Schlaflos in Ronsdorf - Gefangene spielen Macbeth von Shakespeare
O-Ton: O-Ton: Halt ihn im Blick, halt ihn im Blick und halt deine Spannung, bis er sagt: Wo ist der Hausherr Das gilt für alle. Das Stichwort ist: Wo ist der Hausherr?
Autorin: Wuppertal Ronsdorf der neue Jungendknast in NRW mit 500 Gefangenen zwischen 14 und 21 Jahren. Im Knast eine Kirche - hier spielen Inhaftierte Theater. Das Projekt eine Kooperation der ev. Gefängnisseelsorge mit den Wuppertaler Bühnen und der JVA. Gespielt wird ausgerechnet Macbeth von Shakespeare dieses blutreiche Stück, in dem aus dem einst braven General Macbeth ein mehrfacher Mörder wird. Sechs Wochen haben die Gefangenen geprobt. Und das täglich.
O-Ton: Das ist schwer, Texte zu lernen nachts, nicht Fernsehen zu gucken und in der Zelle lesen und auswendig lernen. Das ist schwer, aber wo ein Wille ist da ist auch ein Weg. Das klappt.
Autorin: Erzählt Resan aus dem Irak, 21 Jahre. Gelernt hat er nachts sowie die anderen. Denn tagsüber gehen sie arbeiten oder zur Schule. Natürlich im Gefängnis. Jeden Abend dann dreistündige Proben.
O-Ton: Mein Liebstes, Duncan kommt heute Nacht
wann geht er wieder? Morgen, so hat er es vor.
Nie soll die Sonne aufgehen über diesem Morgen
Autorin: Die Theatertruppe ein bunter Haufen: Schläger, Betrüger, Junkies. Sie alle wollten was Neues - eine neue Rolle. Auf der Bühne und im Leben.
O-Ton: Ich wollte mal was zu Ende bringen. Schule habe ich nicht zu Ende gemacht, Ausbildung habe ich abgebrochen. Ich habe nicht viel erreicht in meinem Leben, aber jetzt versuche ich positiv nach vorne zu schauen. Bis jetzt sieht gut aus.
Autorin: Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Projekt hatte der evangelische Seelsorger Pfarrer Jönk Schnitzius. Natürlich gab es viele Bedenken. Von Kollegen, aber auch von den Inhaftierten. Das weiß auch Tim. Der Mann mit den 20 Zöpfen, dessen Eltern einst aus dem Kongo kamen:
O-Ton: Ich wusste, dass ich gut Theater spielen kann, aber das mit den Knackis hier, ich bin ja selber ein Inhaftierter, das mit den Leuten, dass sie sich unter Kontrolle haben, dass sie nicht nur ausflippen, oder Mist bauen, das war mal eine neue Erfahrung gewesen.
O-Ton: Und ich brauch Ruhe dahinten, ich brauch Ruhe dahinten, Ruhe, gut und los
O-Ton: Mir persönlich gefällt am besten der König, ist ja auch so ein Symbol. Wollen wir ja alle sein irgendwie, der König, der die Macht hat.
O-Ton: Halt ihn im Blick, halt ihn im Blick und halt deine Spannung, bis er sagt: Wo ist der Hausherr Das gilt für alle. Das Stichwort ist: Wo ist der Hausherr?
O-Ton: Soll es doch schnell passieren und keine Folgen haben. Wer Unterricht im Blut erteilt, der vom Blut belehrt wird
Autorin: Bei Gott gilt: Veränderung, Umkehr ist möglich, den Du bist Gottes geliebter Mensch. Vor Gott gilt nicht: Einmal kriminell, immer kriminell. Einmal gewalttätig, immer gewalttätig. Einmal süchtig, immer süchtig.
Neue Wege zu gehen ist aber schwer. Da braucht man mindestens einen, der an einen glaubt. Der weiß, man ist mehr als die Tat.
O-Ton: Für mich persönlich liebt Gott jeden Menschen und ist egal, was er gemacht hat: barmherzig. Gott der Barmherzige. Also, bei Gott ist auch ein Neuanfang möglich. Steckt ja in dem Wort barmherzig.
Autorin: Nach (den erfolgreichen Aufführungen am Wochenende im Gefängnis mit über 250 Besuchern von draußen - geht es für Resan bald weiter. Das nächste Stück spielt er draußen. Im wirklichen Leben.
O-Ton: Ich möchte gerne eine Ausbildung machen als Fachlagerist. Das ist so ein Traum von mir. Weil draußen hab ich das auch gemacht. Hab mein Staplerschein gemacht. Und das liegt mir, Sachen zu lagern.
Schlaflos in Ronsdorf - Gefangene spielen Macbeth von Shakespeare
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