Sucht und Sehnsucht
Im Kino lief vor kurzem ein Film, in dem es um einen alkoholsüchtigen Flugkapitän geht. Er versucht trocken zu werden und es gelingt ihm auch.
Bis zur letzten Nacht vor seinem Prozess, bei dem es um seine Schuld und Trinksucht gehen wird. Leider ist die Minibar im nächsten Hotelzimmer gut gefüllt. Eine Nacht voller Exzesse beginnt. Ein Tabuthema: Alkohol - und das auch noch bei einem angesehenen Kapitän - im Personenbeförderungsverkehr!
Ich habe kein Problem mit Alkohol nur ohne! und: Man kann auch ohne Spaß Alkohol haben! Darüber haben wir im Studium gelacht, wenn wir uns bei Bier und Wein zugeprostet haben.
Alkoholkonsum und Alkoholsucht werden unterschiedlich bewertet. Trinken wir zu viel?, fragte vor kurzem das Neon-Magazin als Titelthema. Über Alkoholprobleme zu lesen oder darüber zu hören, ist eine Sache. Selbst betroffen zu sein oder die Zerstörung bei anderen durch Alkohol mitzuerleben, eine ganz andere. In den letzten Jahren erzählen mir immer mehr Menschen, welche Probleme sie mit Alkohol hatten oder haben. Teilweise aus dem engsten Freundes- und Bekanntenkreis. Mein Onkel ist sogar an den Folgen von zu viel Alkohol gestorben.
Alkohol ist die Droge Nr. 1 in unserer Gesellschaft. Und das nicht erst, seitdem Kinder und Teenager sich ins Koma saufen. Was läuft hier falsch? Warum trinken Menschen zu viel und haben Probleme mit Alkohol? Die Antwort ist einfach: Weil Menschen Probleme haben, die sie meinen nicht anders lösen zu können. Man kommt gestresst nach Hause, fühlt sich unglücklich, leer. Man ist einsam. Wie gut tut ein Schluck aus der Flasche. Auf einer Party werden Mauerblümchen zu Kontaktmagneten, statt verklemmt nun ungehemmt. Aber wer es übertreibt, vertreibt nicht seine Probleme, sondern bekommt ein riesiges dazu: Körperliche und seelische Alkoholabhängigkeit.
Ich glaube: Hinter einer Sucht steckt auch immer eine Sehnsucht. Sehnsucht nach glücklichem Leben. Und wer hat die nicht? Ich glaube, meine Sehnsucht nach glücklichem, erfülltem Leben kann nur Gott stillen. So ist Lebensdurst nicht der Durst nach Alkohol, sondern mein Durst nach Gott! Meine Erfahrung ist, wenn ich die Erfüllung meiner Sehnsüchte nicht bei Gott suche, dann fülle ich diesen Mangel an Glück, Anerkennung und Liebe mit 1000 anderen Dingen auf. Meistens sind das Sachen, die mich noch leerer und noch durstiger machen als ich vorher schon war.
Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Denn das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle: Ihr Wasser fließt und fließt bis ins ewige Leben. (Johannes 4,14)
Das verspricht Jesus. Es ist für ihn keine Frage, ob wir durstig sein dürfen, ob wir Sehnsüchte haben. Natürlich haben wir sie! Die Frage ist, womit wir unseren Durst und Hunger nach Leben stillen.
Als die Ehe meines Freundes scheiterte, griff er zum Trost zur Flasche. Nach einiger Zeit konnte er nicht mehr. Er ist Pastor. Er hat sich mutig vor seine Gemeinde gestellt und erklärt, dass er eine Entziehungskur macht.
Ich war sehr überrascht, als die Leute klatschten und ich viel Ermutigung nach meinem Geständnis bekam., erzählte er mir.
Den eigenen Durst und Hunger zu offenbaren, braucht Mut. Erst Recht, wenn aus der Sehnsucht eine Sucht geworden ist. Man braucht sich dafür nicht zu schämen. Vielen anderen geht es genauso. Es gibt niemanden ohne Sehnsüchte und Probleme. Und darum schafft es niemand im Leben ganz ohne andere Menschen. Vor allem eine mögliche Therapie braucht Kraft und einen starken Willen zur Veränderung und die Unterstützung durch das Umfeld. Wie bei meinem Freund, dem Pastor. Er ist jetzt trocken. Gott sei Dank.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute mutig Schritte in eine neue Freiheit wagen und darauf vertrauen, dass Gott ihren Durst nach Leben und Glück stillen wird.
Ihr Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund.
Sucht und Sehnsucht
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