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Fettnäpfchen (nach Lukas 9, 46-48)
Es soll ja Menschen geben, die treten gerne schnell mal in ein Fettnäpfchen, nicht nur in der politischen Öffentlichkeit, aber auch da.
Und dann gibt es solche, die warten erst mal strategisch ab. Lassen die Anderen vor in wichtigen Diskussionen und hitzigen Streitereien. Dann, wenn die Mehrheit sichtbar wird, stellen sie sich schnell an deren Spitze. Kennen Sie das vielleicht auch, liebe Hörerin, lieber Hörer? Ich kenne beides an mir, das Voreilige Nach-vorne-preschen und das Abwarten. Wobei ich sagen muss: Das mit den Fettnäpfchen betreibe ich möglichst nicht so exzessiv. Ist mir zu peinlich. Und das ist wohl bei den meisten so.
Ich stelle mir vor, dass auch die Jüngerinnen und Jüngern Jesu den Peinlichkeiten des Lebens lieber aus dem Weg gegangen wären. Gleichzeitig strebten auch sie nach Einfluss und Macht. Auch sie wollten gut dastehen.
Und trotzdem haben sie der Welt eine Erzählung überliefert, in der sie nicht so gut wegkommen. Ich stelle mir das vor, wie sie nach Jesu Tod zusammen sitzen und Erinnerungen austauschen. Was haben sie nicht alles gelernt und erlebt mit Jesus?
Einmal hatte ihr Meister etwas angedeutet, was sie noch nicht ganz verstanden. Im Nachhinein wussten sie: Er hatte von seinem Tod gesprochen. Und was machten die Jünger? Sie überlegten, wer von ihnen denn wohl der Größte ist, der Wichtigste. Jesus, ihr Meister, sieht, wie sie sich messen, vordrängen, aufplustern. Und was macht er? Bestimmt der Trainer nun einen Mannschaftskapitän und seinen Stellvertreter? Nein. Er nimmt ein Kind, das gerade vorbeikommt, an seine Seite. Alle sehen es. Dann sagt er: Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Das muss gesessen haben. Jesus stellt sich selbst mit diesem Kind auf eine Stufe - und wir träumen von Aufstieg, Karriere, großer Bedeutung?! Und es kommt noch dicker: Wer mich aufnimmt, mich also in diesem Kind, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Mit anderen Worten: An einem Kind soll man Gott erkennen. Einem Kind ohne Zertifikate, Diplome, jahrzehntelange Lebenserfahrung. Das aufnehmen, achten, heißt Gott aufnehmen, Gott achten.
Es war mehr als ein Tritt ins Fettnäpfchen, den sich die Jünger geleistet hatten. Darauf also eine Lehrstunde von der feinsten Art. Und dann kommt noch der Nachsatz. Unterm Strich wird nämlich zusammengezählt: Denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß, beendet Jesus diese Szene.
Also ich weiß nicht, ob die Jünger diese Geschichte später selber weitererzählt haben. Zu peinlich. Oder ob andere diese Lehrstunde miterlebt und weitererzählt haben. Aber auf jeden Fall ist es gut so. Denn sie ist zu wichtig für die Christen und die Kirchen. Eigentlich für alle Menschen zu allen Zeiten. Heute nicht weniger als damals: Ob wir Gott seinen Platz geben, zeigt sich daran, wo die Kleinen und Schwachen bei uns ihren Platz erhalten. Die am meisten Hilfe brauchen, gelten viel bei Gott.
Vielleicht ist es deshalb ganz gut, dass die Jünger jenes Fettnäpfchen nicht ausgelassen haben. Der Geist Jesu Christi kann auch peinliche Anstöße nutzen, meint Eko Alberts, Pfarrer aus Bonn.
Fettnäpfchen (nach Lukas 9, 46-48)
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