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Teilen und Tauschen
Was ist das? Guck mal, sieht doch toll aus, oder? Ellen staunt jedes Mal, wenn sie ein neues Kleidungsstück aus der riesigen Tasche zieht.
Eine Bluse, ein Kleid, sogar eine schicke Lederjacke ist diesmal dabei. Zweimal im Jahr kommt sie aus dem Staunen nicht raus. Dann tauscht sie mit zwei Freundinnen gebrauchte Klamotten. Sie haben ähnliche Größen, einen ähnlichen Geschmack, und so gehen sie vor: Alles, was nicht mehr gefällt, aber noch gut in Schuss ist, kommt in die große Tasche. Und die wandert dann von einer zur andern. Erst was am Ende übrig bleibt, kommt in die Altkleidersammlung. Was die drei Frauen im Kleinen für sich tun, ist in manchen Städten ein eigener Trend geworden. Überall entstehen sogenannte Swap-Parties von to swap tauschen. Neulich hieß es im Kölner E-Werk: bye-bye shopping hello swapping, also Tschüß Einkauf Hallo Tausch!. Das Prinzip ist auch hier ganz einfach. Man sucht zusammen, was nicht mehr passt oder nicht mehr gefällt und bringt die Sachen mit. Vor Ort werden sie begutachtet und kurz aufbereitet und zwei Stunden später liegen sie wie neu auf den Warentischen. Wer mitmacht, bekommt am Eingang Phantasie?münzen im Gegenwert zur mitgebrachten Kleidung. Und dann gehts los: Stöbern, aussuchen, mitnehmen. Gebraucht, aber schick und gut.
Kooperativen Konsum nennt das die US-Forscherin Rachel Botsman. In ihrem Buch Whats mine is yours, was meins ist, ist deins, beschreibt sie eine Renaissance des Teilens und Tauschens. Die Swapping-Bewegung sei in den USA als Reaktion auf die Finanzkrise entstanden, um Konsumenten eine Plattform zu bieten, mit der sie die eigene Kauflust drosseln können und doch nicht auf Neues verzichten müssen.
Die Lust, etwas für sich zu haben, scheint etwas typisch Menschliches zu sein. Dass auch Teilen toll ist, die Erfahrung muss man erst mal machen. Die Bibel erzählt von der Speisung der 5000. Da ist Jesus mit seinen Anhängern den ganzen Tag unterwegs, viele Menschen sind ihm gefolgt. Es wird Abend. Ängstlich schauen die Freunde Jesu in die Menschenmenge. Er sollte die Leute doch wegschicken. Es gäbe nicht genug zu essen für alle. Einer rechnet: Selbst 200 Silbergroschen reichten nicht, um für so viele einzukaufen. Einer lässt nachsehen: Was haben wir noch? Fünf Brote und zwei Fische. Nur Jesus traut sich, zu teilen. Er bittet alle, sich in Gruppen zu lagern und das zu teilen, was da ist. Wie die Geschichte dann weitergeht, ist nicht erzählt. Nur das Ergebnis: Am Ende wurden alle satt, und es war sogar noch viel übrig. Ich stelle mir vor, dass auch alle andern etwas dabei hatten. Nur dass sie jetzt angestoßen wurden, zu teilen. Wie ein großes Fest, bei dem jeder etwas zu essen mitbringt. Da ist am Ende auch immer viel übrig. Und das Teilen macht richtig Spaß.
Morgen geht der Evangelische Kirchentag in Hamburg zu Ende. Sein Motto war: Soviel du brauchst. Danach fragt der Kirchentag: Was brauchen wir wirklich zum Leben? Und: Wie können wir leben, damit alle bekommen, was sie brauchen? Teilen und Tauschen ist jedenfalls eine gute Idee. Und eine biblische dazu.
Teilen und Tauschen
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