Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.03.13; Pfarrer Sven Keppler

"Siehe, ich mache alles neu!"

„Siehe, ich mache alles neu!“ Mit diesem Versprechen von Gott endet die Bibel. Alles wir neu und zwar komplett.

Das spricht eine tiefe Sehnsucht in mir an: Ich kann endlich alles hinter mir lassen, was mich schon lange belastet. Meine verkorksten Beziehungen. Die missgünstigen Nachbarn. Meine krumme Nase. Und überhaupt mich selbst mit all meinen Macken. „Siehe, ich mache alles neu!“

Aber noch ist diese Sehnsucht unerfüllt. Gottes neue Welt lässt auf sich warten. Ich muss wahrscheinlich erst sterben, bevor ich sie entdecken darf. In der Zwischenzeit wird mir eine Menge angeboten, womit ich mich trösten kann: bunte Hosen, die mich zehn Jahre jünger machen. Ein Smartphone, durch das ich nie mehr alleine bin. Oder ein
Hybridauto, das mir hilft, mit jedem gefahrenen Kilometer die Welt zu retten. Wie soll die Wirtschaft wachsen ohne unser ständiges Bedürfnis nach Erneuerung?!

Aber was wird eigentlich aus dem Alten? Gute Frage. Einmal fragte Kaiser Wilhelm I. den Direktor der Bonner Sternwarte: „Was gibt‘s Neues am gestirnten Himmel?“ Der antwortete ruhig: „Kennen Königliche Hoheit schon das Alte?“ Das ist der wunde Punkt bei der Sehnsucht nach dem Neuen. Oft kenne ich das Alte nur zu gut und will es gerade deshalb loswerden. Aber wenn ich immer nur Neues suche, dann verliere ich die Beziehung zu meinen alten Schätzen.

Auch Gottes Versprechen hat diese Kehrseite. Er sagt: „Siehe, ich mache alles neu!“ Viele fühlten sich dadurch angesprochen. Aber irgendwann fragten sie sich: „Was wird eigentlich aus dem Alten?“

Die ersten Christen fanden darauf eine radikale Antwort: „Alles wird verbrannt. Am Ende gibt es eine große Katastrophe und unsere Welt landet auf dem kosmischen Müllhaufen. Nur die Erwählten werden gerettet. Um das Alte braucht sich dann niemand mehr zu sorgen.“ Ein bisschen erinnert mich das an unsere Wegwerf-Mentalität. Ständig werden neue Dinge in unsere Wohnungen gespült. Der Rest wird entsorgt: Kleidung aus der letzten Saison, übrig gebliebene Lebensmittel, Computer, die nach zwei Jahren schon wieder veraltet sind.

Wenn ich am Ende bin, abgenutzt, nicht mehr aktuell, dann will ich nicht aussortiert werden. Ich möchte erneuert werden. Aber so dass nicht irgendwas Neues an meine Stelle tritt. Gott soll mich annehmen mit allem, was mich ausmacht.“ Weil ich zu wertvoll bin, um einfach auf dem Müll zu landen.

Ich möchte Gott beim Wort nehmen:“ Siehe, ich mache alles neu.“ Alles – das heißt: nicht nur eine kleine Gruppe von Erwählten. Sondern wirklich alle, jeden Einzelnen. Auch mich. Und warum will Gott mich neu machen? Nicht, weil er mich satt hat. Nicht, weil er mich von gestern findet und mich ersetzen möchte. Sondern für mich will er alles neu machen. Mir will er neue Kraft geben, mich von meinen Krankheiten heilen. Meine Welt befreien von Gewalt und Krieg. Gott wird nur das entsorgen, was das Leben belastet. Was Gott neu macht, wird niemals alt aussehen.

 

Audiobeitrag "Siehe, ich mache alles neu!"


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