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Jesus Christus - das Brot des Lebens
Jesus Christus sagt von sich selbst Ich bin das Brot des Lebens! Was hat Jesus bewogen, dieses Bild zu wählen?
Wenn wir das Wort Brot hören, dann löst das in uns etwas aus. Wir haben Bilder davon im Kopf: So sieht Brot aus. Wir erinnern uns daran, dass wir hungrig waren oder mit wem wir das Brot geteilt haben. Wie es riecht, wie es schmeckt.
Ich nehme jetzt ein Brot zur Hand. Ein dunkelbraunes rundes Bauernbrot, mit kräftiger Kruste, an einigen Stellen aufgebrochen. Auch cremefarbene Mehlspuren sind auf ihm zu sehen. Es fühlt sich hart an, obwohl es ganz frisch ist. Die Zähne werden zu tun haben bei dieser Kruste und kräftig kauen müssen.
Aus diesem Brotlaib kommt mir ein ungemein würziger Duft entgegen. Sie kennen das vielleicht: Man hat ein frisches Brot gekauft und möchte am liebsten sofort hineinbeißen, kann es kaum erwarten, dass der Tisch gedeckt und die Brotscheiben geschnitten sind.
Ich lege meine Hand auf das Brot und weiß um die Kraft des Kornes, aus dem es gebacken ist. Und dass es mich kräftig machen kann. Es ist ein großes Brot. Ich kann es nicht alleine essen. Es ruft zum Teilen auf, zum gemeinsamen Essen. Ein gemeinsames Essen, wie wir es in der Kirche auch im Abendmahl erleben, in dem Christus sich uns schenkt.
Der Theologe Lothar Zenetti sagte einmal über Jesus Christus, der seine Kraft für andere gab: Ein Mensch wie Brot, das wie Hoffnung schmeckt, bitter und süß.
Predigtteil 2
Liebe Gemeinde! Brot das wissen wir alle ist nicht irgendein Lebensmittel unter anderen. Es steht für all das, was uns am Leben hält. Als im September 2010 in Mosambik die Brotpreise durch Spekulation drastisch erhöht und damit für die meisten Bewohner unbezahlbar wurden, gingen die Armen auf die Straße. Es kam zu gewaltsamen Aufständen. Ähnlich verlief es auch in manch anderen Ländern Afrikas und des Nahen Ostens. Wie wichtig Brot ist, davon können auch die Älteren unter uns erzählen, die den Krieg erlebt haben. Während der letzten Kriegsjahre und danach waren sie dankbar für jedes Stück Brot. Zuhause bewahre ich immer noch eine Lebensmittelkarte meiner Mutter aus dieser Zeit auf. Sie ruft mir in Erinnerung , wie groß Not sein kann.
In jedem Vaterunser beten wir nicht ohne Grund Unser tägliches Brot gib uns heute. Gemeint ist alles das, was unser Leben erhält, was es menschenwürdig und sinnvoll macht. Also auch Wohnung, Arbeit, Kleidung, Schule, Pflege, Familie und ja, Liebe! Menschenwürde die liegt Gott am Herzen. Denn wir sind von ihm zu seinen Ebenbildern gemacht und mit einer besonderen Würde ausgestattet worden. Wie oft wird täglich diese Würde in der weiten Welt durch Hunger und Ausbeutung beschädigt? Wie oft auch hier? Auch bei uns arbeiten Menschen zu Hungerlöhnen, suchen Familien bezahlbare Wohnungen, verarmen Alte. Die Schere zwischen Arm und Reich- sie driftet auseinander.
Unser tägliches Brot gib uns heute alles andere als eine Floskel. Jesus trat für die Würde der Menschen als Kinder Gottes ein. Über das das leibliche Wohl
ging er nicht einfach hinweg. Dem Evangeliumstext, der von Jesus als Brot des Lebens handelt, geht im Johannes Evangelium die Geschichte von der Speisung der 5000 voraus. Fünf Brote, zwei Fische und alle wurden satt. Ja, alle sollen satt werden können. Diese Geschichte findet sich auch im Lukas Evangelium: Dort sagt Jesus zu seinen Jüngern: Gebt ihr ihnen also dem Volk - zu essen. Und Selig die Armen.., Selig, die jetzt hungern, denn sie sollen satt werden. Das meinte Jesus ganz wörtlich. Gott gibt uns ja dieses Brot, so wie er dem Volk Israel in der Wüste durch Mose das wundersame Manna gegeben und ihren Hunger gestillt hatte.
Als erstes möchte ich deshalb festhalten: Wahrung der Menschenwürde, Gerechtigkeit, Teilen, Brot für alle das hat Jesus verkündigt und gelebt; das hat er uns, den Nachfolgenden, ins Stammbuch geschrieben.
Und dann hören wir auch das andere: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Jedenfalls nicht nur von den äußeren Dingen, sagt Jesus. Wir brauchen auch Nahrung für unsere Seele, denn der Mensch ist beides : Leib und Seele in einem. Wenn Jesus nun sagt, dass er das Brot des Lebens ist, dann erinnert er uns daran: Sorgt für eure Seele , seid achtsam. Wo finden wir, was unserer Seele gut tut? Wo suchen wir? Was gibt uns Mut und Kraft? Was trägt uns?
Jesus lädt uns in dieser Stunde ein. Zweimal heißt es im heutigen Evangelium: Ich bin das Brot des Lebens. Und: Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern. Den wird nicht hungern hier ist nun nicht der Hunger des Körpers, sondern vor allem der Seele gemeint.
Man hat den Eindruck, dass in unserer immer schnelllebigeren Zeit und globalisierten Welt, der Seelenhunger nicht kleiner geworden ist. Materielles scheint immer wichtiger zu werden. Und dort, wo materielle Fülle ist, beobachten wir immer mehr Menschen, die ausgebrannt sind , schon unter Schülern, weil Leistungs- und Effizienzdruck übermäßig auf sie einwirken.
Wonach hungern wir wirklich? Wo werden wir satt? Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, sagt Jesus. Denn Ich bin das Brot des Lebens. Wir haben heute drei Menschen aus unserer Gemeinde gehört, die beschrieben haben, wie der Glaube an Jesus für sie in ganz konkreten Lebenssituationen eine Seelennahrung geworden war. Wie er ihnen Trost und Kraft gegeben hatte, Ängste kleiner werden ließ.
Ein Glaube, der in der Kindheit beginnen kann und sich im Laufe eines Lebens auch verändert, der durch Täler wie über Höhen gehen mag , und immer wieder neu zum Brot wird. Welche Geschichten würden Sie, liebe Gottesdienstbesucher hier in Neuss oder am Radio wohl heute erzählen können? Vielleicht fallen Ihnen Situationen aus Ihrem Leben ein, in denen Sie das Brot des Glaubens schmecken konnten. Man müsste diese Geschichten aufschreiben und sammeln. Sie können auch anderen zum Brot des Lebens werden.
Wenn Jesus vom Brot des Lebens spricht, dann meint er ein Leben, das über den Tod hinausgeht. Das ewige Leben. Wer von diesem Himmelsbrot isst, wird nicht sterben, sagt er. Wir sind eben mehr als nur der irdische Leib; das Leben umfasst mehr als nur die ungewissen Jahre auf der Erde. Unser Leben hat seinen Ursprung in der Liebe Gottes und in ihm auch sein Ziel. Daran erinnert uns Jesus. Und dieses Wissen kann uns zu einer Gelassenheit des Glaubens führen, die nicht ängstlich suchen und festhalten muss. Weil wir vertrauen dürfen.
Als ich kürzlich über den Heidelberger Katechismus aus Anlass seines 450 jährigen Jubiläums predigte, da kam mir die Frage 1 besonders in den Sinn. Sie steht auch auf meiner Konfirmationsurkunde, die neben meinem Schreibtisch hängt. Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Antwort: Dass ich mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben, nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre. Damals, als Konfirmand, als Jugendlicher, da war mir das noch etwas zu schwer und weit weg von meiner Lebenswelt. Im Laufe des weiteren Lebens haben mir diese Frage und Antwort aus dem Katechismus Mut gemacht.
Worauf kommt es im Leben wirklich an? Manchmal laufen wir Zielen hinterher, die uns nicht wirklich erfüllen können. Was Bedeutung hat, wird uns oft erst bewusst, wenn es in Gefahr ist oder verloren. Doch ist es nie zu spät, sich Gott anzuvertrauen und zu glauben. Wer glaubt, der hat das ewige Leben, so beginnt unser heutiges Evangelium. Das ist eben keine Vertröstung auf ein Jenseits. Das ewige Leben fängt schon heute und hier an, wo du dich auf Christus verlässt und mit ihm deinen Weg gehst. Wo du von diesem Brot des Himmels isst. Es wird dir Kraft geben, dich entlasten, dir Freude schenken und eine andere neue Sicht auf das Leben. Für mich ist das Gebet hier von besonderer Bedeutung. Das Gespräch mit Gott. Das Nachdenken über mich selbst, das Aussprechen meiner Sorgen, aber eben auch das Danken. Wie wir von Kindern lernen können, wieder die Blume am Wegesrand zu sehen oder den Schmetterling, so kann uns der Glaube lehren, für so vieles in unserem Leben dankbar zu sein, was wir oft als selbstverständlich hinnehmen.
Liebe Hörerinnen und Hörer. Liebe Gemeinde hier in der Christuskirche. Jesus Christus das Brot des Lebens. Für uns alle am heutigen Tage eine Einladung zum Glauben. Kraft, Trost, Zukunft allen, die davon essen. Amen Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen

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