Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.03.13; Pfarrer Sven Keppler

Petrus

Petrus war ein impulsiver Mann. Wenn andere zögerten, rief er gleich: „Ich mach‘s.“ Auch wenn er dann später Angst vor der eigenen Courage bekam:

Im ersten Moment war er zu allem Neuen bereit. Schnell zu begeistern. Ein Feuerkopf , schnell entflammbar. Ein fehlbarer Mensch, aber mit dem Herzen am rechten Fleck. Ich dagegen hätte erst mal gründlich nachgedacht. Hätte den Sprung ins kalte Wasser eher vermieden. Wäre wahrscheinlich nicht so oft auf die Nase gefallen wie Petrus. Aber die Chancen, die er ergriff, wären an mir ungenützt vorbeigezogen.

Typisch ist die Geschichte, bei der Petrus sich tatsächlich auf‘s Wasser wagte. Es war ein stürmischer Abend auf dem See Genezareth. Jesus hatte seine Jünger mit dem Boot über den See geschickt und war selbst am Ufer geblieben. Hatte wieder einmal die Einsamkeit gesucht. Die Stille und das Gebet. Doch als auf See der Sturm immer stärker wurde, brauchten ihn seine Jünger.

Später erzählten sie, dass Jesus zu ihnen gekommen war. Zu Fuß, über‘s Wasser. Die Jünger hielten ihn für eine Art Klabautermann. Wussten nicht, was sie schlimmer finden sollten: die Seenot oder den Spuk. Da hatte Petrus die rettende Idee: Wenn die Erscheinung wirklich Jesus ist, dann kann ich mich ihm anvertrauen. Dann soll er mich zu sich rufen – ich werde zu ihm über‘s Wasser gehen.

Er stieg aus dem Boot. Und ging tatsächlich ein paar Schritte auf Jesus zu. Doch dann kamen die Gedanken. Was mache ich hier eigentlich? Bin ich wahnsinnig? Wenn das Ganze nur eine Einbildung ist? Und schon versank er in den Fluten. Kam erst im Boot wieder zu sich. Jesus saß neben ihm, der Sturm hatte sich gelegt.

„Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“, fragte ihn Jesus. Schwer vorstellbar, einen wie Petrus für unfehlbar zu halten. Und trotzdem hat Jesus gerade ihm viel zugetraut. Hat ihn sogar als Stütze der Kirche angesehen. Das war, als sich wieder einmal alle zögernd zurückgehalten hatten und nur Petrus Mut zeigte.

Jesus hatte gefragt: „Was sagen die Leute eigentlich, wer ich bin?“ Da war den Jüngern noch etwas eingefallen: der Täufer, oder ein Prophet wie Jeremia. Aber dann hatte Jesus nachgehakt: „Und was sagt ihr, wer ich sei?“ Schweigen. Nur Petrus wagte, das bis dahin Unausgesprochene in neue Worte zu fassen: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Jesus war beeindruckt von seinem Glauben und nannte ihn einen Felsen. Einen, auf den man bauen kann.

Aber wie immer bei diesem Petrus war die Stimmung schnell umgeschlagen. Jesus hatte angekündigt, dass er leiden müsse und sogar hingerichtet würde. Petrus brauste auf und widersprach. Und Jesus fuhr ihn an: „Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.“ Gerade noch Fels, schon verteufelt.

Immer wieder war es so gegangen. Auch, als es tatsächlich zum Prozess gegen Jesus gekommen war. „Wenn sich auch alle von dir lossagen, ich werde zu dir halten,“ hatte Petrus gesagt. Aber noch bevor der Hahn zweimal krähte, hatte er Jesus dreimal verleugnet.

Auch wenn dieser Feuerkopf jedes Mal eine kalte Dusche bekam – er hat sich immer wieder nach vorne getraut. Von so einem möchte ich lernen. Wer heute auf Gott vertraut und mutig auf Neues zugeht – den kann man mit Recht einen Nachfolger Petri nennen.

Audiobeitrag Petrus


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