Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.05.13; Pfarrerin Miriam Haseleu

"Freu dich"

Manchmal freu ich mich einfach und weiß gar nicht wie ich dazu komme. Dann spüre ich das Leben und bin so froh, dass ich bin. Dass ich sein darf.

Es kribbelt im Bauch. Das Herz hüpft. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Ein kleiner Sprung, eingebaut ins Gehen – kaum merklich. Die Hände gehen nach oben, bewegen sich zum Himmel. Ich strecke mich hoch hinaus. Meine Faust formt sich – Strike.

Es gibt so viel, was mich erfreut. Ein Lächeln in der Straßenbahn. Eine zärtliche Berührung: „Du machst das schon!“ Die Mittagspause im Park in der Sonne. Ein gemaltes Bild vom Patenkind. Eine SMS vom Bruder: „Ich denk an dich.“ Im Café sitzen und auf jemanden warten: ein Augenblick geschenkte Zeit für mich. Jede und jeder freut sich auf andere Weise. Und auch über andere Dinge.

Sprecher: Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Autorin: Manchmal freu ich mich. Und manchmal da geht das nicht so einfach. Da bin ich im Trott. Tapp tapp. Tapp tapp. Sorge mich. Der Blick richtet sich nach unten.
Auch mal geradeaus. Wo ist das nächste Ziel? Weiterdenken nicht möglich. Und dann? Ein kleiner Schritt zur Seite. Trau dich mal, etwas ein bisschen anders zu machen als sonst. Tipp tapp. Tipp tapp.

Eine kleine Pause einbauen, spontan ein Konzert besuchen. Einen witzigen Film gucken. Einen Kuchen backen. Den Alltag aus dem Trott bringen. Eingefahrenes Überdenken. Diese kleinen Veränderungen setzen Freude frei. Ich fühl mich lebendig, jemand hält mich lebendig. Ich spüre: Es gibt etwas, was trägt. Ich bin nicht alleine.
Gott trägt mich.

Sprecher: Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Autorin: Gott gibt immer wieder den Hinweis: „Trau dich.“ „Schau zum Himmel, weite deinen Blick. Schau nicht immer nur nach unten. Wirf die Hände in die Luft. Jubel ruhig mal. Freu Dich! Ich bin da. Ich verlasse dich nicht. Vertraue mir.“ Kleine sichtbare Zeichen sind es, an denen Gott sich zeigt. Er verhindert keine Traurigkeit, Bedrücktheit, Angst.

Wie oft habe ich mich gefragt, wo ist Gott denn? Sichtbar ist nur, dass er unsichtbar ist. Und doch: „Schau genau hin.“ Gottes Zeichen sind oft klein und unscheinbar. Ein Regenbogen nach verregneten Tagen. Ein fröhliches „Guten Tag“ von der erkrankten Nachbarin. Ein Anruf, den ich nicht mehr erwartet habe.

Sprecher: Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Autorin: Freu dich! Denn alles was schwierig ist und Angst macht, wird nicht das letzte Wort haben. Es geht weiter. Leben entsteht immer wieder neu. Im Garten, auf dem Balkon, in uns. „Freu dich.“ Zart und leise ist diese Hoffnung und doch ermutigt sie, die Dinge, die geschehen, anders zu sehen. Meine Hoffnung muss nicht viele Worte finden, sie muss nicht fest und standhaft und überzeugend sein.

Zart und leise ist sie. Eine Ahnung von Geborgenheit im Moment. Das Kribbeln im Bauch. Das Leuchten in den Augen. Lebendigkeit. Trau dich den Moment zu ergreifen.
Etwas ein bisschen anders zu machen und zu spüren: Gott trägt dich.

Sprecher: Wenn ich nur dich habe, Gott, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Autorin: Wirf die Sorgen in den Himmel und schau nach oben, freu dich, wenigstens einen kleinen Moment! meint Ihre Pfarrerin Miriam Haseleu aus Köln.

 

Audiobeitrag "Freu dich"


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