Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.04.13; Pfarrerin Annette Krüger

Zeitmanagement

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Erinnern Sie sich noch an den Messerschmidt Kabinenroller? Vor 60 Jahren war er die Sensation im Frankfurter Autosalon.

Der erste Kleinstwagen im Wirtschaftswunderland Deutschland. Ein echter Hingucker. Zwei Räder vorne, eins hinten, 9 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 65 Kilometern in der Stunde. Damit musste man schon längere Fahrtzeiten einplanen, wenn man von A nach B wollte. Für die Urlaubsreise nach Italien beispielsweise brauchte man ganze fünf Tage. Kaum vorstellbar für uns in einer Zeit von schneller, höher, weiter. Heute schafft man Rom in einem Tag, morgens hin, abends zurück mit dem Flieger. Lange Anfahrten können wir uns kaum noch leisten. Alles muss schnell gehen. Von null auf hundert in ein paar Sekunden! Das gilt nicht nur für Autos, auch für uns ganz persönlich und unsere Leistung in Beruf, Schule, Freizeit, Familie. Wir spüren, dass alles an Intensität zugenommen hat, Arbeit verdichtet sich und Wartezeit hat sich emotional verändert. Wenn man früher einen Brief schrieb, brauchte er zwei Tage bis er ankam. Der Empfänger schrieb vielleicht am übernächsten Tag zurück. Die Post brauchte wiederum zwei Tage, das heißt auf Antwort mussten wir fast eine Woche warten. Wenn wir heute eine Email schreiben, erwarten wir, dass sie innerhalb eines halben Tages beantwortet wird. Oft schicken wir eine Mail ab und rufen dann sofort auch noch an: „Du, ich habe Dir gerade eine Email geschickt.“

Wir haben keine Zeit. Ein Termin jagt den nächsten. Uns sitzt die Zeit im Nacken und manchmal bleibt uns kaum Zeit zum Atemholen. Viele Menschen machen Kurse im Zeitmanagement. Sie lernen wie man systematisch und diszipliniert die eigene Zeit plant, damit alle Aufgaben erledigt werden können. Am Ende, so hoffen alle, hat man dann mehr Zeit für sich selbst übrig. Stellen Sie sich einmal folgende Szene vor. Jesus hat den ganzen Tag gepredigt und geheilt.

Sprecher: Als es Abend wurde, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: "Herr, die Zeit ist vorgerückt, es ist spät. Entlasse die Menge. Sie haben keine Zeit und wir auch nicht." Da wandte sich Jesus an seine Jünger: "Weshalb sollen sie weggehen? Gebt ihnen doch Zeit, gebt ihnen von eurer Zeit!" Da sagten sie zu ihm: "Wir haben ja selbst keine, und was wir haben, dieses wenige, wie soll das reichen, um uns um alle und am Ende noch um jeden einzelnen zu kümmern?"
Doch fand es sich, dass einer von ihnen noch fünf Termine frei hatte, dazu zwei Viertelstunden. Und Jesus lächelte und sagte: "Gut, das ist doch schon etwas. Stellen wir’s den Leuten zur Verfügung!" Und er ließ die Volksscharen erneut Platz nehmen. Er nahm die fünf Termine, die sie hatten, und dazu die beiden Viertelstunden. Er blickte auf zum Himmel und sprach ein Segensgebet. Dann teilte er das Vorhandene auf und ließ austeilen die kostbare Zeit, die sie hatten, durch seine Jünger an die vielen Leute. Und siehe da: Es reichte nun das wenige für alle. Keiner ging leer aus. Ja, sie füllten am Ende noch zwölf Tage mit dem, was übrig war an Zeit. Und dabei waren es an die 5000 Männer, die Frauen und Kinder gar nicht gerechnet. Es wird berichtet, dass die Jünger staunten.

Autorin: Zeit ist ein Geschenk! Und zusammen verbracht oder geteilt vermehrt sie sich. Ich glaube, das müssen wir wieder lernen: Sich Zeit nehmen und Zeit schenken. Und ab und an, statt direkt von Null auf Hundert, mal eine längere Anlaufzeit riskieren. Vielleicht erleben wir dann auch ein Wunder!

Eine gute Zeit heute wünscht Ihnen Pfarrerin Annette Krüger aus Witten.

Geschichte aus: Lothar Zenetti, Die wundersame Brotvermehrung. Variationen zum Evangelium, Verlag J. Pfeiffer, München 3. Aufl. 1987, S. 122, 26 Zeilen.

 

Audiobeitrag Zeitmanagement


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