Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.06.13; Präses Annette Kurschus

"Bei mir bist du schön!"

Guten Morgen, lieber Hörer, liebe Hörerin! Worte haben Macht. Manchmal prägen sie ein ganzes Leben.

Es gibt wunderbare Worte wie: „Ich vertraue dir.“ „Du bist schön.“ „Ich liebe dich.“ „Ich bleibe bei dir.“ „Es ist nichts Schlimmes.“ „Ich vergebe dir.“

Und es gibt vernichtende Worte: „Das wirst du noch bereuen!“ „Du bist schuld.“ „Du wirst es zu nichts bringen.“ „Zu spät. Da können wir nichts mehr machen.“ „Du warst immer unser Sorgenkind.“ „Wenn man so aussieht wie du …?!“

Worte können uns ein Leben lang begleiten.Sie können mutig machen, selbstbewusst, stark und frei. Und sie können uns mickrig werden lassen, unsicher, geduckt und ängstlich. Worte schaffen sich ihre Wirklichkeit. Manchmal wollen sie das sehr bewusst; viel häufiger aber geschieht es unbewusst und ungewollt.

Jedes Wort bewirkt etwas. Ob achtlos dahin gesagt oder mit Bedacht ausgesprochen.

Was wir leicht vergessen: Schweigen, die Vermeidung von Worten, bewirkt bisweilen noch viel mehr. Manch ein Mensch wartet tagelang, jahrelang, ein ganzes Leben lang vergeblich auf das erlösende Wort. Auf ein Wort der Vergebung. Auf ein Wort der Anerkennung. Auf ein Wort der Liebe. Auf ein Wort, das ihm seine Würde zurückgibt.
Es gibt ein jiddisches Musical aus den 30er Jahren: „Bei mir bist du schön, bei mir bist du schön!“ Das mag im Schlager rührend schlicht daherkommen. Wem es je ein liebender Mensch sagte, der weiß, wie tief es ins Herz geht.

Gott sagt es am Anfang eines jeden Menschenlebens: „Bei mir bist du schön.“ Dieses göttliche Wort hat uns allen unser Leben geschenkt. Kein Mensch geht über die Erde, für den es nicht gilt. In der Taufe wird es dem Täufling buchstäblich auf den Kopf zugesprochen: „Bei mir bist du schön.“

Mag sein, du bist mit dir selbst unzufrieden. Mag sein, du hattest dir dein Leben ganz anders vorgestellt; erfolgreicher und glänzender. Vielleicht hast du dich eben noch im Spiegel angesehen und deprimiert gedacht: Wie schrecklich! Die Macht des eigenen Urteils über uns selbst kann so vernichtend sein. Von Gott her bleibt´s dabei. Sein Wort hat mehr Gewicht als alle anderen Worte: „Bei mir bist du schön.“

Durch Gottes Wort entstand die Erde. Und Gott sprach: Es werde ...! Und es ward. Durch Gottes Wort entstand das Leben. Nicht nur so allgemein. Sondern sehr persönlich: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. Da geht es auch um Sie. Und um mich.

Wer der Macht des Wortes Gottes weiter auf die Spur geht, kann wunderbare Entdeckungen machen. Manchmal erzählen Menschen davon, wie sie in schlimmen Situationen ein biblisches Wort gestärkt und getröstet hat. Wie ihnen ein Satz aus der Bibel handfeste Orientierung gab. Wie sehr sie an einer Geschichte hängen, die Jesus erzählt. Wie tief sich ein biblisches Bild eingeprägt hat.

Und auch: Wie manches Wort Gottes sie immer wieder ärgert oder stört. Ich möchte in dieser Woche einigen solcher Erfahrungen nachgehen. Haben Sie Lust, mit dabei zu sein?

Was immer Sie heute vorhaben – vergessen Sie nicht: „Bei mir bist du schön!“, sagt Gott.

Bis morgen früh! Ihre Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen

 

Audiobeitrag "Bei mir bist du schön!"


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