| |
Feiertage
Ich weiß noch gar nicht, wie ich durch die heute beginnende Woche kommen soll. Schier endlos liegt sie vor mir. Fünf volle Arbeitstage! Daran bin ich gar nicht mehr gewöhnt.
In der Tat: Die kommende Woche ist im Mai jedenfalls die einzige, die uns nicht mit einem zusätzlichen freien Tag beglückt. Auf den Ersten Mai, folgte vergangene Woche Christi Himmelfahrt. Nächste ist Pfingstmontag und die Woche drauf am 30.Mai das Fronleichnamsfest. So was wie eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich scheint greifbare Realität zu sein.
Drei der vier Feiertage im Mai sind christlichen Ursprungs. Das hat aber schon längst nichts mehr damit zu tun, dass unsere Zivilgesellschaft in besonderem Maße vom christlichen Glau-ben geprägt wäre, sondern damit, dass das vielleicht vor mehreren hundert Jahren mal so war. Der Sinn der Feiertage wird kaum noch mit Glaube und Kirche verbunden. Die Hauptsache ist, dass Menschen, die zufällig nicht Kellner, Krankenschwestern oder Polizisten sind, frei haben, ausschlafen und nicht arbeiten. Dass außerdem das religiöse Bedürfnis der Minderheit, die noch zur Kirche geht, besonders geschützt wird, ist nur ein Nebeneffekt.
Vor diesem Hintergrund finde ich es ganz interessant, dass sich vor kurzem der Zentralrat der Muslime in Deutschland dafür stark gemacht hat, künftig zwei islamische Feiertage einzuführen. Noch mehr frei? Keineswegs. Gesetzlich anerkannt heißt nicht arbeitsfrei, sagt der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek. Es gehe darum, dass Politik, Verwaltung und Behörden diese Tage entsprechend in den Kalender aufnehmen. Dies mache unsere Gesellschaft bunter und ist ein Spiegelbild dessen, was wir sowieso schon haben.
Das ist doch eigentlich gar nicht so falsch. Mal abgesehen davon, dass bei uns in Ballungsge-bieten mit Zuwanderung aus muslimischen Ländern inzwischen jede x-beliebige Moschee proppenvoll und der Himmelfahrtsgottesdienst gähnend leer ist, kommt es doch nicht darauf an, was früher mal war, sondern was heute ist. Konservative Politiker haben die Forderung nach islamischen Feiertagen reflexhaft mit dem Hinweis auf das christliche Abendland abge-lehnt vermutlich ohne zu wissen, dass es ohne die arabischen und jüdischen Philosophen des Mittelalters das christliche Abendland gar nicht gäbe. Sozialdemokraten und Grüne haben hingegen die Forderung begrüßt vermutlich ohne zu merken, dass sie damit einer Privilegierung des Religiösen das Wort reden, die sie doch sonst gegenüber den Kirchen am liebsten abschaffen würden.
In Wirklichkeit geht es um ganz praktische Fragen. Zum Beispiel darum, dass Muslime, die muslimische Feiertage begehen wollen, bei solchen Anlässen in den Betrieben bevorzugt einen freien Tag nehmen können. Zum Beispiel darum, dass in einer Zuwanderungsgesell-schaft Angehörigen aller Religionen klar ist, dass die einen heute Ostern und die anderen morgen Opferfest feiern, während wieder andere die Traditionen der Arbeiterklasse hochhal-ten und die nächsten wichtig finden, sich der Wiedervereinigung zu erinnern.
Für all das muss man nicht frei haben. In den Niederlanden, die auf eine jahrhundertealte protestantische Tradition zurückblicken, ist völlig unstrittig, dass Karfreitag der höchste Feiertag ist. Gearbeitet wird trotzdem. In die Kirche geht man abends. Leerer als bei uns soll sie, wie man hört, keineswegs sein.
Feiertage
|