturborsten oder Brotboxen aus Metall für die Schulkinder? Wo gibt es Zahnpasta in Metalltuben? Familie Krautwaschl ist erfinderisch: Tintenpatronen aus Plastik? Nicht nötig. Es gibt Füller, die man direkt aus dem Tintenfass auffüllen kann. Hundefutter gibt’s im Papiersack, Reis im Leinensäckchen.

Anlass für dieses Experiment der Krautwaschls war eine Dokumentation mit dem Titel Plastic Planet. Da heißt es: „In den Weltmeeren findet man inzwischen sechsmal mehr Plastik als Plankton und selbst in unserem Blut ist Plastik nachweisbar!“2 240 Millionen Tonnen herkömmliches Plastik werden jährlich weltweit produziert. Familie Krautwaschl hat bei ihrem Experiment herausgefunden: Wir produzieren nicht nur automatisch weniger Müll, sondern kaufen auch viel weniger ein. Und so ist es am Ende nicht einmal teurer, weitgehend plastikfrei zu leben. Aus einem Monat sind nun schon vier Jahre geworden. Bis auf einen halben Sack Plastikmüll im Jahr hat sich die fünfköpfige Familie heruntergearbeitet. Und tut damit Tieren und Menschen einen guten Dienst.

Ich habe von den Krautwaschls in einer Frauenzeitschrift gelesen.3 Zur gleichen Zeit titelte ein online-Magazin: “Angeschwemmter Pottwal - Vollgestopft mit Plastikmüll“4. An der spanischen Südküste war ein zehn Meter langer Pottwal angeschwemmt worden. Grausam verendet. Todesursache: Er hatte sich an Plastikmüll überfressen. Über 17 Kilogramm Plastikmüll verstopften seinen Magen und Darm. Wie kommt nun dieser Müll ins Meer: Verantwortlich sollen die Betreiber von Gewächshäusern in Andalusien sein. Das Gemüse und Obst von dort werden nach ganz Europa exportiert. Dabei entstehen jedes Jahr 45.000 Tonnen Müll. Und der landet zum Teil im Meer statt in den speziellen Müll-Aufbereitungsanlagen.

In immer mehr Tieren – Vögeln und Fischen - findet man Plastikrückstände. Die verletzen die inneren Organe oder setzen sich im Magen fest, so dass die Tiere bei vermeintlich vollem Magen verhungern. Meeresschildkröten verwechseln Plastiktüten mit Quallen und ersticken an dem vermeintlichen Leckerbissen.5

In dem toten Wal fanden sich mehr als 30 Quadratmeter Plastikfolie, die zur Abdeckung der Pflanzenzucht-Anlagen verwendet wird. Dazu Gartenschläuche und kleine Blumentöpfe, Plastiktüten, ein Kleiderbügel und Teile einer Matratze. Unvorstellbar. Allein im Mittelmeer sind über 250 Tierarten durch Plastikabfälle bedroht.
Die Tiere – Geschöpfe wie wir - verenden heute qualvoll an unserem menschlichen Wohlstandsmüll.

Am Ende der Nahrungskette stehen dann wir selbst. Plastikrückstände im Körper machen Mensch und Tier unfruchtbar. Damit das aber nun nicht unser Ende und das Ende vieler Tierarten bedeutet, können wir uns an den Anfang setzen. Das hat Gott gemeint, als er dem Menschen ganz am Anfang der Welt den Auftrag gab, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Mir gerät das immer wieder aus dem Blick. Die Meldung von dem Wal, der am Plastikmüll verendete, hat mich aufgerüttelt. Und die Geschichte von den Krautwaschls hat mir Mut gemacht. Es wäre schon viel geschafft, wenn wir in den Kirchengemeinden und ihrem Umfeld die Plastiktütenflut eindämmen würden.

Fangen wir heute damit an, das Ende zu verhindern. Gleich schon, beim Wochenendeinkauf! Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen, Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.

1 http://www.keinheimfuerplastik.at/
2 http://www.plastic-planet.de/
3 http://www.fuersie.de/lifestyle/kultur/artikel/leben-ohne-plastik
4 http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/pottwal-aus-dem-mittelmeer-verendet-an-plastikmuell-a-887845.html
5 http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article114474624/Was-Sie-ueber-die-Plastik-Pest-wissen-sollten.html

Weitere Information: Bonner Netzwerk Plastiktüte nein danke - http://plastiktüte-nein-danke.de/

 

Audiobeitrag Planet Plastik


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