Tag der Familie
Heute ist der Tag der Familie, und dass er in Deutschland weit gehend unbekannt ist, überrascht eigentlich,
weil doch, mindestens in den Reden von Politikern, Kirchenvertretern und den Siegelbewahrern der abendländischen Kultur, immer so viel von der besonderen Bedeutung der Familie für unsere Gesellschaft die Rede ist.
Der Tag der Familie ist noch nicht alt. Er wurde erst heute vor zwanzig Jahren durch eine Resolution der UN-Generalversammlung geschaffen, um die öffentliche Unterstützung für Familien zu verstärken. Inhaltlich geht es um die Rolle der Familie in der Gesellschaft, gesellschaftliche Gleichberechtigung, Recht auf freie Wahl des Ehepartners, um Frauen- und Kinderrechte und um den Schutz der Familie vor staatlichen Eingriffen.
In Deutschland haben wir keinen Grund uns einzubilden, wir wären in Sachen Familien-schutz schon im Paradies angelangt. Die gesetzlichen Förderungen und vor allem das Geld, das hierzulande in Familie investiert wird, stehen in einem krassen Missverhältnis zu dem Stellenwert, den Familie in öffentlichen Verlautbarungen einnimmt. Die wirkliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist immer noch ein ferner Wunschtraum.
Die frühe Förderung von Kindern kostet mancherorts horrende Kindergartenbeiträge. Die Ausbildung der Jugend verlangt mit und ohne Studiengebühren den Eltern hohe finanzielle Opfer ab. Überhaupt ist das Gelingen von Familie in allererster Linie davon abhängig, ob man zu den finanziell besser Gestellten zählt. Und wenn sozial benachteiligten Lebensgemeinschaften tatsächlich mal so etwas wie ein Bildungs- und Teilhabepaket zu gute kommen soll, ist es ein derartiges bürokratisches Monster, dass kaum eine leistungsberechtigte Familie einen Antrag beim Amt stellt.
Auch die Kirchen haben Nachholbedarf. Hundert Euro monatlich mehr für jedes Kind in kirchlichen Tarifsystemen sind ja vielleicht schön und gut. Um familienfreundliche Arbeits-plätze in evangelischen Kindergärten und katholischen Krankenhäusern kümmert sich hinggen kaum jemand.
Stattdessen leisten wir uns öffentliche, angeblich ethische Debatten um die Frage, was denn überhaupt eine schutz- und förderungswürdige Familie ist. Als ob nicht längst neben der aus der Margarine-Werbung bekannten Rama-Frühstücksfamilie vielfältige Formen des Zusammenlebens etabliert wären, die doch nicht nur deshalb schlechter sind, weil es sie nicht schon seit Jahrhunderten gibt. Zum Glück haben wir in Deutschland ein humorloses Verfassungsg-richt, das nicht fragt, welche Familienform am besten irgendwelchen Ideologien entspricht, sondern was Recht ist: auch für Alleinerziehende. Auch für Schwule und Lesben.
Worauf kommt es denn tatsächlich an? Dass in den kleinen Formen des alltäglichen Zusam-menlebens die friedlichen und förderlichen Bedingungen geübt und erprobt werden, die wir auch im großen Ganzen der Gesellschaft brauchen, dass die jeweils nächste Generation alle Chancen bekommt, die sie benötigt, um später für sich und andere Verantwortung tragen zu können, dass Menschen Liebe und Geborgenheit erfahren, um sich entfalten und zugleich ihre Grenzen erfahren zu können das ist es, was mit allen Mitteln gefördert und geschützt werden muss.
Dass dies nun in der sogenannten traditionellen heterosexuellen Zwei-Eltern-Familie beson-ders gut gelingt, ist eine durch nichts bewiesene Behauptung. Aber dass Menschen ausrei-chend sichere Rahmenbedingungen benötigen, um Familie in welcher Form auch immer tatsächlich mit Leben erfüllen zu können das ist eine bleibende Aufgabe, an die uns ein Tag der Familie ruhig mal erinnern darf.
Tag der Familie
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