Kein Feuer vom Himmel (nach Lukas 9, 52-56)
Es war eine aufregende Zeit gewesen, voller Spannung und neuer Erlebnisse. Die Tage um die Geburt des Kindes, der Moment einer überraschenden Begegnung,
die Zeit vor und nach dem Umzug. Sie kennen solche besonderen Zeiten bestimmt auch, liebe Hörerin, lieber Hörer. Und Sie wissen auch, was nach solchen prägenden Tagen oft passiert: Man muss darüber reden und erzählen. Sogar wer die Dinge allein erlebt hat, holt sie sich ins Gedächtnis und geht ihnen nach. Nur so halten wir die Erlebnisse fest und geben ihnen Bedeutung. Als wichtige Erfahrung bekommen sie einen Platz in unserer Erinnerung und bereiten uns auf neue Erfahrungen vor. -
Nicht anders erging es denen, die mit Jesus von Nazareth gelebt hatten. Was war das für eine aufregende Zeit gewesen! Und so werden die Jünger und Jüngerinnen damals nach seinem Tod in Jerusalem nicht nur gebetet haben. Das bestimmt auch und das war für sie enorm wichtig. Aber sie werden sich auch gegenseitig erzählt haben, was sie mit Jesus erlebt hatten. Weißt du noch...? Wie wären sonst die Geschichten um ihn im Gedächtnis der Menschen geblieben? Nicht nur die über seine merkwürdige Herkunft und Geburt, über die Heilungen und Zeichen oder sein Todesurteil und die Kreuzigung. Auch all die anderen Mosaiksteinchen seiner kurzen Lebensgeschichte; die kleinen Begebenheiten und Zitate.
Weißt du noch, wie es war mit dem Meister, als er noch bei uns war? Wie wir damals mit ihm aufbrachen nach Jerusalem? Da zog er schnurstracks Richtung Süden, genau durch das Gebiet der Samaritaner, sagt Matthäus.
Ja, da kannte Jesus nichts, stimmt Andreas zu. Wer machte das schon? Wer nicht zu den Samaritanern kam, um an ihren heiligen Orten zu beten, hatte schlechte Karten bei ihnen. Trotzdem: Jesus hatte keine Berührungsängste. Er wollte auf direktem Wege nach Jerusalem. Und dann ging der Weg eben durch Samaria, durch das Gebiet dieser halben Heiden.
Ja genau, aber die Quittung kam prompt, erinnert sich Matthäus, unsere Quartierbeschaffer kamen aus einem samaritanischen Dorf mit leeren Händen zurück. Denen hatte man gesagt: `Wenn euer Rabbi partout nach Jerusalem will, dann soll er mal schön einen weiten Bogen um unser Dorf machen. Hier ist keine Herberge für ihn!`
Ja, das weiß ich auch noch, fährt Andreas fort und Jakobus und Johannes wollten vor lauter Wut am liebsten den Himmel beschwören, dass ein Feuerregen das Dorf vernichtet. Aber der Meister hat sie zurecht gestaucht. Damit war er gar nicht einverstanden. Kein heiliger Krieg, kein Gottesgericht. Nein, er ging einfach mit uns in ein anderes Dorf.
Du hast recht; ist mir auch aufgefallen: keine Rache, keine Wunderkräfte für sich selbst. Sollten wir nicht vergessen. Sollten wir weitererzählen.
Liebe Hörerin, lieber Hörer, so kommt das Erzählen auch zu uns. Auf den ersten Blick ist es nur eine kleine Begebenheit. Aber im Weitererzählen prägt sie sich ein, sie bekommt einen Platz bei uns, sie sagt uns was! Kein heiliger Krieg, kein Gottesgericht, einfach in ein anderes Dorf gehen. Na, vielleicht kann diese Geschichte uns davon abhalten, zu schnell Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, wenn es um unser vermeintliches Recht und Wohl geht. Oder sie hilft uns, aufkommende Wut zu bremsen. Oder zumindest einem vorschnellen Urteil vorzubeugen.
Etwas vom Geist dieses Jesus wünsche ich uns, der nicht wütend oder beleidigt reagiert, sondern einfach kreativ gegensteuert, Ihr Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.
Kein Feuer vom Himmel (nach Lukas 9, 52-56)
|