Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.06.13; Präses Annette Kurschus

Hochwasser an Elbe und Saale

Guten Morgen, lieber Hörer, liebe Hörerin, es gibt Worte und Sätze, die haben wir schon oft gehört oder gelesen oder selbst gesagt.

Gedankenlos manchmal. Und plötzlich, in einer bestimmten Situation, werden sie lebendig wie nie zuvor. Sie rücken mir auf den Leib; klingen, als seien sie gerade jetzt genau in meine Situation hineingesprochen. Oder unmittelbar in dieser besonderen Lage entstanden. Vielen Menschen mag das in diesen Tagen mit einem Gebet der Bibel so gehen. Da heißt es:

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen. (Psalm 69,2f)

So hat vor mehr als zweitausend Jahren ein Mensch gebetet, dessen persönliche Not wir nicht kennen. Er betete in hebräischer Sprache. Vielleicht ist es gut so, dass er in Bilder kleidet, was ihn so furchtbar bedrängt. Es sind körperlich spürbare Bilder. Sie verbergen sein Schicksal und schützen es vor unserem Zugriff; und zugleich öffnen sie seine Worte für das, was andere Menschen erleben. Viele Generationen später klingen die alten Sätze plötzlich, als seien sie heute gesagt.

Seit gut einer Woche hören wir täglich in den Nachrichten, wie nach den Überschwemmungen an Donau, Inn und Ilz nun auch die Wasserpegel von Elbe und Saale steigen.
Wassermassen mit ihrer Wucht bedrohen die Existenz von immer mehr Menschen, die an den Rändern der Flüsse leben. Das Wasser geht ihnen buchstäblich bis an die Kehle.
Im Hebräischen hat das Wort für Kehle noch eine zweite Bedeutung: Seele. Was die Kehle gefährdet, macht auch der Seele Angst. Wir hören und sehen zurzeit täglich, wie die zerstörerische Kraft des Wassers nicht nur Hab und Gut von Menschen angreift. Es ist ein Angriff auf alles, was ihr Leben zusammenhält. Viele haben diesen engen Zusammenhang von „Kehle“ und „Seele“ schon am eigenen Leib erfahren. Auf ganz andere Weise womöglich. Da geschieht etwas Einschneidendes im Leben – und plötzlich wird es eng, der sprichwörtliche Kloß sitzt im Hals, der Atem geht schwer.

Gott hilf mir! Wie gut, wenn Menschen so beten können. Wenn sie wissen, wohin mit ihrer schlimmsten Not.

Und: Wie gut, wenn da andere Menschen sind, die sich der Not annehmen. Auch diese Erfahrung gibt es. Gott sei Dank! Sie steht uns ebenfalls in diesen Tagen sehr aktuell vor Augen.

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. (Galater 6,2)

Vielleicht war das Ihr Trauspruch bei der Hochzeit, lieber Hörer, liebe Hörerin. Mag sein, Sie haben diesen biblischen Satz, jedenfalls die erste Hälfte, schon selbst zitiert. Anlässe im Alltag gibt es genug. Einer trage des andern Last. Schlicht gesagt: Helft einander, steht einander bei, lasst einander nicht im Stich. Eine gute mitmenschliche Regel. Mich beeindruckt, wie viele Menschen sich – zum Teil von weit her! – derzeit in die Hochwassergebiete aufmachen, um Sandsäcke zu schleppen und zu zeigen: Wir schauen nicht nur zu. Wir sind da. An eurer Seite. Viele spenden für die Katastropehnhilfe der Diakonie oder andere Organisationen, die den Menschen helfen – jetzt, und wenn das Wasser gewichen ist. Die Bibel sagt: So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Gott um Hilfe bitten und handfest für den Menschen da sein, der meine tatkräftige Unterstützung braucht: Für Christen gehört beides untrennbar zusammen.

Ob Sie heute die Möglichkeit ergreifen, auf Ihre Weise zu helfen? Gelegenheit gibt es reichlich.

Viel Gutes für den Tag! Ihre Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen

Information: Diakonie Katastrophenhilfe: Konto 502 502, Ev. Darlehnsgenossenschaft,
BLZ 2106 0237 oder online: www.diakonie-katastrophenhilfe.de


Audiobeitrag Hochwasser an Elbe und Saale


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen