Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.05.13; Pfarrer Eko Alberts

Die Sache mit dem Haken (Lukas 9, 60)

Liebe Hörerin, lieber Hörer, manchmal erlebt oder hört man etwas, das ist so fremd, so krass, dass man es sich einfach merkt. Man versteht es nicht und behält es doch.

Oder vielleicht ist es ja grade das: Weil man es nicht versteht, behält man es. Wieso sagt sie, sie mag keinen Zucker in Tee und Kaffee, wo sie doch sonst immer für Süßes zu haben ist? Warum sagt er, er pfeift auf Familie, wenn er doch jedes Familienfest groß feiern will? Wieso will sie nicht das tolle Angebot der großen Firma annehmen, wo sie doch so auf Karriere aus ist? Da hakt etwas. Und darum bleibt die Aussage im Gedächtnis haften.-

Den Freundinnen und Freunden des Jesus von Nazareth ist es mit ihm auch manches Mal so ergangen. Manchmal reagiert Jesus ziemlich merkwürdig. Unverständlich. Diese Erlebnisse mit ihm sind den Jüngerinnen und Jüngern im Gedächtnis geblieben. Gerade weil sie so unverständlich waren. Nach seinem Tod erzählen sie einander davon:

„Erinnerst du dich? Manchmal war unser Meister ja ziemlich direkt“.

„Was meinst du? Wie, direkt?“

„Na ja, so wie er Menschen angesprochen hat. Ohne Umschweife. Ich erinnere mich, wie er gerade einem geraten hatte, sich das gut zu überlegen, ob er mit unterwegs sein will. Und während der noch überlegt, dreht sich der Meister um und sagt zu einem anderen: Geh mit! Folge mir nach!“

„Ach, hab ich damals gar nicht mitgekriegt. Wen hatte er sich da denn ausgesucht?“

„Das ist ja das Verrückte: einen, der gerade seinen Vater verloren hatte. Keine Ahnung, was der wollte und warum der in der Nähe war. Aber das war ein seltsamer Treffer.“ „Ja und wie hat der Mann reagiert?“

„Der war sofort bei der Sache, aber klar: als ordentlicher Sohn wollte er erst einmal seinen toten Vater beerdigen“. „Versteht sich“. „Nein, nein, nichts versteht sich. Weißt du, was unser Meister darauf gesagt hat: `Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“ „Das hat er gesagt? Wirklich, das hat er gesagt?“ „Genau das. Ich hab mir´s ja gerade deshalb so genau gemerkt, weil ich es nicht verstanden habe.“ „Und jetzt, was denkst du jetzt darüber?“ „Na ja, Tote können natürlich keine Toten begraben, aber das Andere, das ist doch noch viel heftiger: `Geh hin und verkünde das Reich Gottes!` Von Null auf gleich!“

„Ja, das ist krass. Aber wenn ich überlege, genau darum geht´s doch. Es kann nichts geben, was wichtiger ist als Gottes Reich. Dass es keinen Terror und keine Gewalt mehr gibt, dass Menschen Arbeit haben und genug zum Leben. Das soll nie vergessen werden. Und das muss man für alle Zeiten festhalten!“ -

Liebe Hörerin, lieber Hörer, wie gut, dass diese krasse Aussage Jesu sich festgehakt hat. Sie erinnert uns: Was Jesu Jüngerinnen und Jünger zu tun haben, ist kein Beerdigungskult. Kein totes Ritual pflegen. Kirche ist kein Verein, der auf Gestern fixiert ist. Sie erzählt, singt und proklamiert Gottes Reich: dass Gott uns Menschen mitnehmen will auf seinem Weg zu Frieden und Versöhnung, zur Gerechtigkeit für alle. Dafür reißt der Geist Jesu Christi einen Menschen sogar aus der Trauer heraus und sagt: Komm, du hast zu tun! Kommen Sie mit, wir haben zu tun, mein Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.

 

Audiobeitrag Die Sache mit dem Haken (Lukas 9, 60)


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