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Glaube, Hoffnung, Liebe - Trauung trotz Kirchenaustritt
Die Wohnung ist vollständig eingerichtet. Das wirkt nicht improvisiert, sondern ziemlich perfekt durchgestylt. Das Auto vor dem Haus hatte auch seinen Preis.
Die jungen Leute haben sich in ihrem Leben gut eingerichtet. Nun soll geheiratet werden. Und auch das wird gründlich geplant. Die Hochzeitsfeier wird liebevoll inszeniert nichts dem Zufall überlassen. Hochzeitsmessen, Hochzeitsplaner und -berater unterstützen gegen Bezahlung. Der schönste Tag im Leben soll nicht abfallen gegenüber dem, was Freundinnen und Freunde, Geschwister oder Bekannte geboten haben. Für viele gehört auch eine kirchliche Trauung zu einem Hochzeitsfest. Hochzeit in Weiß in einer ausgesuchten Location ist weiter gefragt. Kirchen sind nach Meinung vieler Brautpaare besonders geeignete Orte. Und eine kirchliche Trauung hat eben etwas sehr feierliches.
Auch wenn es bei meiner eigenen Trauung Anfang der 80er-Jahre anders zuging, für die Wünsche und Erwartungen der Brautpaare habe ich Verständnis. Nur manchmal kommt es mir vor, als wäre ich als Pastor bei einer Hochzeit vor allen Dingen als Zeremonienmeister gefragt. Meine Rolle schwankt zwischen Regisseur und wichtiger Nebenrolle. Schön soll ich es machen. Am Ende wird es hoffentlich dann doch nicht nur eine sehr schöne und feierliche Trauzeremonie, sondern auch ein ansprechender und hilfreicher Gottesdienst.
Bei einer Trauung spreche ich als Pfarrer das Brautpaar persönlich und namentlich an. Wir singen gemeinsam. Wir beten für das gemeinsame Leben des Brautpaares: Gott möge euch in guten und schweren Zeiten begleiten. Eure Liebe zueinander möge lebendig bleiben. Und möget ihr die Kraft finden, immer wieder neu zu einander Ja zu sagen. Dann spreche ich dem Brautpaar den Segen Gottes, seine Nähe und hilfreiche Begleitung zu. Das ist natürlich keine Garantie für die Haltbarkeit einer Beziehung. Aber es ist doch das feste Versprechen: Gott geht mit euch durch euer Leben. Und wir erinnern uns bei einer Trauung gemeinsam daran, dass wir alle in unserem Leben aus Quellen schöpfen, die wir nicht selbst gefüllt haben. Und wir lassen uns sagen: Wir leben nicht nur von dem, was man kaufen kann. Wir vergewissern uns, dass im Leben wirklich zählt, was nicht bezahlbar ist.
Manchmal wird eine kirchliche Trauung sogar von einem Partner gewünscht, der selbst aus der Kirche ausgetreten ist. Ich tue mich damit etwas schwer, stelle aber fest: Der Bräutigam oder die Braut selbst sehen keinen Widerspruch zwischen ihrem Kirchenaustritt und dem Wunsch nach einer kirchlichen Trauung. Sie sagen zwar mit dem Kirchenaustritt Nein zur Institution Kirche. Sie wollen sie nicht mehr weiter mit ihrem Geld, mit ihren Kirchensteuern unterstützen. Aber einen Gottesdienst anlässlich ihrer Trauung wünschen sie sich trotzdem. Persönlicher Glaube ist also trotzdem im Spiel. Inzwischen denke ich: Vielleicht eröffnen gute Erfahrungen zum Beispiel bei einer Trauung auch einen neuen Zugang zur Kirche. Wenn Menschen spüren: Der christliche Glaube ist eine Lebenshilfe, dann kommt bei ihnen möglicherweise etwas in Bewegung. Vielleicht löst es etwas aus, wenn Menschen erleben, dass die Kirche nicht nur Hüterin der kirchlichen Ordnungen ist. Sondern dass sie den Wunsch nach einem Gottesdienst ernst nimmt und den Glauben neu und lebensnah ins Gespräch bringt, meint Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Glaube, Hoffnung, Liebe - Trauung trotz Kirchenaustritt
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