Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.04.13; Pfarrer Joachim Gerhardt

Vogelstimmen

Autor: Warum singen Vögel? Als Lockruf zur Paarung und um ihr Revier zu markieren Das hat mich die Biologie jahrezehntelang überzeugend gelehrt.

Nun haben Forscher herausgefunden, dass das so nicht stimmt.

O-Ton: Eine Amsel lernt in jedem Frühjahr mindestens 23 neue Motive neu. Das ist aber gar nicht nötig,. Das würde ja reichen, wenn sie ihre alten Motive nur weiter verteidigen würde. Und diese Lernbereitschaft schon allein ist eigentlich bereits ein Zeichen dafür, dass die Vögel aus reiner Freude am Jubilieren auch singen.

Autor: sagt die Vogelexpertin und Flötistin Susanne Schietzel-Mittelstraß aus Bonn. Vögel singen einfach so. Nur so zur Freude, weil sie es eben können. Die Buchfinken und die Gartengrasmücken übrigens besonders gern. Das Leben ist eben nicht nur zweckmäßig darauf ausgerichtet, Nachkommen zu sichern und mögliche Feinde abzuwehren.

O-Ton: Aber es gibt eben auch neuerdings diesen Begriff des „angleichenden Vogelgesangs“, wo man eben festgestellt hat, auch seismographisch, dass Vögel voneinander eben sehr viel lernen. Zum Beispiel eine Grasmücke, die sehr schnell singt, man diesen Gesang seismographisch aufnimmt, dann bemerkt man lauter Motive von den Nachbarvögeln, die sie da einbaut.

Autor: Die Forschereinsicht entspricht so gar nicht dem Geist unserer Zeit. Wo bleibt die Effizienz? Was ist der Nutzwert fragen Unternehmensberater, Wo bleibt der Sinn, Evolutionsexperten. Die Entwicklung unseres Lebens begründet sich doch vor allem im ewigen Kampf der Kreaturen ums Überleben. Zeige Stärke, nie Schwäche! Nur so pflanzt sich Leben fort!

O-Ton: Die Vögel zeigen nicht Stärke noch Schwäche. Sie singen einfach munter vor sich hin und das viele Stunden über den Tag, hoch und tief, laut und leise. Vögel singen zum Lob der Welt, fröhlich und frei von Macht- und Geltungsdrang. Für Gottes Lohn, könnte man sagen. „Sorget euch nicht! Seht die Vögel im Himmel“, lehrte Jesus in der Bergpredigt, „sie säen nicht, sie ernten nicht und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“

O-Ton: Also, mich begeistert an den Vögeln dieser Ausdruck des Vertrauens. Manchmal sieht man ja auch Amseln , wie sie ziemlich tief über der Erdoberfläche fliegen, zwischen den Häusern und Autos durch. Und dieses Wort im Neues Testament `Sorget nicht´ kann man wirklich an den Vögeln ablesen. Dass sie sich ganz ihrer Umgebung hingeben und ihres eigenen Lebens erfreuen und dieser Freude auch Ausdruck geben, ohne Angst.

Autor: Vielleicht haben die Vögel vielmehr als wir Menschen verstanden, was eine stimmige Antwort ist auf Gottes Schöpfung. Jubilieren statt kämpfen. Singen statt streiten. Einfach leben. Ich wünsche mir noch viele weitere Lebensbereiche, in denen ich das entdecken kann.

 

Audiobeitrag Vogelstimmen


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