Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.06.13; Pfarrer Joachim Gerhardt

Ferien

Es sind noch drei Wochen hin, ich weiß, aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Also: In drei Wochen gibt es bei uns Ferien. Haben Sie schon gebucht?

Bestimmt. Denn man muss ja früh schauen, dass man gut weg kommt, wenn man noch was Schönes finden will. Eine schmucke Ferienwohnung an der Nordsee oder an der Cote d´Azur, oder in den Bergen. Alles je nach Laune und nach Geldbeutel.

Die Deutschen sind das reisefreudigste Land in Europa, heißt es. Wahrscheinlich haben wir am meisten Geld ... Vielleicht haben wir den Urlaub auch besonders nötig, weil wir besonders viel arbeiten ... Ich weiß es nicht.

Was sich lohnt zu wissen, ist, wo das Wort „Urlaub“ eigentlich herkommt. Es stammt von Erlaubnis, sagen die Sprachforscher. Das heißt: Der Arbeiter erhält von seinem Chef die Genehmigung, sich für eine festgesetzte Zeit von seinem Arbeitsplatz entfernen zu dürfen. – Ich finde das ein wenig beklemmend. Macht das doch deutlich: Das ganze Leben ist von der Arbeit bestimmt. Ich finde, Urlaub muss etwas Selbstverständliches sein! Der Mensch lebt ja nicht für die Arbeit! Er lebt – biblisch gesprochen – aus der Gnade Gottes. Und auch daran sollte mich zumindest mein Urlaub erinnern. Und wenn man Urlaub so versteht, bekommt auch das schöne Wort „Urlaubsparadies“ erst seine eigentliche Bedeutung.

Der erste uns überlieferte Urlaub stammt übrigens aus dem Mittelalter. Ritter fragten ihren Lehnsherren um „urloup“ an. Da ging es aber nicht nach Mallorca oder an den Lago Maggiore. „Urloup“ war die Erlaubnis, in die Schlacht ziehen zu dürfen. Tja, Urlaub für den Krieg sozusagen. Ein Segen, dass zumindest diese Tradition heute ihre Bedeutung verloren hat.

Darum sage ich statt Urlaub lieber Ferien. Das Wort heißt so viel wie Feiertag oder Ruhetag. Es ist Lateinisch „feriae“. Im alten Rom waren das die Tage, an denen keine Gerichtsitzungen abgehalten wurden. Keine Verhandlungen, keine Verurteilungen, kein Geschäft – Zeit zur Muße und zur Erholung.

Gott hat mit der Schöpfung unserer Welt festgelegt, dass jeder siebte Tag ein solcher Tag sein soll. Jeder Sonntag ist sozusagen ein kleiner Ferientag, kann man sagen. Und Gott hat ihn geschaffen, lange bevor Arbeitgeber über Urlaubserlaubnisse nachdachten.

Jeder Sonntag ist für mich mehr noch, wie eine kleine Verheißung auf die großen Ferien. Nicht gestresste Zeit, sondern bewusste Zeit. Zeit, die ich mit den Menschen zusammen verbringe, die mir wichtig sind: meiner Frau, meinen Kinder, meinen Freunden. Tja, was wäre mein Leben ohne den Sonntag? Was wäre mein Leben ohne Ferien?

Keine Frage: Der Mensch braucht Arbeit. Er sollte von seiner Arbeit leben können, doch nicht allein für sie. Ferientage sind für mich daher nicht verdiente, sondern geschenkte Tage. Nicht der Lohn für getane Arbeit, sondern die Erinnerung daran, dass mein Leben ein Geschenk Gottes ist. Ich darf es dankbar genießen und mich schon jetzt darauf freuen: in drei Wochen, in Gottes Namen, und hoffentlich mit Ihnen, auf schöne, lange Ferien!

 

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