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Soviel du brauchst
We serve with pride wir dienen mit Stolz. So stand es in großen Buchstaben auf einem Eisenbahnwaggon in den USA. Das klingt großartig. So engagiert.
Das hört sich nicht nach Ich mache nur meinen Job! an, sondern nach: Ich tue meine Arbeit gerne. Ich ermögliche anderen gerne Gutes mit meiner Kraft.
Zugegeben: Etwas nordamerikanische Mentalität schwingt auch in diesem Satz mit und natürlich ist er auch eine Werbung für die Eisenbahngesellschaft. Es klingt auch etwas übertrieben. Kann das überhaupt jemand so ehrlich sagen? Einer meiner Freunde ist Lokführer und könnte diesen Satz ohne zu zögern unterschreiben. Wenn er von seinem Beruf spricht, schwärmt er von den Zügen und Strecken, die er fahren darf. Für ihn gibt es wirklich nichts Aufregenderes und Schöneres. Auch nach Jahren des Dienstes nicht. Trotz der hohen Verantwortung und vorhandener Risiken.
Dass ein Eisenbahnliebhaber so über seinen Beruf spricht, wundert mich nicht. Er kann da viel von dem tun, was ihm große Freude macht. Mir gefällt das Motto vielleicht deshalb so gut, weil es in mir eine Sehnsucht anspricht. We serve with pride wir dienen mit Stolz auch in Deutschland?, frag ich mich.
Denn irgendwas läuft ja bei uns schief. Immer mehr Menschen müssen für weniger Geld immer mehr arbeiten. Armut und Angst vor Arbeitslosigkeit steigen. Immer mehr erleben ihren Beruf als belastend und sind überfordert. Wie gut wäre es, wenn wieder anders über die tägliche Arbeit gesprochen werden könnte: dass der eigene Beruf zufrieden macht, Sinn ergibt, die erbrachte Leistung wohlwollend geschätzt und entlohnt wird.
Wie gut wäre es, wenn Arbeit nicht nur notwendiges Übel ist, um Brötchen zu verdienen. Sondern, dass ich eine gute Arbeitsstelle habe, bei der ich das einbringen kann, was ich gut kann. Und am Ende sehe: Meine Arbeitsschritte, meine Aufgaben machen Sinn für das Ganze. Am Ende bleiben auch noch Zeit und Kraft für mein Ehrenamt im Sportverein, in der Gemeinde und Zeit für Familie und Freunde. Vielleicht würde uns das zufriedener und stolzer machen auf das, was wir leisten. Was wir gemeinsam leisten - mit Unterstützung durch andere.
Wir haben uns zu einer Individualgesellschaft entwickelt, in der der Einzelne immer mehr für sich alleine ums Überleben kämpfen muss. Dabei bleibt etwas auf der Strecke: Der Sinn dafür, dass wir in einer Gemeinschaft leben. Und dass wir nicht nur für uns alleine denken und organisieren. Dass wir einander wirklich brauchen. Menschen wollen mehr sein, als nur bezahlte Dienstleister! Soviel Du brauchst!, das ist das Thema des Kirchentags, der heute am Tag der Arbeit in Hamburg beginnt. So viel Du brauchst das meint doch auch: Keine Arbeitslosigkeit mehr, sondern genügend Arbeitsplätze. Genügend Arbeit mit genügend Lohn, von dem man wirklich leben kann. Im besten Fall dort, wo ich mit meinen Fähigkeiten gut eingesetzt bin ob als Lagerist oder Ärztin, als Erzieherin oder Kaufmann. Arbeit, die genügend geschätzt und gelobt wird. So viel wir eben brauchen. Dann werden auch weniger krank. Dann gibt es weniger Burnout. Denn Ausfälle durch Krankheit, Überforderung und Stress kosten uns viel mehr. Daran geht die Gemeinschaft und auf Dauer eine Gesellschaft letztendlich kaputt. Wie gut täte uns wieder eine Dienst- und Leistungsgesellschaft, die den Namen christlich wirklich verdient. In der nicht das Geld oder Wohl des Reicheren oder das Recht des Stärkeren gilt, sondern wir wieder mehr gemeinsam miteinander und füreinander arbeiten und nicht jeder für sich gegen den anderen. Gemeinsam könnten wir das schaffen und vieles besser machen, meine ich. Damit viel mehr sagen können, dass sie eine gute Arbeit haben, die sie wirklich gerne tun: We serve with pride wir dienen mit Stolz. Auch in Deutschland. Es grüßt Sie am 1. Mai Ihr Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund.
Soviel du brauchst
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