Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.04.13; Pastor Sebastian Begaße

Woher bekomme ich Anerkennung?

Kennen Sie König Saul? Er war ein erfolgreicher König. Saul, so heißt es in der Bibel, wurde sogar von Gott eingesetzt und beauftragt.

Mehr Bestätigung zu diesem Amt geht nicht. Man sollte meinen, er hätte ein Selbstbewusstsein so groß wie seine Macht gehabt, man sollte meinen, er wäre nicht leicht zu verunsichern gewesen. Aber Saul wird eifersüchtig auf den kleinen David, der den Riesen Goliath und weitere Feinde des Volkes erfolgreich schlägt. Als David immer beliebter wird beim Volk, packt König Saul der Zorn. Er schleudert einen Speer nach dem vermeintlichen Konkurrenten, will ihn töten. David muss vor Saul fliehen.
König Saul – ein Mann an höchster Position, mit Macht und Einfluss. Aber innerlich ein Mann - von Minderwertigkeitskomplexen und Selbstzweifeln zerfressen.

Auch reiche, begabte, mächtige Menschen lechzen nach Anerkennung. Wir brauchen alle Anerkennung. Aber wenn nur das zählt, was andere über mich denken, dann mache ich meine Identität von ihnen abhängig, und so kann das wie bei Saul schlimme Folgen haben.

Wessen Anerkennung ist mir denn wichtig? Und warum? Und wofür brauche ich die Anerkennung anderer? Ich denke, Menschenfurcht – also die Angst vor Liebesentzug durch Menschen - hat viel damit zu tun. Denn von einigen Menschen bedeutet mir das Lob besonders viel, von anderen nicht. Von einigen wiegt die Kritik schwerer als von anderen. Im schlimmsten Fall fühle ich mich erst dann wichtig, attraktiv und liebenswert, wenn ich genügend Anerkennung von geliebten und bewunderten Menschen bekomme. Und wenn ich das nicht bekomme, dann geht es mir schlecht.

Die vielen Castingshows mit ihren oft sehr harten Jurys vor einem großen Publikum zeigen es zu prominenter Zeit: Einmal, wenn auch nur kurz, die Aufmerksamkeit von allen haben, wichtig sein, beliebt sein – das ist der Ersatz für mangelnde Selbstliebe. Ein Wettstreit um die Superlativen – wer singt am schönsten, wer sieht am besten aus.

Selbst die Jünger Jesu wetteiferten schon, wer denn der Größte und Frömmste unter ihnen wäre. Jesus beendet den Streit der Jünger und sagt Ihnen:

„Die Herrscher halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so soll es nicht unter euch sein! Wer unter euch groß sein will, der soll den anderen dienen. Denn auch ich bin nicht gekommen, damit ihr mir dient, sondern damit ich für Euch da bin.“

Jesus will, dass Christen sich ihn zum Vorbild nehmen. Und dabei fällt auf: Jesus braucht die Anerkennung der Massen offensichtlich nicht. Er braucht sich nicht selbst zu behaupten – das macht ihn frei sich ganz den anderen Menschen zuwenden zu können. Das ist wahre Größe. Woher kommt sie?
Als Jesus von Johannes getauft wird, hören die Menschen Gottes Stimme: „Das ist mein lieber Sohn!“ Gott bekennt sich zu seinem Sohn. Und sagt ihm diese Liebeserklärung.
Auch für uns ist es wichtig, es immer wieder zu hören: „Du bist Gottes geliebtes Kind!“ Es muss uns jemand sagen. Ich glaube, wir tun uns schwer damit, das von Gott für uns so zu hören. Der Gedanke steckt tief, dass wir erst viel Applaus oder Macht haben müssen, ehe wir überhaupt etwas sind. Das schreien uns jede Werbung, jede Castingshow, jedes Bewerbungsgespräch laut entgegen. Da hören wir Gottes Stimme hinter uns nur leise. Dabei sieht Gott uns so anders: „Ich möchte nicht zuerst wissen, was Du tust, sondern wer Du bist. Ich möchte nicht zuerst Deine Leistung, sondern ich möchte Deine Persönlichkeit entfalten. Damit das, was ich in Dich an Gutem hineingelegt habe, immer mehr wächst und sichtbar wird. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; ich aber sehe das Herz an.“

Mehr Bestätigung geht nicht. Damit im Rücken können wir heute gelassener durchstarten meint Ihr Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund.

 

Audiobeitrag Woher bekomme ich Anerkennung?


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