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Berührung heilt (Markus 7, 31-35)
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Wer kommt in meine Arme? Dieses Spiel haben wir früher ganz oft mit unseren Kindern gespielt.
Sie kamen dann angesaust, warfen sich uns entgegen und wir haben einander ganz fest umarmt und gelacht. Ein schönes Spiel und die Berührung tat beiden gut, den Eltern und den Kindern. Sie signalisierte: Bei mir bist du geborgen, wir sind uns nahe, ich halte dich fest. Berührung ist die erste Sprache, die wir lernen, lange bevor wir ein Wort sagen können. Für Babys ist Körperkontakt genauso wichtig wie Essen und Trinken. Mamas Hände geben Wärme und Halt. Berührung sagt mehr als tausend Worte, denn darin spiegelt sich eine große Bandbreite an Emotionen und Signalen. Sie werden über die vielen Millionen Nervenzellen unserer Haut weiter gegeben. Ob ein Handschlag, der eine stille Übereinkunft ist oder vielleicht sagt Haben wir gut hingekriegt!, das sanfte Streicheln der Wange, das Zärtlichkeit signalisiert, das einander fest An-den-Händen-halten, das stark macht und Angst nehmen kann, das Schulterklopfen, das mir sagt: Gut gemacht! Weiter so!. Manchmal, wenn wir traurig sind, tut es unendlich gut, wenn die Freundin uns einfach wortlos in die Arme nimmt und so manche liebevolle Berührung wärmt unsere Seele. Manchmal können sogar unsere Sorgen mit einer Hand weg gestrichen werden.
Ich weiß, diese besondere Form der Kommunikation ist sehr sensibel und nicht ganz unproblematisch. Menschen lassen Berührungen unterschiedlich stark zu. Das muss man uneingeschränkt akzeptieren und da braucht man Fingerspitzengefühl. Aber dennoch - die Sehnsucht nach Berührung und Nähe ist groß. Wer niemals Nähe gespürt hat, stumpft ab. Macht vielleicht sogar dicht, schottet sich ab, verkriecht sich in sein eigenes Schneckenhaus. Ich will nichts mehr hören, sagen sie dann, vielleicht werden sie sogar sprachlos und verstummen.
So wie der Mann, der schon lange taub und stumm war. Er lebte in seiner ganz eigenen Welt. Seine Ohren waren zu, von Kindheit an. Er konnte nichts hören und deshalb auch nicht sprechen. Nichts drang zu ihm durch und Berührungen kannte er auch nicht. Der Kontakt zu anderen war sehr eingeschränkt. Manche bemühten sich zwar, die meisten in seiner Umgebung gingen aber lieber auf Distanz. Sie verstanden ihn einfach nicht. Eines Tages kamen einige seiner Nachbarn, redeten auf ihn ein, lockten, ja zerrten ihn fast aus seinem Haus und brachten ihn zum Platz vor der Synagoge. Er fand das sehr unangenehm. Was wollten sie von ihm? Und dann stand da ein Mann, von dem er erst später erfuhr, dass es Jesus war. Der sah ihn an, streckte seine Hand nach ihm aus, legte sie ihm auf die Schultern und führte ihn einige Schritte von der Menschenmenge weg. Der sanfte Druck seiner Hände tat gut. Und dann sah Jesus ihn an, legte seine Finger fest in seine Ohren. Danach strich er mit seinen Fingern über die Zunge des Mannes und sagte: Öffne dich! Es war wie ein Wunder: Tatsächlich: Seine Ohren öffneten sich! Plötzlich war ein neuer Klang in ihnen, nicht mehr nur Stille und die eigenen Gedanken. Und seine Zunge war gelöst, nicht mehr sprachlos und stumm. Worte kamen aus seinem Mund und Töne. Jesu Berührung hatte ihn heil gemacht.
Nun mag man darüber spekulieren, wie wahrscheinlich oder realistisch so etwas ist und ob diese Heilung so passiert ist. Für mich ist diese Frage gar nicht so wichtig, sondern das, was ich dahinter und dadurch erfahre. Das ist das Wunder! Jesus legte alle Berührungsängste ab! Denn: Worte reichten hier nicht aus, um die Wunden der Seele zu heilen. Die tiefgreifende Erfahrung der Nähe war es, die den Mann wieder zugänglich und sprachfähig machte. Eine wunderbare Erfahrung.
Dass wir alle immer wieder solche Wunder erleben, wünscht sich Pfarrerin Annette Krüger aus Witten.
Berührung heilt (Markus 7, 31-35)
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